Der Jugendtreff Heemsen wurde für sein Graffiti-Projekt von WABE ausgezeichnet. Foto: WABE

Der Jugendtreff Heemsen wurde für sein Graffiti-Projekt von WABE ausgezeichnet. Foto: WABE

Landkreis 22.08.2021 Von Die Harke

WABE-Bündnis prämiert Good-Practice-Projekte

Konzertfilm bekommt den ersten Preis, auch der Jugendtreff Heemsen wird ausgezeichnet

„Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit“, mit diesem Statement eröffnete Kathrin Woltert, Kreisrätin und Dezernentin beim Landkreis Nienburg, die Demokratiekonferenz vom „Weser-Aller-Bündnis: Engagiert für Demokratie und Zivilcourage“ (WABE) der Landkreise Nienburg und Verden. Der Einladung in die Aula der Berufsbildenden Schulen Nienburg folgten nach Mitteilung von WABE mehr als 40 Personen.

Das Grußwort für den Landkreis Verden übermittelte die stellvertretende Landrätin Karin Labinsky-Meyer, die an die rechtsterroristischen Gewalttaten der jüngeren Vergangenheit erinnerte und die Alternativlosigkeit von Zivilcourage betonte. Ruben Obenhaus, Leiter der Mobilen Beratung Niedersachsen gegen Rechtsextremismus für Demokratie, berichtete über rechtsextreme Entwicklungen im Bundesland.

Gefahr: Völkische Siedlerfamilien im ländlichen Raum

Neben völkischen Siedlerfamilien im ländlichen Raum, neonazistischen Aktivitäten in Eschede und Braunschweig und mutmaßlich von Rechtsextremen verübte Brandanschläge auf Restaurants im Bremer Umland würden der Antisemitismus und Rassismus von Reichsbürgern und anderen Verschwörungsideologen unter dem Eindruck der Pandemie eine wachsende Bedrohung darstellen. Anlass zur Sorge bereite die Entwicklung um rechtsextreme Lehrerkräfte an Freien Schulen – ein Thema, das die Fachjournalistin Andrea Röpke in einem der Workshops vertiefte.

Aktuelle Herausforderungen

Einen Rückblick und Ausblick der Arbeit des WABE-Netzwerks bot Rudi Klemm, Leiter der Koordinierungs- und Fachstelle. Trotz Corona sei die Mehrzahl der 32 beantragten Projekte im Jahr 2020 umgesetzt worden, zum Teil entstanden auch neue pandemiegerechte Veranstaltungsformate.

Zu den aktuellen Herausforderungen zählte Klemm die Aktionen der neonazistischen Bruderschaft „Nordic 12“, die kürzlich in Verden in martialischen Posen aufgetreten sei, regelmäßige Aktivitäten der Identitären Bewegung im Landkreis Verden, LGBTIQ-feindliche Aktivitäten in Nienburg, aber auch eine Initiative zur Schulgründung aus christlich-fundamentalistischen Kreisen. Wachsamkeit und Sensibilisierung, auch im Austausch mit Multiplikatoren in der Verwaltung und den Sicherheitsbehörden, sei ein wichtiger Ansatz, um demokratiefeindlichen Entwicklungen zu begegnen.

Höhepunkt der Veranstaltung, die Ilaria Massari von der Stadt Verden moderierte, war die Vorstellung und Prämierung der Good-Practice-Projekte des Jahres 2020. Den ersten Platz erhielt der Konzertfilm „CATO 100“ der Kirchengemeinde Fischerhude, den stellvertretend Marlies Meyer, Gleichstellungsbeauftragte im Flecken Ottersberg, entgegennahm. Der Film widmet sich dem Gedenken an die von den Nationalsozialisten ermordete Fischerhuder Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek.

Die Veranstaltung „Unsere Felder sind bunt“ des Vereins „Forum Zukunft“ aus Dörverden thematisierte im Rahmen eines Vortrags des Journalisten Andreas Speit die Gefahr der Unterwandung der ökologischen Landwirtschaft durch völkische Rechtsextreme, die ihrer Blut- und Bodenideologie folgend auch in Niedersachsen siedeln würden.

Erster Platz für Projekt vom Jugendhaus Heemsen

Erstmalig in der Geschichte des Netzwerks wurden zwei Projekte des Jugendaktionsfonds ausgezeichnet. Das WABE-Netzwerk stellt in Kooperation mit dem Kreisjugendring Nienburg jungen Menschen Mittel zur Verfügung, um Projekte und Aktionen zu finanzieren, die Demokratie und Zivilcourage fördern. Den ersten Platz als Good-Practice-Projekt erhielt das Graffiti-Projekt des Jugendtreffs Heemsen. Zur Illustration ihrer Aktion hatten die Jugendlichen einen Film angefertigt, der die Entstehung des Graffitos, aber auch das Prozedere der Antragsstellung, welches die jungen Menschen selbstständig durchliefen, anschaulich darstellte.

Marlies Meyer nahm den Preis für das Filmprojekt entgegen. Foto: WABE

Marlies Meyer nahm den Preis für das Filmprojekt entgegen. Foto: WABE

Platz zwei erhielt der „Nachhaltige Lautsprecher-Wagen“ der „Fridays for Future“-Ortsgruppe Verden. Moe Geweke und Jannis Klee gaben Auskunft über die Entstehung des Wagens, für den ausschließlich gebrauchte Geräte verbaut wurden. Als „Verstärker“ ihrer Botschaften werde der Lautsprecher-Wagen auf Klimaschutz- Demonstrationen eingesetzt, wie kürzlich bei der Fahrrad-Demonstration in Verden, aber auch anderen für die Demokratie engagierten Jugendgruppen zur Verfügung gestellt.

Die Preisträger des „nachhaltigen Lautsprecher-Wagens“. Foto: WABE

Die Preisträger des „nachhaltigen Lautsprecher-Wagens“. Foto: WABE

Die Pause konnten die Teilnehmenden nutzen, um die Wanderausstellung „Sara sei dein Name“ über Antisemitismus in Verden anzuschauen und dabei mit Wencke Hinz vom Verdener Stadtarchiv, das die Ausstellung kuratiert, ins Gespräch zu kommen.

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Erstellt:
22. August 2021, 17:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 47sec

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