Das Eisbärbaby wurde erstmals ärztlich untersucht. Foto: Zoo Hannover

Das Eisbärbaby wurde erstmals ärztlich untersucht. Foto: Zoo Hannover

Hannover 13.02.2020 Von Die Harke

Wehrhaftes Weibchen mit lauter Stimme

Erste tierärztliche Untersuchung des Eisbär-Nachwuchses in Hannover

Der Eisbär-Nachwuchs im Erlebnis-Zoo Hannover ist zwölf Kilogramm schwer, ungemein agil, neugierig, kratzbürstig und – weiblich! Bei der tierärztlichen Erstuntersuchung zeigte die jetzt drei Monate alte kleine Bärin bereits ordentlich Krallen und setzte auch gerne ihre Zähnchen ein.

Die Zoo-Tierärzte Dr. Viktor Molnár und Dr. Katja von Dörnberg hatten alle Hände voll zu tun, das Jungtier zu impfen, die Zähne und den Nabel zu kontrollieren. „Der Begriff ‚bärenstark‘ trifft auf jeden Fall zu“, freute sich Zoo-Tierarzt Molnár.

Zwölf Wochen lang hatte das Zooteam Eisbärin Milana und ihren Nachwuchs über die installierten Kameras in der Wurfhöhle beobachtet, jede Veränderung und jeden Entwicklungsschub vom ersten Öffnen der Augen bis zu den anfangs wackeligen, dann immer sichereren Gehversuchen notiert. Das Geschlecht ließ sich über die Kameras jedoch nicht feststellen.

Dieses Geheimnis konnte bei dem ersten Tierarztbesuch endlich gelüftet werden. Für die Erstuntersuchung wurde zunächst Mutter Milana mit Leckereien aus der Wurfhöhle in ein Nachbargehege gelockt. Dann ging alles ganz schnell: Tierarzt und Tierpfleger näherten sich vorsichtig dem Jungtier, nahmen es auf den Arme, wogen es, warfen einen Blick auf das Gebiss, den Nabel und das Geschlecht. „Die kleine Bärin hat sich sehr gut entwickelt, hat einen ordentlichen Milchbauch, eine wirklich laute Stimme und ist schon sehr wehrhaft“, so Tierarzt Molnár. Zum Schluss wurde der Nachwuchs geimpft, bekam eine Wurmkur und wurde wieder in die Wurfhöhle gesetzt. Nach nur 15 Minuten war Milana wieder zurück bei ihrer Kleinen in der Höhle.

Mit ihrem quirligen Jungtier hat Milana kaum noch eine ruhige Minute. Wenn die Jungbärin wach ist, krabbelt sie auf ihrer Mutter herum, kämpft mit deren Tatzen und beißt auch gerne mal in ihre Ohren. Milana nimmt das alles gelassen hin. Nur wenn sich der Nachwuchs neugierig der Barriere vor der Wurfhöhle nähert, zieht sie es entschlossen wieder zurück.

Dementsprechend müssen sich auch alle Zoobesucher (und das Zooteam) noch gedulden: Erst wenn die Jungbärin ihrer Mutter sicher folgen und auch so manche Hürde überklettern kann, werden die beiden die Höhle verlassen und auf der Außenanlage zu sehen sein. Zurzeit rechnet der Zoo mit ersten Ausflügen Ende März. „Den Zeitpunkt bestimmen aber Mutter und Tochter ganz allein“, so Eisbären-Kurator Fabian Krause.

Hintergrund
Eisbärin Milana (10) hat am 20. November erstmals Nachwuchs bekommen und kümmert sich vorbildlich um ihr Jungtier, das bei der Geburt nur ungefähr so groß wie ein Meerschweinchen war. Milanas Nachwuchs ist der erste Eisbär-Nachwuchs im Erlebnis-Zoo Hannover.
Absolute Ruhe

Ruhe ist ein entscheidender Faktor bei der Aufzucht – in den vergangenen Monaten wurden die Eisbärin und ihr Jungtier ausschließlich über die installierten Kameras in der Wurfhöhle beobachtet. Nach dem kurzen Tierarztbesuch wird sich weiterhin niemand der Höhle nähern. Wie auch in der Wildnis, wird Milana die Wurfhöhle erst im Frühjahr verlassen.

Eisbär-Vater Sprinter hält sich übrigens lehrbuchmäßig fern von der Wurfhöhle. Wie auch in der Wildnis hat er als Männchen nichts mit der Jungenaufzucht zu tun und ist dafür weiterhin für Besucher auf der Außenanlage in Yukon Bay zu sehen.

Stark bedroht
Seit 2006 steht der Eisbär auf der Roten Liste der Naturschutzorganisation IUCN. Der Bestand ist als „gefährdet“ eingestuft. In der Arktis leben nur noch etwa 20.000-25.000 Eisbären. Nach Einschätzung der IUCN wird die Bestandsentwicklung des Eisbären als rückläufig eingestuft.

Hilfe vor Ort
Seit über zehn Jahren unterstützt der Erlebnis-Zoo die Artenschutz-Organisation Polar Bears International. Das Team aus renommierten Wissenschaftlern erforscht das größte Landraubtier der Welt. Beim sogenannten „Bear Tracker“-Projekt werden weibliche Tiere mit Peilsender-Halsbändern ausgestattet. Dank der modernen Technik können die Wissenschaftler so nachverfolgen, bis wohin sich das Verbreitungsgebiet der Bärinnen erstreckt, wie die Wanderrouten verlaufen und wo die Weibchen ihren Nachwuchs bekommen. Mittels der Daten können die Artenschützer herausfinden, wo notwendige Schutzzonen errichtet werden sollen. Denn das Eis schmilzt den arktischen Tieren buchstäblich unter den Pfoten weg und nimmt ihnen ihre Lebensgrundlage: die Jagdmöglichkeit auf fettreiche Robben an deren Atemlöchern im Packeis. Die Eisbären weichen immer öfter zur Nahrungssuche auf das Festland aus, Mensch-Tier-Konflikte sind die Folge, die durch Schutzzonen verhindert werden sollen.

Europäisches Erhaltungszuchtprogramm
Der Erlebnis-Zoo Hannover beteiligt sich am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für Eisbären, um die Tierart langfristig zu erhalten und für den Schutz des Lebensraumes zu sensibilisieren.

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Erstellt:
13. Februar 2020, 18:01 Uhr
Lesedauer:
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