Klemens Becker, Frank Podehl, Wolfgang Pietrzyk (städtischer Ingenieur und Architekt), Bibliotheksleiter Eike Christian Busch, Rüdiger Tegtmeier und Sabine Hartung (von links) vor dem Posthof. Foto: WG Nienburg

Klemens Becker, Frank Podehl, Wolfgang Pietrzyk (städtischer Ingenieur und Architekt), Bibliotheksleiter Eike Christian Busch, Rüdiger Tegtmeier und Sabine Hartung (von links) vor dem Posthof. Foto: WG Nienburg

Nienburg 11.06.2021 Von Die Harke

Wählergemeinschaft will Posthof retten

Nienburger WG besucht sanierungsbedürftiges Gebäude und sieht dringenden Handlungsbedarf

Um sich ein eigenes Bild vom Zustand des Posthofes zu machen, besuchte jetzt die Fraktion der Nienburger Wählergemeinschaft die Stadtbibliothek.

Die WG wurde vom städtischen Ingenieur und Architekt Wolfgang Pietrzyk für die baufachlichen Informationen und vom Bibliotheksleiter Eike Christian Busch in Empfang genommen.

Die WG schreibt in einer Pressemitteilung: „Neben den Informationen zum Alter und bereits in früheren Jahren durchgeführten Sanierungen war es der WG besonders wichtig, die Möglichkeit einer Inaugenscheinnahme des gesamten Gebäudes zu erhalten. Diese wurde der Wählergemeinschaft vom Keller bis zum Dachboden, innen und außen vollständig ermöglicht. Hierbei konnte auch durch eigene Expertise ein sehr umfassendes Bild der Schäden, aber besonders auch die Gründe für deren Entstehung ermittelt werden.“

„Die Schäden sind schon sehr umfangreich, auch wenn ich persönlich mit noch Schlimmerem gerechnet hätte. Sie können aber – wenn auch mit erheblichem finanziellem Aufwand – behoben werden und das Gebäude definitiv erhalten werden“, so der Fraktionsvorsitzende Frank Podehl.

Es bestehe dringender Handlungsbedarf

Weiter heißt es: „Nach der Besichtigung war sich die Wählergemeinschaft darüber einig, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht und dass umgehend Maßnahmen eingeleitet werden müssen um dieses, für die Nienburgerinnen und Nienburger identitätsstiftende Gebäude zu retten. Dazu würde zum einen das Finden eines Ausweichquartiers für die Bibliothek gehören, welches solange die Unterbringung gewährleisten könnte, bis es zu einer endgültigen Entscheidung des Stadtrates kommt, an welchem Standort eine nachhaltige, zukunftsorientierte und barrierefreie Stadtbibliothek etabliert wird.

Zum anderen muss über die Nachnutzung entschieden werden, um den Posthof dann so sanieren zu können, dass auch hier die Räumlichkeiten der späteren Nutzung entsprechen. Eine Nutzung für Gemeinwesenarbeit könnte ein Baustein sein, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen. Verschiedenste Vereine und Gruppierungen hätten dann hier einen Ort der Begegnung in der Innenstadt. Da die Gesellschaft immer weiter auseinanderdriftet, wird ,Sozialarbeit‘ im breiten Sinne über die Zukunft unseres Zusammenlebens entscheiden.“

Bibliotheksleiter Busch sehe auch die Stadtbibliothek bei diesem Thema in der Verantwortung, um einen dritten Ort zu schaffen, der zum Beispiel Bildungsangebote vorhalten könne und nicht nur benachteiligten Bevölkerungsgruppen einen Ort der Hilfestellung zu allen Lebensfragen bieten könne. „Seien es Vorträge zu Erziehungsfragen, politische Diskussionen oder Selbsthilfegruppen, die sich treffen. Vieles ist in einer Bibliothek denkbar“ so Busch. Es werde immer wichtiger, Sprachkompetenzen zu vermitteln so: „Studien belegen, dass sich Mütter heutzutage immer mehr mit dem Handy beschäftigen und dadurch nicht selten das Sprechen mit ihren Babys oder Kleinkindern zu kurz kommt. Dies wird fatale Folgen für die Kinder haben. Wir als Bibliothek könnten niedrigschwellige Bildungsangebote anbieten, um dem entgegenzuwirken.“

Es ist bedauerlich, dass es hier nicht zu kreativen Lösungen kommt. Sabine Hartung

Sabine Hartung, Mitglied im Kulturausschuss der Stadt, kritisiert die Verwaltung: „Es ist bedauerlich, dass es hier nicht zu kreativen Lösungen kommt. Mit dem Ratsbeschluss, die ,Wissensburg‘ nicht umzusetzen, ist die Stadt in der Verpflichtung, nun andere Lösungen zu suchen. Wir wünschen uns eine Auslagerung der Bibliothek, um den Posthof zu entkernen und das Gebäude zu sanieren.“

Daneben habe die Politik dann auch Zeit, einen endgültigen Standort für die Bibliothek festzulegen. Wobei dann immer noch nicht das Archiv-Problem gelöst sei. Frank Podehl, Mitglied im Stadtentwicklungsausschuss, sagt: „Mit den durch das ISEK-Förderprogramm möglichen finanziellen Mitteln für den Abbau städtebaulicher Missstände könnte man sicherlich die unbedingt erforderliche Rundum-Erneuerung des Posthofes auch finanziell stemmen.“

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Erstellt:
11. Juni 2021, 13:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 45sec

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