Sabine Gebert und Boris Kindermann haben vor ihren Geschäften „Wartezelte“ aufgestellt. Foto: Garms

Sabine Gebert und Boris Kindermann haben vor ihren Geschäften „Wartezelte“ aufgestellt. Foto: Garms

Erichshagen-Wölpe 19.03.2020 Von Manon Garms

„Wartezelte“ und Plexiglasscheibe

Landschlachterei Twachtmann und Bäckerei Kindermann setzen in der Corona-Krise auf besondere Maßnahmen

Angesichts der Corona-Krise wird immer wieder zu bestimmten Verhaltensregeln aufgerufen. Dazu gehört auch, einen Abstand zu seinen Mitmenschen einzuhalten. Wie das gewährleistet werden kann, darüber haben sich auch Sabine Gebert, Geschäftsführerin der Landschlachterei Twachtmann, und Boris Kindermann, Inhaber der Bäckerei Kindermann, Gedanken gemacht.

Vor beiden Geschäften stehen jetzt „Wartezelte“. Sie sind für den Fall gedacht, dass viele Kunden zum selben Zeitpunkt in den Laden kommen wollen, weshalb ein Teil von ihnen aufgrund der Abstandsregelung draußen warten muss. So wird in der Bäckerei auf einem Schild darauf hingewiesen, dass aufgrund der Gesundheitsvorsorge nur noch maximal vier Kunden gleichzeitig im Geschäft sein dürfen. „Bei schönem Wetter ist das ja kein Problem, aber bei Regen können die Kunden dann im Zelt warten“, erklärt Gebert.

Disziplinierte Kunden

Sie und auch Kindermann loben, dass ihre Kunden sehr diszipliniert seien und in gebührendem Abstand warteten, bis sie an der Reihe sind. Deswegen sei es zum Beispiel nicht notwendig, Linien auf dem Boden aufzubringen, damit niemand dem anderen zu nahe kommt.

Dennoch haben beide Geschäfte neben den Zelten weitere Maßnahmen ergriffen, um sowohl Kunden als auch Mitarbeiter zu schützen. In der Bäckerei steht für die Kunden ein Spender zur Händedesinfektion bereit, Gebert plant das für die Schlachterei ebenfalls. Außerdem gibt es jetzt an der Kasse bei Twachtmann eine Plexiglasscheibe, die Kunden und Verkäuferinnen voneinander trennt.

Bei den Maßnahmen, die die beiden Läden getroffen haben, zeigt sich, dass die Menschen angesichts der Krise zusammenhalten. „Wir haben die Plexiglasscheibe von Mark Antelmann von MHP Media sofort bekommen“, sagt Gebert. Die Zelte stammen übrigens von der Jugendfeuerwehr. „Das ist mit dem Stadtbrandmeister abgesprochen, denn die Jugendlichen brauchen die Zelte ja im Moment nicht“, sagt Kindermann, der selbst Ortsbrandmeister in Erichshagen-Wölpe ist.

In der Fleischerei Twachtmann sind Kundin und Verkäuferin durch eine Plexiglasscheibe voneianander getrennt. Foto: Garms

In der Fleischerei Twachtmann sind Kundin und Verkäuferin durch eine Plexiglasscheibe voneianander getrennt. Foto: Garms

Und auch für die Schlachterei-Filiale in Steimbke konnte schnell ein Zelt organisiert werden. „Sven Meier vom Hotel zur Post hat es uns zur Verfügung gestellt, das ist eine tolle Sache“, sagt Gebert.

Kunden sind unsicher, ob geöffnet ist

Die Corona-Krise macht sich in beiden Läden jedoch nicht nur bei Abstandsregelungen und zusätzlichen Hygienemaßnahmen bemerkbar. So mancher Kunde sei unsicher, ob überhaupt geöffnet ist. In der Bäckerei sind die Bestellungen und Lieferungen komplett weggefallen.

Ein Grund dafür ist, dass Trauerfeiern nur noch in ganz kleinem Rahmen stattfinden dürfen. „Auch Torten für Feiern werden nicht mehr bestellt“, erzählt Kindermann. Generell sei aber in beiden Geschäften mehr los als sonst. „Ich denke nicht, dass das Hamsterkäufe sind“, sagt Gebert: „Es ist eher so, dass jetzt viele im Homeoffice arbeiten, nicht in die Kantine gehen und deshalb für zu Hause Essen kaufen.“ Für Hamsterkäufer, die ja offensichtlich auch beim Mehl vermehrt zuschlagen, hat Kindermann noch ein Angebot: „Wir haben keine Probleme, Rohstoffe zu bekommen, und wir verkaufen auch Mehl“, sagt er augenzwinkernd.

Eine Frage, die Gebert oft zu hören bekommt, ist, ob es denn den Partyservice noch gibt. „Es gibt ihn noch, und er wird momentan sogar schon ab zwei Personen genutzt“, sagt die Geschäftsführerin. Dennoch ist der Service momentan natürlich nicht so gefragt wie vor der Krise, was auch zu einem Problem für einige Mitarbeiter werden könnte. „Wir haben neun Leute nur im Partyservice. Zurzeit unterstützen sie noch die anderen und kochen zum Beispiel Gulasch und Rouladen in Dosen ein“, sagt Gebert. Sie geht davon aus, dass so aufbereitete Nahrungsmittel im Moment gefragt sein dürften.

Am Eingang zur Bäckerei wird auf Schildern auf die aktuelle Situation sowie die Verhaltensregeln hingewiesen. Foto: Garms

Am Eingang zur Bäckerei wird auf Schildern auf die aktuelle Situation sowie die Verhaltensregeln hingewiesen. Foto: Garms

Ablehnung von zusätzlichen Öffnungszeiten

Zusätzliche Öffnungszeiten am Sonntag lehnen sowohl Kindermann als auch Gebert – zum jetzigen Zeitpunkt – ab. Die Bäckerei soll aber wie immer von 7.30 bis 10.30 Uhr geöffnet sein, und auch den Partyservice der Schlachterei wird es am Sonntag geben. Alles darüber hinaus sei eine große Belastung für die Verkäufer, die eh immer viel leisten müssten. „Wir danken unseren Mitarbeitern für ihren Einsatz“, sagt Kindermann.

Gebert möchte angesichts der Krise auch ihren Kunden etwas Gutes tun: „Am Wochenende gibt es bei uns eine ,Wartewurst‘. Während man wartet, kann man eine Bratwurst essen“, kündigt sie an.

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Erstellt:
19. März 2020, 19:10 Uhr
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