Der Inhalt des Koffers beweist: der Großvater von Nico, Marianne und Michael hat von Nazi-Verbrechen profitiert (von links): Julia Nehus, Christoph Plünnecke und Birgit Scheibe. Schlenker

Der Inhalt des Koffers beweist: der Großvater von Nico, Marianne und Michael hat von Nazi-Verbrechen profitiert (von links): Julia Nehus, Christoph Plünnecke und Birgit Scheibe. Schlenker

Nienburg 23.11.2016 Von Die Harke

„Weg aus Verdrängung und Schuldgefühl“

Arbeitskreis „Gedenken“ veranstaltete Theaterabend in Nienburg und präsentierte „Die Reise nach Jerusalem“

Das Veranstaltungsprogramm des Arbeitskreises Gedenken zum 9. November fand seinen Höhepunkt mit der Aufführung des Stückes „Die Reise nach Jerusalem“ im [DATENBANK=340]Nienburger Kulturwerk[/DATENBANK]. Der Einakter des Bremer Autors und Regisseurs Hans König wurde am Abend des Gedenktages von einem sichtlich bewegten Publikum mit großem Applaus entgegengenommen. An die Aufführung schloss sich eine intensive Publikumsdiskussion des Stückes und seiner Gegenwartsbezüge mit dem dreiköpfigen Ensemble und dem Regisseur an, teilt der Arbeitskreis mit. Zuvor hatte das Gedenkprogramm am Nachmittag mit einer interreligiösen Andacht auf dem Jüdischen Friedhof Nienburg unter der Leitung von Pastor [DATENBANK=681]Andreas Iber[/DATENBANK] seinen Anfang genommen. Die meisten der zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer begaben sich anschließend zur Erinnerungstafel der jüdischen Gemeinde am Rathaus.

Dort sprach der Vorsitzende des Arbeitskreises Gedenken, Thomas Gatter, das jüdische Heiligungsgebet „Kaddisch”, eines der wichtigsten Gebete des Judentums, häufig als lithurgischer Vorläufer des christlichen Vaterunser angesehen. Bürgermeister Henning Onkes und einige Mitglieder von Rat und Verwaltung nahmen an dem Ritual teil. Vertreter des Hannoverschen “Forum für Sinti und Roma” legten einen Kranz nieder.

Im [DATENBANK=7]Vestibül des Rathauses[/DATENBANK] wurden sodann zwei Ausstellungen eröffnet, die Karikaturenausstellung „Oh eine Dummel!”, die sich satirisch mit dem Rechtsradikalismus auseinandersetzt, und eine Ausstellung über den Umgang der Gesellschaft mit der historischen Verantwortung für NS-Verbrechen nach 1945 bis heute. Landrat Detlev Kohlmeier verlieh im Rahmen der Ausstellungseröffnung den Elisabeth-Weinberg-Preis an gegen Rechtsextremismus engagierte Jugendliche.

„Dass mit der überzeugenden Darstellung das Gedenken an die Novemberpogrome von 1938 in diesem Jahr einen besonderen Abschluss gefunden habe, war die einhellige Meinung der Teilnehmenden“

Das Stück „Die Reise nach Jerusalem” stand im Nienburger Kulturwerk auf dem Programm. Die Schauspielerinnen Birgit Scheibe und Julia Niehus und der Schauspieler Christoph Plünnecke haben es gemeinsam mit dem Bremer Autor Hans König entwickelt. Es thematisiert die Ausplünderung der jüdischen Gemeinden vor dem eigentlichen Holocaust, von der auch in norddeutschen Klein- und Mittelstädten viele Deutsche profitierten, anhand des Beispiels Verden.

„In großer Intensität ließ das Ensemble das Publikum die Erfahrung der Generation der Kriegsenkel nachempfinden, die nach dem Tod ihres Großvaters mit der Erkenntnis konfrontiert werden, dass die erhoffte Erbschaft mit dem Blut jüdischer Ermordeter befleckt ist. Mit dem ehrlichen Umgang mit dem bedrückenden Erbe der NS-Verbrechen wies die Inszenierung aber auch den Weg aus Verdrängung und Schuldgefühl in die Bejahung der historischen Verantwortung durch die Nachgeborenen. Dass mit der überzeugenden Darstellung das Gedenken an die Novemberpogrome von 1938 in diesem Jahr einen besonderen Abschluss gefunden habe, war die einhellige Meinung der Teilnehmenden“, heißt es abschließend.

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Erstellt:
23. November 2016, 21:00 Uhr
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