Nikias Schmidetzki DH

Nikias Schmidetzki DH

Kolumnen 02.09.2017 Von Nikias Schmidetzki

War es das jetzt?

War das der Sommer für dieses Jahr? Oder anders gefragt: Wo war der Sommer in diesem Jahr? Zwischendurch hat er sich zu erkennen gegeben, blieb aber insgesamt eher blass – so ist das allgemeine Empfinden. Aber sehen wir es doch mal ganz pragmatisch: Relativ wenige Mücken fanden den Weg ins Schlafzimmer und ebenfalls nur ab und an mal ein paar Wespen an den Terrassentisch. OK; da saß sowieso vergleichsweise selten jemand – war ja doch zu kalt oder zu nass oder zu windig oder zu spät.

Der Rasensprenger war in den vergangenen Wochen auch eher selten nötig. Das spart enorm viel Wasser. OK; dafür spross der Rasen und der Mäher musste ran – wenn es denn trocken war. Sich dabei, während anderer Gartenarbeit oder bei einer Mußestunde einen Sonnenbrand zu holen war an den meisten Tagen dafür auch ein kleines Kunststück.

Aber es gab sie, die Sommertage. Ganz ehrlich. Und vielleicht, ganz vielleicht, wird der September doch noch zum Altweibersommer, wie der Volksmund eine späte warme, sonnige Phase gerne nennt. Und das darf er auch. Das Landgericht Darmstadt hat bereits 1989 festgestellt, dass die Verwendung des Ausdrucks Altweibersommer – wenigstens in den Medien – keinen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte von älteren Damen darstellt.

Und im Grunde hat es uns doch gut getroffen. Keine Überschwemmung, kein Erdbeben, keine verheerenden Waldbrände. Und machen wir uns doch nichts vor. Ein mitteleuropäischer Sommer ist eben nicht mediterran und schon gar nicht tropisch. Aber natürlich hat ein jeder und eine jede das Recht, seinen Sommer zu reklamieren und zu versuchen, den Anspruch auf einen „richtigen Sommer“ geltend zu machen. Aber bei wem? Und vor allem bitte nur mit Orginal-Bon.

Es war 1975 als ein 41-jähriger Niederländer erkannte, dass es sowieso nie mehr so wird, wie es mal war. Rudi Carrell fragte vor mehr als 40 Jahren „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ Die Antwort darauf hatte – was Carrell natürlich nicht ahnen konnte – schon ein Dutzend Jahre zuvor der Folkmusiker Bob Dylan parat: „The answer ist blowing in the wind.“ – Die Antwort weht im Wind. Und von dem gab es ja in den vergangenen Wochen genug. Nur verstehen konnte ihn keiner.

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Erstellt:
2. September 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 10sec

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