Von der Töchterschule zum MDG

Von der Töchterschule zum MDG

Gerhard Jaster und Eckhard Hellmich.

Von Edda Hagebölling

Nienburg. „Zwei Jahre habe ich gegrummelt, doch mittlerweile ist mir klar, dass eine nahezu komplett erneuerte Schule auch einen neuen Namen braucht.“ Studiendirektor a. D. Gerhard Jaster macht nach wie vor keinen Hehl daraus, dass er sich anfangs überhaupt nicht mit dem Gedanken anfreunden konnte, dass die Hindenburgschule nicht mehr Hindenburgschule heißen sollte. 28 Jahre lang hat der Studiendirektor als Lehrer für Biologie und Chemie am heutigen Marion-Dönhoff-Gymnasium (MDG) gewirkt, jetzt überreichte er MDG-Chef Eckhard Hellmich das Ergebnis seiner langjährigen Sisyphusarbeit: das Gesamtverzeichnis all der Schülerinnen und Schüler, die die Hindenburgschule in den Jahren besucht haben, in denen sie Hindenburgschule hieß – nämlich von 1927 bis 2006 – , eine Chronik der Abitur-Jahrgänge – die erste Reifeprüfung wurde 1942 absolviert – und – sozusagen als Krönung seines Vermächtnisses – das Verzeichnis all der Schülerinnen, die von 1876 bis 1927 den Vorläufer der Hindenburgschule – die Höhere Töchterschule – besucht haben. „Begonnen hat alles im Herbst 1990, als für unsere Schule die ersten Planungen für die Feier zum ‚100-jährigen Jubiläum in städtischer Trägerschaft‘ Form annahmen. Damals lagen sowohl die Herausgabe der Jubiläums-Zeitschrift als auch das Sammeln von Adressen ehemaliger Schülerinnen und Schüler in meiner Hand“, so Gerhard Jaster in seinem Vorwort.

Zu diesem Zeitpunkt war der Markloher bereits „der Herr der Abiturarbeiten“. Auch nach seiner Verabschiedung in den Ruhestand am 1. Januar 2000 organisierte der die Treffen der Abiturientinnen und Abiturienten, die ihre Reifeprüfung vor 25 und 40 und mittlerweile sogar 50 und 60 Jahren absolviert hatten.

Dass Jasters Aufzeichnungen im Jahr 2006 enden, kommt nicht von ungefähr. 2006 wurde aus der Hindenburgschule – nach langjähriger und immer wieder aufkeimender öffentlicher Diskussion – in einem Festakt am 8. Mai 2006 das Marion-Dönhoff-Gymnasium.

Jasters mühselige Recherche-Arbeiten – in einem bis dato quasi nicht vorhandenen Schularchiv – förderten neben den Namen der Schülerinnen und Schüler auch die Namen der Schulleiter zutage. Und die Entwicklung der Bildungseinrichtung von einer privaten höheren Töchterschule bis zu einem öffentlichen Gymnasium für Mädchen und Jungen. „Allerdings“, schränkt Jaster ein, „die ersten Jungs sind mir an unserer Schule 1971/72 über den Weg gelaufen.“

Aus der kleinen Chronik zur Höheren Töchterschule, die Jaster Oberstudiendirektor Eckhard Hellmich jetzt überreichte, geht unter anderem hervor, dass in Nienburg im Oktober 1832 die erste „Privat-Töchterschule“ eingerichtet wurde. Von 1833 bis 1838 wurde sie als öffentliche höhere Töchterschule geführt, dann aber wegen knapper öffentlicher Kassen wieder in eine „Höhere Privat-Töchterschule“ umgewandelt. Mit Wirkung vom 1. April 1891 wurde die gehobene Privatschule für Mädchen in die Trägerschaft der Stadt Nienburg übernommen und unter dem Titel „öffentliche gehobene Töchterschule der Stadt Nienburg/Weser“ fortgeführt. 1901 hat die Schule 124 Schülerinnen.

Am 8. September 1927 erhält die Schule „nach persönlicher Erlaubniserteilung durch den Herrn Reichspräsidenten“ den Namen: Hindenburgschule – Städtisches Lyzeum zu Nienburg/Weser.

Aktuell besuchen 529 Mädchen und 462 Jungen das Marion-Dönhoff-Gymnasium. Eckhard Hellmich dankte Gerhard Jaster sehr herzlich dafür, dass er ihm quasi die Wurzeln der Schule überreicht habe. Fortgeführt wird die Ehemaligenarbeit am MDG mittlerweile von Elke Toepsch. Um den Aufbau eines Schularchivs wird sich voraussichtlich Ralph Werner kümmern. Doch auch der Studiendirektor a.D. wird seine Hände nicht in den Schoß legen.

„Natürlich habe ich längst ein neues Projekt in Arbeit, aber die Zeit wird knapp“, so der 72-Jährige.