Die Mitglieder des Netzwerks Sozialplanung erfuhren Wissenswertes zur Wohnraumanalyse von Ökonom Matthias Günther vom Pestel Institut für Systemforschung (stehend). Foto: Stadt Nienburg

Die Mitglieder des Netzwerks Sozialplanung erfuhren Wissenswertes zur Wohnraumanalyse von Ökonom Matthias Günther vom Pestel Institut für Systemforschung (stehend). Foto: Stadt Nienburg

Nienburg 05.03.2020 Von Die Harke

Vor allem günstige Wohnungen fehlen

Vorstellung der Wohnraumanalyse beim Treffen des Netzwerks Sozialplanung

Beim jüngsten Treffen des Netzwerks Sozialplanung, welches kürzlich im Nienburger Rathaus stattfand, referierte der Diplom-Ökonom Matthias Günther vom Pestel Institut für Systemforschung aus Hannover.

Das Netzwerk Sozialplanung ist ein interdisziplinäres Gremium, welches sich neben Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlichster Fachbereiche der Stadtverwaltung, aus Aktiven verschiedenster Professionen und Institutionen, wie beispielsweise der Wohnungslosenhilfe, der Gemeinwesenarbeit, der Schuldnerberatung, der Polizei und dem Jobcenter zusammensetzt.

Handlungsbedarf bei Armut und Wohnen

Da vom Netzwerk ein besonderer Handlungsbedarf bei den Themenfeldern „Armut“ und „Wohnen“ ausgemacht wurde, hatte Sebastian Meyer, Sozialplaner der Stadt Nienburg, den Diplom-Ökonom eingeladen, um eine Wohnraumanalyse für die Stadt Nienburg vorzustellen.

Laut Günther besteht in Nienburg, wie in vielen anderen Orten auch, ein aktueller Wohnungsbedarf – vor allem an kleineren Wohnungen im unteren Preissegment.

Indikatoren dafür seien unter anderem der verhältnismäßig hohe Anteil an Empfängern von Mindestleistungen in der Nienburger Bevölkerung, sowie das wachsende Bestandsangebot an Ein- und Zweifamilienhäusern. Um einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung des Wohnbedarfs werfen zu können, präsentierte Günther dem Netzwerk vier mögliche Szenarien der Bevölkerungsentwicklung für die Stadt Nienburg bis 2035.

Grundsätzlich sei laut Günther davon auszugehen, dass die Zahl an Erwachsenen, auch bei hoher Zuwanderung, nicht mehr deutlich zunehmen- und somit auch die Anzahl an Haushalten ungefähr gleichbleiben wird. Auf Nachfrage erläuterte Günther, dass die Entwicklung von Bauland auch zukünftig ein zentrales Thema für die Stadt Nienburg sein dürfte und betonte, dass im sozialen Wohnungsbau das Land und die Kommune mit Zusatzförderungen gefragt sei. Von Aufstockungen im Bestand, beispielsweise über Supermärkten, riet er ab.

Onkes für kommunales Wohnungsbauprogramm

Der Geschäftsführer der GBN, Claus Vollmer, sprach sich für mehr Geschosswohnungsbau in den Neubaugebieten aus, mahnte aber, dabei auch die vorgestellte Bevölkerungsentwicklung im Blick zu behalten, „um nicht die Leerstände von Morgen zu bauen“.

Der Bürgermeister Henning Onkes plädierte für ein „kommunales Wohnungsbauprogramm“ und betonte: „Wir brauchen eine gute Mischung aus Ein- und Zweifamilienhäusern sowie Mehrfamilienhäusern und Sozialwohnungen. Gerade in dieser Hinsicht haben wir die Verantwortung für den ganzen Mittelweserraum. Dies gilt im Übrigen auch für eine geordnete und nachhaltige Siedlungsentwicklung.“

Um den Schwung aus dem gemeinsamen Austausch mitzunehmen, regte Christine Kreide, Leiterin des Fachbereichs Bildung, Soziales und Sport, an, eine „Expertenrunde“ in Form eines Arbeitskreises einzurichten, um die kommunale Ausrichtung beim Thema „Wohnungsbau“ weiter auszugestalten. Das Netzwerk Sozialplanung hat sich zudem vorgenommen, einen Sammelband aus verschiedenen Fachbeiträgen zu entwickeln und somit einen möglichst ganzheitlichen Blick auf die Themenfelder „Armut“ und „Wohnen“ in Nienburg zu werfen. An diesem Projekt soll beim nächsten Netzwerktreffen am 12. Mai weitergearbeitet werden.

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Erstellt:
5. März 2020, 21:19 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 19sec

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