Stadtführung mit Schulleiter. ASS

Stadtführung mit Schulleiter. ASS

Nienburg 17.06.2017 Von Thomas Volkhausen

Weit mehr als Brot und Bratwurst

Amerikanische Gastschüler an der ASS kehren nach drei Wochen zurück nach New Mexico

„Die gesamte Zeit wird mir immer in Erinnerung bleiben. Ich habe alle Amerikaner in mein Herz geschlossen und werde alle vermissen.“ Kann man sich Schöneres als Fazit einer Begegnung von Jugendlichen unterschiedlicher Länder und Kulturen wünschen als dieses? Die Begegnung, das war der Gegenbesuch von zwölf amerikanischen Schülerinnen und Schülern und zwei Lehrern der Arrowhead Park Early College High School in Las Cruces, New Mexico. Zu Gast waren diese vom 22. Mai bis 11. Juni an der [DATENBANK=4419]ASS[/DATENBANK] im Rahmen des seit 30 Jahren bestehenden Schüleraustausches des Nienburger Gymnasiums mit High Schools in Las Cruces als Teil des German-American Partnership Program (GAPP).

Und diese Zeit in Nienburg – das waren drei Wochen in den liebevollen Nienburger Gastfamilien mit ihren Austauschpartnern, das war Unterrichtsalltag an einem deutschen Gymnasium, der ASS, das war Nienburg und Umgebung, beschauliche Ländlichkeit und aufregende Stadtimpressionen.

Immer wieder Brot

Fremde Kulturen kennen und deren Besonderheiten verstehen lernen – das war eines der Hauptziele des Austauschs. Schon die ASSler hatten im vergangenen Herbst bei ihrem Besuch in Las Cruces erfahren, dass Fernsehkenntnisse über die USA wirkliche Erfahrungen nicht ansatzweise ersetzen können. Die Amerikaner ihrerseits aus dem südwestlichen US-Bundesstaat New Mexico stellten schnell fest, dass sie mit Deutschland, ja, mit Nienburg, geradezu Neuland betraten. Und das war für sie in erster Linie grün: Wälder, satt-grüne Weiden, üppige Flussauen – in Las Cruces ist man eher von der Chihuahua-Wüste geprägte bräunlich-karge Ebenen und schroffe Bergwände der Organ Mountains gewohnt.

Auch kulinarisch war es für den einen eine Gratwanderung, für den anderen ein Gipfelfest – und das im flachen Niedersachsen. „German food really seems to be all about bread and bratwurst“ (übersetzt: Deutsche Küche scheint sich wirklich um Brot und Bratwurst zu drehen) – entfuhr es einer Schülerin. Aber das war nur der erste Eindruck, denn das Spargelmenü ließ nicht lange auf sich warten. Warmes Mittag- statt Abendessen, ein reichhaltiges und gemeinsames Frühstück statt des schnellen, morgendlichen Griffs in den Kühlschrank – feste Essgewohnheiten der Amerikaner wurden ganz schön durcheinandergewirbelt. Und immer wieder Brot, sogar mit Kruste.

Die amerikanischen Lehrer stellten gar fest, dass die deutsche Küche nicht nur aus dem Doppel-B ‚Brot und Bratwurst‘ bestand, sondern noch aus einem dritten B in flüssiger Form – was wenig Fremdeln hervorrief und zur interkulturellen Verständigung beitrug.

Zur Kultur gehört natürlich auch die Sprache. Deutsch als Fremdsprache hat es nun einmal in einem Bundesstaat, der nahe Mexiko liegt, sehr schwer, Spanisch ist hier erste Fremdsprache. Und an der Arrowhead Park Early College High School gab es bisher noch gar kein Deutschprogramm, so dass sich die zwölf Schüler über einen Onlinekurs und einen neuen, mehrmonatigen Deutschkonversationskurs an der Schule Sprachkenntnisse aneigneten.

Auch wenn Gespräche in den Familien, mit den Gastschülern oder an der Schule meist auf englisch geführt wurden, zeigten sich die Amerikaner sehr fasziniert von Ausdruck und Klang des Deutschen. Schnell gab es Lieblingswörter: „Kugelschreiber“ gehörte dazu, oder „Kuh“.

Neuland betreten heißt auch, Neuland zu erforschen. Dazu hatten die Lehrer Tracy Bennett und Jeff Johnson mit ihren zwölf Schülern und den deutschen Schülern reichlich Gelegenheit – zu Lande, zu Wasser, zu Fuß und auf dem Rad, im Auto und auf der Schiene. Am Himmelfahrtstag veranstalteten der Schulleiter der ASS, Dr. Ralf Weghöft, zusammen mit Lehrer Thomas Volkhausen eine Radtour, die die Gruppe durch das Umland Nienburgs und an die Weser führte.

Zoo mit Kängurus

In Nienburg führte die Amerikaner mancher Weg zu Geschichtlichem und Sehenswertem bis hinauf auf den Kirchturm von [DATENBANK=4906]St. Martin[/DATENBANK], beim Bürgermeister konnten sie sich sogar ins Gästebuch der Stadt eintragen. Hamburg wurde dann per Wassertaxi und dem Barkassenschiff „Nina“ erkundet, wobei die Fahrt durch die Speicherstadt und der Anblick der Elbphilharmonie sicher zu den eindrucksvollsten Erlebnissen zählte.

Beeindruckt zeigten die amerikanischen Gäste sich auch vom Zoo Hannover – dass einem hier Kängurus über den Weg hüpfen würden, kannten die Amerikaner aus amerikanischen Zoos nicht. Im Bremerhavener „Auswandererhaus“ schlüpften die Gastschüler dagegen in die Rolle von Emigranten. „Hier entwickelten einige richtigen Forschergeist und wurden sich ihrer familiären Wurzeln bewusst“, freute sich Lehrer Mirko Prasse, der die Gruppe nach Bremerhaven begleitete.

Per ICE ging es zudem auf eine fünftägige Berlinfahrt, auf der sie eine exklusive Reichstagsführung erhielten und von der Museenvielfalt der Hauptstadt begeistert waren.

Eigentlicher Kern des Austauschs war aber der Kontakt zwischen den deutschen und amerikanischen Schülern. So profitierten viele deutsche Schüler an der ASS von der Anwesenheit der Amerikaner, hielten diese doch im Unterricht Vorträge über ihre Heimat und standen für Interviews Rede und Antwort.

Und besonders die Austauschpartner entwickelten sich in den meisten Fällen regelrecht zu neuen Geschwistern, die über den Musikgeschmack, Hobbys und Ansichten schnell viel Verbindendes über die doch recht unterschiedlichen Kulturen hinweg entdeckten.

A big thank

Die GAPP-Koordinatoren Mirko Prasse und Thomas Volkhausen zogen ein sehr positives Fazit: „Es war eine tolle Begegnung, pünktlich zum 30-jährigen Jubiläum des Austauschs. Im kommenden Jahr fährt schon die nächste deutsche Schülergruppe nach Las Cruces – und eine Delegation der Stadt Nienburg mit dem Bürgermeister, denn dann feiert die Städtepartnerschaft Nienburg-Las Cruces 25-jähriges Jubiläum“, so die beiden Päadagogen.

Das Schlusswort soll aber denen gehören, um die es beim Austausch eigentlich geht, den Schülern, in diesem Fall der Amerikanerin Rosie, die sich für die Gastfreundschaft und die tollen Erfahrungen in Deutschland bedankt: „I want to give a big thank to the ASS staff and students (Lehrer und Schüler) for being so welcoming and kind. Germany is full of life and beauty. Such a blessing to have this.“

Der besondere Dank der ASS der Bürgerstiftung, der Ernst-Stewner-Stiftung und dem Verein „Nienburg – Freundschaften weltweit“, die den Schüleraustausch auch anlässlich des Gegenbesuchs großzügig unterstützt haben.

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Erstellt:
17. Juni 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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