depositphotos / minervastock

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04.05.2020 Von Die Harke

Wegen Corona: Diese Branchen suchen händeringend nach Personal

Seit Wochen hält die Corona-Krise Deutschland in Atem. Welche Auswirkungen die starken Beschränkungen auf die Wirtschaft haben werden, lässt sich mitunter nur mutmaßen. Fest steht aber schon jetzt, dass viele Menschen ihren bisherigen Jobs nicht nachgehen können. So unter anderem in der Event-Branche, der Gastronomie oder in Tattoo-Studios. Andere Branchen wiederum suchen verzweifelt nach helfenden Händen.

Land unter in der Pflege

Keine Frage: in der Pflege fehlte es schon vor Corona an Personal. Auch der Deutsche Pflegeverband macht darauf aufmerksam, dass bereits in der Zeit ohne Pandemie etwa 200.000 Menschen zu wenig in der medizinischen und pflegerischen Versorgung tätig waren. Und während die dünne Personaldecke vielerorts hingenommen werden musste und oft eine schlechtere persönliche Betreuung von Patienten und Bewohnern bedeutete, verschärft sich die Lage nun erneut.

Wie die Situation sich darstellt, wird auch in sozialen Netzwerken deutlich. Immer mehr Pflegekräfte melden sich dort zu Wort und berichten darüber, dass sie nun in Kliniken mit stark heruntergefahrenem OP-Betrieb und geleerten Stationen endlich eine gute und empathische Arbeitsleistung erbringen können. Corona bietet ihnen die Möglichkeit, vorübergehend einen besseren Personalschlüssel zu genießen.

Das allerdings sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Pflege dringend Verstärkung braucht. Schließlich handelt es sich in der momentanen Lage nicht um gewöhnlichen Alltag, sondern das Ergebnis konkreter Maßnahmen zur Vorbereitung auf einen Ansturm. Die Mangelsituation spiegelt sich beispielsweise auch in den zahlreichen Stellenangeboten für Krankenschwestern auf verschiedenen Jobbörsen wider.

Gedanken darüber, wie Lücken im Personal abgesehen von Jobausschreibungen ausgeglichen werden können, machen sich Experten schon seit einer Weile. Hier wird auch überlegt, Personen aus dem Ruhestand zurückzuholen und ehemalige Pflegekräfte wieder für den Beruf zu begeistern.

Einzelhandel und Landwirtschaft: Gegessen wird immer

Die Lebensmittelversorgung und die Verfügbarkeit diverser Verbrauchsmaterialien wie Toilettenpapier oder Seife beschäftigte Menschen in Deutschland von Beginn der Corona-Krise in großem Maße. Dadurch kam es phasenweise zu starken Anstürmen auf Supermärkte und Drogeriefilialen, denen die vorhandenen Mitarbeiter kaum Herr werden konnten.

Ein Personalmangel zeigt sich folglich in diesen Tagen auch im Einzelhandel für Lebensmittel, in Drogeriemärkten und in der Logistikbranche, die wiederum die Händler versorgt. Unternehmen freuen sich aktuell über jede helfende Hand und stellen auch jene ein, die nur vorübergehend, etwa aufgrund von Arbeitslosigkeit, tätig werden können.

Eng mit der Lebensmittelversorgung verknüpft ist die Landwirtschaft in Deutschland. Auf den Feldern begann die Arbeit bereits im zeitigen Frühjahr. Normalerweise greifen Landwirte hierzulande jährlich auf rund 300.000 Erntehelfer aus dem Ausland zurück, die als Saisonkräfte in die Bundesrepublik strömen. Ein vollständiges Wegbrechen dieser Unterstützung ist nicht zu befürchten, da Helfer unter Berücksichtigung von Auflagen einreisen dürfen.

Dennoch dürfte die Anzahl jener, die in diesem Jahr nach Deutschland kommen, geringer ausfallen als bisher. In der Politik wird darüber diskutiert, wie die Knappheit zum Beispiel mit Neuregelungen der Arbeitsbedingungen aufgefangen werden kann. Doch selbst mit verlängerter Arbeitszeit ist die Landwirtschaft auf zusätzliches Personal angewiesen. Benötigt werden Menschen, die bei der Vorbereitung von Hopfengärten, der Ernte von Spargel und der Aussaat von Pflanzen für die weitere Saison helfen. Das Portal daslandhilft.de rechnet mit einem Bedarf von 30.000 bis 90.000 Arbeitskräften und bringt Arbeitswillige sowie Landwirte zusammen.

Lieferungen boomen

In einer Zeit, in der die meisten Menschen ihre Tage zu Hause verbringen und möglichst selten in die Öffentlichkeit gehen sollen, profitieren Lieferdienste und Onlineshops von der gesteigerten Nachfrage. Ob Pflanzen, Getränke, Lebensmittel oder Bücher – derzeit wird so viel bestellt wie selten zuvor. Gesucht wird aus diesem Grund Personal, das die Händler bei der Kommissionierung oder der Bearbeitung von Retouren tatkräftig unterstützt.

Etwas anders sieht es derzeit noch bei den Zustelldiensten aus. Diese kennen Phasen des Ansturms bereits von besonderen Situationen wie der Vorweihnachtszeit und können sich flexibel darauf einstellen. Ob dies langfristig so bleibt, werden die kommenden Monate zeigen.

Ansturm auf Robert-Koch-Institut

Arbeitnehmer, die in diesen Tagen aufgrund von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit keiner Beschäftigung nachgehen können, gibt es in der Corona-Krise zuhauf. Neu geschaffene und ausgeschriebene Stellen erwecken daher mehr Aufmerksamkeit und Interesse als gedacht.

So musste das Robert-Koch-Institut (RKI) die Suche nach neuem Personal aufgrund der großen Bewerberflut zwischenzeitlich ausbremsen. Ausgeschrieben waren freie Jobs im Bereich des Containment-Scoutings. Hier forschen die Angestellten entlang von Infektionsketten nach Kontaktpersonen und unterstützen beim Krisenmanagement. Über 10.000 Bewerbungen gingen ein, bevor das RKI die Reißleine zog. Dies jedoch nicht, ohne sich erfreut über das große Interesse zu äußern.

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Erstellt:
4. Mai 2020, 08:13 Uhr
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