18.05.2014

„Weich und eher mineralstoffarm“

Der BUND Nienburg hat Brunnenwasser analysiert

Landkreis. Das Wasserlabor der Kreisgruppe Nienburg des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wurde ganz neu aufgestellt. Drei neue Aktive, Anja Thijsen, Kurt Körber und Wilfried Dohrmann, haben zusammen mit Lothar Gerner alle Messgeräte und - methoden überprüft und die computergestützte Auswertung der Messergebnisse überarbeitet. An zwei Tagen im März und April wurden in Nienburg und Hoya Wasserproben-Annahmen für Garten- und Hausbrunnen organisiert. Der Andrang von interessierten Bürgerinnen und Bürgern war enorm.

Insgesamt wurden 86 Proben angenommen, 46 aus dem Raum Nienburg, 40 aus dem Raum Hoya, neben 82 Brunnenwässern auch vier Teich- beziehungsweise Quellwässer.

Gemessen wurden: Nitrat, Nitrit, Ammonium, Eisen, der pH-Wert (Säuregrad), die Härte und die Leitfähigkeit.

Von den 82 Brunnenwasserproben enthielten fast die Hälfte mehr als 25 Milligramm Nitrat pro Liter (mg/l). In elf Wasserproben (13 Prozent) wurden sogar mehr als 50 mg/l gemessen und damit der für Trinkwasser zulässige Grenzwert überschritten. Die höchsten gemessenen Nitrat-Werte waren mehr als doppelt so hoch wie für Trinkwasser zulässig, in Hassel wurden 112 mg/l und in Nienburg 101 mg/l festgestellt.

Ursache für die zu starke Nitratbelastung des Grundwassers sei überwiegend eine zu hohe Ausbringung von stickstoffhaltigem Dünger auf Äcker und Grünland. Diesen Zusammenhang hätten Untersuchungen des Umweltbundesamtes ergeben. So wurden auch bei den untersuchten Proben vermehrt hohe Nitratwerte bei Brunnen in der Nachbarschaft landwirtschaftlicher Flächen gemessen.

Nitrit, eine Vorstufe des Nitrats und nicht zugelassen im Trinkwasser über 0,5 mg/l, wurde nur einmal mit 1,4 mg/l weit über dem Grenzwert in Schweringen gemessen. „Nitrit ist giftig, besonders für Säuglinge“, schreibt der BUND.

Ammonium, ebenfalls häufig ein Anzeiger für Verschmutzung durch organischen Dünger und Abwasser, sollte mit höchstens 0,5 mg/l im Trinkwasser vorkommen. Bei vier Wasserproben wurden höhere Werte gemessen, die höchste mit 2,2 mg/l, viermal so hoch wie zulässig, in Hoya.

Eisen im Wasser sieht man oft schon an gelblicher Färbung. Außerdem schmeckt eisenhaltiges Wasser nicht gut. Im Trinkwasser sollten auch aus Korrosionsschutzgründen nicht mehr als 0,2 mg/l enthalten sein. 18 (40 Prozent) der Brunnen bei Nienburg und zwölf (32 Prozent) bei Hoya hatten Werte über 0,2 mg/l. Die höchsten Werte mit über 3,7 mg/l, das fast 20-fache des im Trinkwasser zulässigen, wurden in Nienburg und Drakenburg gemessen. Aber auch in Hoya und Bücken gab es Proben mit 3,6 beziehungsweise 3,1 mg/l. Weiter heißt es in der Pressemitteilung: „Eisen, zum Teil ebenfalls durch Dünger freigesetzt, kommt in unser Grundwasser aus dem Boden. Durch Kontakt mit Luftsauerstoff trübt Eisenocker das Wasser dann gelblich, zum Beispiel auch in tiefergelegten Fließgewässern wie der Wölpe oder dem Bärenfallgraben.“

Der pH-Wert, der den Säuregrad des Wassers beschreibt, sollte für Trinkwasser zwischen 6,5 und 9,5 liegen. Bei rund 80 Prozent der 82 Brunnenwässer lag der pH-Wert niedriger. „Das zeigt, dass unsere Gegend relativ saures Grundwasser besitzt, was gut durch unsere kalkarmen Sandböden erklärt werden kann. Moorwasser ist auch sehr sauer“, schreibt der BUND. Die niedrigsten Werte zwischen pH 4,5 und 4,9 wurden in Dörverden, Nienburg und Landesbergen gemessen.

Das Brunnenwasser sei insgesamt weich (über 80 Proben) und eher mineralstoffarm, das heißt, es enthält wenig Kalk und Salzionen. Dadurch gebe es kaum Kesselsteinbildung, das Wasser ist gut zum Waschen und schmeckt auch.

Im Bereich Hoya ist das Grundwasser durch den dort vorkommenden Lehm etwas härter als bei Nienburg mit seinen Sandböden. So wurde bei Nienburg nur einmal hartes Wasser in Marklohe gemessen, bei Hoya aber deutlich öfter.Saures Wasser mit niedriger Härte lässt Metallgegenstände, zum Beispiel Gießkannen, schneller rosten. Die vier Aktiven des BUND-Wasserlabors haben vor, in weiteren Auswertungen auch Bezüge zwischen den Messwerten und der Lage der Brunnen (Siedlung oder Landwirtschaft in Nachbarschaft) herzustellen. Dazu sollten aber noch mehr Brunnen untersucht werden.

So plant die Gruppe, auch im Südkreis Brunnenwasser-Analysen anzubieten. Ein Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben. DH

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Erstellt:
18. Mai 2014, 00:00 Uhr
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