Ein Buch über das Leben hat Nina Weger mit „Als mein Bruder ein Wal wurde“ geschrieben. Ney-Janßen

Ein Buch über das Leben hat Nina Weger mit „Als mein Bruder ein Wal wurde“ geschrieben. Ney-Janßen

Loccum/Hannover (ade) 22.02.2019 Von Die Harke

Wachkoma als Thema

„Als mein Bruder ein Wal wurde“ heißt Nina Wegers jüngstes Kinderbuch

„Ein wunderbares Buch über das Leben“ – so beschreibt der Oetinger-Verlag das neue Kinderbuch von Nina Weger, in dem der kleine Bruder eines Jugendlichen im Wachkoma im Mittelpunkt steht. „Manchmal, wenn ich abends im Bett lag, stellte ich mir vor, dass Julius wie ein riesiger Wal durch die Tiefen des Ozeans glitt.“ Bela, der Bruder von Julius, hat diesen Gedanken. Julius liegt nach einem Unfall im Wachkoma. Wie ist das wohl, fragt sich Bela? Bemerkt Julius etwas von seiner Umgebung? Irgendwie tröstlich für ihn ist dieses Bild des Wals. Tief unten im Wasser, stellt er sich vor, ist Julius Zeit ohne Bewusstsein. Taucht er aber auf, um Luft zu holen, dann wird schon noch etwas von dem Bruder da sein. Oder nicht?

Wie es der Familie von Julius und Bela nach dem Unfall ergeht, steht am Anfang des Buches. Krankenhaus, Reha, dann das Nachhausekommen, als die Ärzte meinen, dass sie keine Therapieerfolge mehr erzielen können. Einige Sätze, die der Hausarzt anklingen lässt, sind der Auslöser für einen Roadtrip, auf den sich Bela mit seiner Freundin Martha begibt: Haben sie sich bereits Gedanken gemacht, ob lebenserhaltende Maßnahmen ergriffen werden sollen, wenn Julius beispielsweise eine Lungenentzündung bekommt, will der Arzt wissen. An dieser Frage entzweien sich Vater und Mutter – und Bela überlegt, wer darauf Antwort geben könnte. „Der Papst!“, ist die Antwort seiner Freundin Martha – wenige Stunden später sind die Kinder ausgerissen und auf dem Weg nach Rom.

Zehn Jahre lang, sagt Nina Weger, habe sie dieses Thema im Hinterkopf gehabt. Damals las sie im „Spiegel“ einen Artikel über ein Kind im Wachkoma. Seitdem dachte die Kinderbuchautorin über ein Buch nach, sammelte Informationen und ließ die Idee reifen, bevor sie vor zwei Jahren mit intensiven Recherchen begann. Die Route der Kinder nach Italien ist sie selbst abgefahren. Mit Ärzten hat sie geredet und hat sich mit Familien getroffen, die Kinder im Wachkoma haben. Das, sagt, sie, seien wundervolle Gespräche gewesen. Sie habe bewundert, was diese Familien aushalten könnten, und dass ihr überall dort so viele positive Grundeinstellungen begegnet seien.

Irgendwann, in jedem der Gespräche, sagt sie aber auch, hätten sie alle nur noch geweint. Gewidmet hat sie das Buch aber den Kindern und Jugendlichen des Geschwisterrat aus der Janusz-Korcak-Geschwisterbücherei – junge Menschen, die allesamt Geschwister mit Behinderungen haben. Weil sie von der besonderen Stärke, von der Offenheit und dem Umgang dieser Jugendlichen mit ihrer eigenen Situation, in der so oft ihre Geschwister und nicht sie im Mittelpunkt des Geschehens in den Familien stehen, beeindruckt war.

Vom Entstehen all ihrer anderen Kinderbücher hebe sich „Als mein Bruder ein Wal wurde“ sehr ab, sagt die hannoversche Autorin mit den Loccumer Wurzeln. Das habe bereits damit begonnen, dass der Oetinger-Verlag schwer geschluckt habe, als sie dieses Thema vorschlug – und dann doch gerne zustimmte, es zu verlegen. Ob stimmt, was der Verlag prognostizierte, dass der Verkauf dieses Buches vermutlich nicht gar so hoch werde, muss sich erst noch herausstellen.

Erste Lesungen für vierte bis sechste Schulklassen hat Nina Weger bereits hinter sich. Ein großer Teil der Kinder in diesem Alter habe doch selbst schon irgendwelche Erfahrungen mit dem Tod gemacht. Darauf kämen sie in den Gesprächen zurück, daraus würden sich viele Fragen ergeben. „Es gibt keine Lösch-Funktion“, sagt Nina Weger. Kinder sollten sich bewusst sein, dass sie auch traurig sein dürfen. Was auf dem Klappentext steht und was sie ein ums andere Mal betone, dass dieses Buch nämlich eines über das Leben ist, das würden die Kinder immer schnell realisieren.

Das Leben pulsiert tatsächlich in der Geschichte und neben aller Traurigkeit hat sie viele Passagen, die spannend und auch lustig sind. „Ein wunderbares Buch über das Leben“ – damit verspricht der Verlag keinesfalls zuviel.

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Erstellt:
22. Februar 2019, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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