Wegen Corona: Apotheken leergekauft

Wegen Corona: Apotheken leergekauft

Apothekerin Melanie Buske aus der Nienburger Rats-Apotheke berichtet von etwa 50 Kunden, die am Mittwochvormittag einen Mundschutz kaufen wollten. Der Großhändler könne den Apotheken keine mehr liefern. Die Masken sind ausverkauft. Foto: Stüben

Während das Nienburger Krankenhaus und der ASB-Kreisverband dazu mahnen, wegen des Coronavirus nicht in Panik zu verfallen und Ruhe zu bewahren, kaufen die Nienburger die Apotheken leer. „Mundschutze sind ausverkauft“, sagt Apothekerin Melanie Buske von der Nienburger Rats-Apotheke. Mittlerweile gibt es beim Großhändler auch keine Händedesinfektionsmittel mehr.

Und das, obwohl es keinen bestätigten Corona-Fall im Landkreis gibt. Der gestrige Verdachtsfall, der zum Ausfall der Grundschule in Steyerberg geführt hatte, hat sich nicht bestätig (Seite 21).

Sogar die Marktleitung des Nienburger Obi-Baumarktes berichtet von Lieferengpässen bei Mundschutzen, nachdem die Kunden bei der Beschaffung der Schutzmasken auf den Baumarkt ausgewichen waren. Zahnarzt Sven Koegel spürt einen starken Anstieg bei den Preisen für die Schutzmasken.

„Den Extremfall, dass wegen der Lieferschwierigkeiten keine Behandlungen mehr durchgeführt werden können, sehe ich noch nicht. Noch haben wir einen Vorrat da“, sagt Koegel: „Aber es wird darauf ankommen, inwieweit die Industrie dazu in der Lage ist, schnell auf die Nachfrage zu reagieren.“ Die Preise seien in den vergangenen Wochen um das Fünf- bis Sechsfache gestiegen.

Apothekerin Buske hat im Internet noch krassere Preisanstiege beobachtet: „Dort werden Schutzmasken, die normalerweise etwa sechs Euro kosten für 50 bis 100 Euro angeboten. Weil die Nachfrage einfach so groß ist.“ Allein gestern Vormittag sind nach Buskes Worten gut 50 Kunden in die Rats-Apotheke gekommen, um einen Mundschutz zu kaufen – und mussten mit leeren Händen wieder gehen. „Gerade Menschen, die in Urlaub fahren, kommen zu uns, weil sie sich mit Mundschutzen versorgen wollen“, sagt Buske. Gestern sei der Andrang besonders stark gewesen, was nach Ansicht der Apothekerin am Bekanntwerden des Verdachtsfalls in Steyerberg gelegen haben könnte – erst am späten Vormittag hatte es Entwarnung gegeben.

Buske rät dazu, nicht in Panik zu verfallen – ebenso wie der Geschäftsführer der Helios-Kliniken in Nienburg und Stolzenau, Thomas Clausing. Bislang hätte sich kein einziger Verdachtsfall bestätigt. Clausing: „Aufgrund des hohen medialen Interesses am Coronavirus kommt es immer wieder zu einzelnen Verdachtsfällen bei Patienten, die in die Klinik kommen. Diese werden immer nach den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts behandelt. Dabei kann es auch zu Isolierungen kommen.“ Bisher habe es weder im Nienburger noch im Stolzenauer Krankenhaus positiv getestete Fälle gegeben.

Manchmal ist die Angst auch gar nicht begründet. „Hohes Fieber und Husten reichen nicht“, sagt Dr. Hans-Georg von Wysiecki, Chefarzt für Innere Medizin und Pneumologie am Nienburger Krankenhaus über die Symptome und Begleitumstände. Die Patienten müssten in Riskogebieten gewesen sein oder Kontakt zu nachgewiesenen Betroffenen gehabt haben. Daher sei es ein wirksamer Schutz, entsprechende Regionen zu meiden. Ansonsten gebe es kaum wirksame Vorbeugemaßnahmen, außer den üblichen Mitteln wie gründlichem Händewaschen. Von Mundschutzen rät von Wysiecki ab. „Die bringen gar nichts.“

Die Herausforderungen bei Covid-19, so die genaue Bezeichnung der ausgelösten Krankheit, sind laut Chefarzt folgende: „Das Virus ist sehr ansteckend, es gibt noch keine spezifische Therapie und auch noch keine Impfung.“ Der Keim befalle leicht die Lunge, was sehr gefährlich werden könne. Die Bandbreite der Auswirkungen bei Corona-Patienten reiche von geringer Ausprägung bis zu Todesfällen. Letztere seien immer aufgetreten, wenn bereits Begleiterkrankungen vorhanden gewesen seien. Und dann sei auch eine gewöhnliche Grippe gefährlich. Ganz wichtig: „Keine Panik, Ruhe bewahren“, sagt Clausing. Landrat Detlev Kohlmeier rät zu Gelassenheit, will nicht überreagieren und sagt mit Blick auf die Schließung zahlreicher öffentlicher Gebäude im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen: „Wir können nicht das gesellschaftliche und öffentliche Leben lahmlegen.“

ASB-Verbandsärztin Sylvia Finkelmann schließt sich an. Sie sagt: „Keine Angst vor dem Coronavirus.“ Das Robert-Koch-Institut schätze die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland aktuell als gering bis mäßig ein. Jedes Jahr sterben nach den Worten des ASB mehr als eine halbe Millionen Menschen an Grippe-Viren. Großes Medieninteresse gebe es dafür nicht. Verharmlosen will Finkelmann die Verbreitung nach eigenen Worten nicht. „Jede Infektionskrankheit ist ansteckend und muss ernstgenommen werden, da sie vor allem für Menschen mit einem schwachen Immunsystem eine Gefahr ist.“

Ihre Ratschläge sind: Regelmäßiges Händewaschen mit Seife, Desinfizieren, beim Husten und Niesen Abstand halt und möglichst in die Armbeuge oder in ein Taschentuch zielen! „Über den Coronavirus weiß man, dass er bei Hitze nicht überlebensfähig ist und auch gegen Waschmittel keine Chance hat“, sagt Finkelmann. Heißer Tee, das Inhalieren über Wasserdampf und das sorgfältige und vermehrte Waschen der getragenen Kleidung, der benutzen Handtücher und Bettwäsche seien altbewährte Hausmittel, die bei jeder Infektionskrankheit hilfreich sein können.

„Patienten, die den Verdacht haben, am Coronavirus erkrankt zu sein, bitten wir dringend, die Hausarztpraxis vorab telefonisch zu kontaktieren und nicht gleich persönlich aufzusuchen“, sagt Finkelmann als praktizierende Ärztin mit eigener Praxis. Nur so könnten Vorkehrungsmaßnahmen getroffen und andere Patienten sowie die Mitarbeiter geschützt werden, sagt sie.