Ministerpräsident Stephan Weil sprach beim Besuch im Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz mit Gaby Letzing (links) und Fanny Lanfermann, Geschäftsführerin des Vereins. Kinderhospiz Löwenherz

Ministerpräsident Stephan Weil sprach beim Besuch im Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz mit Gaby Letzing (links) und Fanny Lanfermann, Geschäftsführerin des Vereins. Kinderhospiz Löwenherz

Syke 27.05.2018 Von Die Harke

Weil besucht Kinderhospiz „Löwenherz“

Fachkräftemangel in der Pflege zentrales Thema / Leiterin Gaby Letzing: „Es ist schon 10 nach 12“

Stephan Weil kam gleich zur Sache: „Was hat sich seit meinem Besuch vor vier Jahren bei Ihnen getan?“, fragte Niedersachsens Ministerpräsident die Leiterin des Kinder- und Jugendhospizes „Löwenherz“ in Syke. Gaby Letzing zeichnete in ihrer Antwort ein düsteres Bild: „Der Fachkräftemangel in der Pflege, speziell der Kinderkrankenpflege, bereitet uns große Sorgen. Bei uns Akteuren und den betroffenen Eltern entsteht der Eindruck, dass in den vergangenen Jahren nichts zur Lösung des Problems unternommen wurde. Im Gegenteil: Die Situation spitzt sich zu. Es ist in der Pflege leider schon 10 nach 12.“ Das Kinder- und Jugendhospiz habe insgesamt 16 Plätze: „Wir können derzeit leider nur zwölf Plätze regulär belegen, weil wir nicht ausreichend Fachkräfte finden. Uns fehlen real 15 Vollzeitstellen, wenn wir eine Vollbelegung realisieren wollten“, führte Letzing weiter aus. „Denn unsere Gäste sind sehr pflegeintensiv, teilweise mit Vollbeatmung.“ Der Fachkräftemangel betreffe auch die häusliche Kinderkrankenpflege, die eigentlich die Familien unterstützen solle, damit die Mädchen und Jungen möglichst lange zu Hause leben könnten.

Auch hier gebe es dasselbe Problem. In der Praxis bedeute dies, dass viele schwerpflegebedürftige Kinder und Jugendliche ihre verordneten Stunden nicht erhalten. „Entweder bleiben diese Kinder dann lange in der Klinik oder im Kinderhospiz, weil zu Hause keine Pflege sichergestellt werden kann. Oder die Eltern werden stark in die Pflege ihrer Kinder mit einbezogen, denn je weniger Fachpersonal eingesetzt werden kann, desto mehr müssen die Eltern als Pflegende ihre schwerkranken Kinder selbst versorgen“, informierte Letzing ihren Besuch.

Der Ministerpräsident hörte aufmerksam zu, schreibt „Löwenherz“ in einer Pressemitteilung, stellte interessiert Fragen zu Einzelheiten und Hintergründen und versprach, die Informationen an Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann weiterzuleiten und sie über seinen Besuch im Kinder- und Jugendhospiz zu informieren. „Sie kennt sich auf dem Gebiet bestens aus – ich leider nur am Rande.“

Das Thema Pflegekräfte sei in der Gesellschaft im Moment ein sehr drängendes Problem, sagte der Ministerpräsident: „Auf jeder Versammlung werde ich sofort gefragt, was wir dagegen unternehmen.“ Doch klar müsse sein, dass es keine schnelle Lösung gebe. Letzing regte an, die Zahl der Ausbildungsplätze in den Pflegeschulen zu erhöhen.

Auch die Einführung der veränderten Pflegeausbildungsreform werde die Lage kaum verbessern, fürchtet die Kinderhospiz-Leiterin: „Fatal ist, dass es die spezielle Kinderkrankenpflege dann nicht mehr geben wird, wenn die generalisierte Ausbildung 2020 startet. Die sogenannte einjährige Spezialisierung ist aus unserer Sicht ein fauler Kompromiss.“

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Erstellt:
27. Mai 2018, 21:00 Uhr
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