Die Notaufnahme des Nienburger Krankenhauses. Foto: Helios

Die Notaufnahme des Nienburger Krankenhauses. Foto: Helios

Nienburg 14.04.2020 Von Die Harke

„Warnsignale ernst nehmen“

Appell der Krankenhausärzte: Trotz Coronakrise und Verunsicherung bei akuten Beschwerden in Klinik kommen

Das Thema Coronavirus und die Vorbereitung auf mögliche Patientenaufkommen scheint derzeit vorherrschend in Krankenhäusern zu sein.

Doch auch Patienten mit Herzinfarkten, Schlaganfällen und anderen plötzlich auftretenden Erkrankungen müssen weiterhin unverzüglich medizinisch versorgt werden, heißt es in einer Presseerklärung der Helios-Kliniken Mittelweser.

Im Nienburger Krankenhaus sei die Behandlung in Akut- und Notfallsituationen rund um die Uhr sichergestellt. Die Ärzte appellieren an Betroffene, Warnsignale ernst zu nehmen und sich in medizinische Hände zu begeben.

Die Verunsicherung sei groß. Immer mehr Patienten würden den Gang ins Krankenhaus meiden – aus Angst, sich dort mit COVID-19 zu infizieren, teilt die Klinik mit. Die Mediziner im Helios Klinikum warnen davor, Beschwerden zu verschleppen und raten, weiterhin ins Krankenhaus zu kommen.

Dazu gehörten Patienten mit Brustschmerzen oder akute neurologischen Symptomen wie Lähmungen oder Sprachstörungen oder Störungen des Bewusstseins und starken Schmerzen. „In unserer Notaufnahme können und wollen wir weiterhin Patienten mit akuten Beschwerden versorgen“, sagt Thomas Clausing, Geschäftsführer der Helios-Kliniken Mittelweser.

„Im engen Austausch mit unserer Klinikhygiene haben wir alle Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, um das Ansteckungsrisiko für Patienten und Mitarbeiter einzudämmen.“

Hinweisschilder zur Händedesinfektion und Abstandsregelungen sowie Schutzkleidung und das Tragen eines Mundschutzes für alle Mitarbeiter seien nur einige der Maßnahmen. „Sobald ein Patient mit Verdacht auf COVID-19 zu uns kommt, wird die Schutzkleidung noch deutlich verstärkt“, erläutert Clausing.

Auch wurden gemeinsam mit dem Landkreis vier Container zur isolierten Erstuntersuchung vor der Notaufnahme aufgestellt, in denen Patienten mit Verdacht auf COVID-19 sofort isoliert und unter Einhaltung der entsprechenden Schutzmaßnahmen untersucht werden.

Im Ernstfall zählt jede Minute – das wissen Dr. Martin Bästlein, Chefarzt der Klinik für Neurologie, und Dr. Christian Heer, Chefarzt der Klinik für Kardiologie. „Immer wieder erleben wir Patienten, die bei einem Schlaganfall oder Herzinfarkt zögern, den Rettungsdienst über die Nummer 112 zu rufen“, erzählt Bästlein.

Früh reagieren, um Chancen zu erhöhen

Dabei gilt: Je früher ein Patient medizinisch versorgt werde, umso besser seien die Chancen, dass er einen Schlaganfall oder Herzinfarkt ohne größere Beeinträchtigungen übersteht. Daran habe sich auch in Zeiten von Corona nichts geändert. „Wir müssen den Menschen die Angst nehmen. Sie müssen wissen, dass sie im Ernstfall in unserem Krankenhaus gut und richtig versorgt werden“, ergänzt Heer.


Typische Anzeichen für einen Herzinfarkt sei heftige Schmerzen im Brustkorb, die länger als 15 Minuten anhalten und in Arme, Schulterblätter, Hals, Kiefer oder Oberbauch ausstrahlen können. Viele Patienten spürten auch ein Engegefühl oder heftigen Druck oder Brennen im Brustkorb. Weiterhin könnten Atemnot, Übelkeit, Brechreiz, Angst, Schwächegefühl, blasse Gesichtsfarbe, kalter Schweiß und Bewusstlosigkeit auftreten.

„Auch bei atypischen Beschwerden, die bei körperlicher Ruhe mehr als fünf bis zehn Minuten anhalten, sollte der Rettungsdienst informiert werden“, sagt Heer. Denn: Während die Brustschmerzen bei Männern meist in die linke Körperhälfte ausstrahlten, würden Frauen eher Beschwerden im rechten Arm oder im rechten Schulter-/Rückenbereich haben.

Bei Frauen gebe es indes häufiger Schmerzen, Ziehen und Druckgefühl im Oberbauch. Auch bewegungsabhängige Brustschmerzen, die aus der Wirbelsäule ausstrahlen, könnten bei Frauen ein Anzeichen für einen Herzinfarkt darstellen. „Bis der Rettungsdienst vor Ort ist, sollte man den Betroffenen nicht alleine lassen, ihn beruhigen und mit ihm sprechen“, ergänzt Heer.

Bei Schlaganfallpatienten gilt: Dem Patienten auf gar keinen Fall etwas zu trinken oder zu essen geben. Infolge des Schlaganfalls kann das Schlucken beeinträchtigt sein, sodass der Betroffene im schlimmsten Fall ersticken könnte.

„Zu den wichtigsten Symptomen, an denen man einen Schlaganfall erkennen kann, zählen eine plötzliche einseitige Lähmung, die eine gesamte Körperhälfte oder nur einen Arm, ein Bein oder eine Hand betreffen kann. Auch ein einseitiges Taubheitsgefühl in Arm, Bein oder Gesicht, ein einseitig herabhängender Mundwinkel und eine gelähmte Gesichtshälfte können auf einen Schlaganfall hindeuten“, erklärt Bästlein.

Darüber hinaus gehören Sehstörungen wie verschwommenes, doppeltes oder eingeschränktes Sehen, Sprech- und Schluckstörungen, Störungen des Gleichgewichtes (unsicherer Gang und Schwindel) sowie plötzlich auftretende, extreme Kopfschmerzen, die zum Teil von Übelkeit begleitet werden, zu den Anzeichen eines Schlaganfalls.

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Erstellt:
14. April 2020, 19:12 Uhr
Lesedauer:
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