Hoya 05.10.2017 Von Die Harke

Weiterhin Protest gegen Derboven-Projekt

Landesverband der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft fordert Untersuchung im Hinblick auf regionale Auswirkungen

Angesichts der Baupläne des Agrarunternehmers Derboven für 3.000 Milchkuh- und Rinderplätze fordert der niedersächsische Landesverband der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) die Samtgemeinde Hoya und den Landkreis Nienburg auf, vorab in einem Raumordnungsverfahren die gravierenden regionalen Auswirkungen dieses Bauvorhabens zu untersuchen. Die AbL stützt sich dabei unter anderem auf die Aussagen in einer Stellungnahme des „Landvolk“-Landesbauernverbands, Kreisverband Mittelweser, worin dieses Bauvorhaben bzw. die geplante Änderung des Flächennutzungsplans klar abgelehnt werden. In der Landvolk-Stellungnahme heiße es unter anderem: „Derbovens bewirtschaften zurzeit 346 Hektar mit 500 Kühen und weiblicher Nachzucht und gehören damit nach eigener Aussage zu den 53 größten Melkbetrieben in Deutschland. Der Änderungsantrag soll die Möglichkeit eröffnen, in Zukunft bis zu 2.000 Kühe und weitere 1.000 Jungrinder zu halten und die Biogasanlage weiter zu betreiben. Diese Größenordnungen laufen den Kernanliegen des Vorstandes (eine breitgestreute und vielfältige Nutzung der knappen landwirtschaftlichen Nutzflächen in unserer Region und die Ablehnung der starken Konzen-tration auf wenige Betriebe) zuwider und werden daher abgelehnt.“

In dem Schreiben des Landvolk-Kreisvorstands werde richtig hervorgehoben, dass für diese Pläne der Familie Derboven etwa 1570 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche (LN) erforderlich wären – bei Einrechnung der für die Biogasanlage erforderlichen Flächen sogar 2.500 Hektar für die Ausbringung der Gärsubstrats. Dies, so das Landvolk, entspräche dem 46-fachen des durchschnittlichen landwirtschaftlichen Betriebes in Nienburg in 2016 und würde im Umkreis „den Flächendruck auf die benachbarten landwirtschaftlichen Betriebe extrem erhöhen“. Richtig werde auch festgestellt: „Diese Effekte würden weiterhin deutlich verschärft und das Überleben der bestehenden anderen landwirtschaftlichen Betriebe – gleich welcher Produktionsrichtung – in den umliegenden Dörfern deutlich erschweren.“

AbL-Vertreter Eckehard Niemann verwies auf die niedersächsischen Raumordnungs-Vorgaben bei der Planung überörtlich bedeutsamer Bauvorhaben: „Planungen und Maßnahmen mit erheblichen überörtlichen Auswirkungen müssen in der Regel ein gestuftes Planungsverfahren bis hin zur Genehmigung durchlaufen, bevor sie realisiert werden können. Raumbedeutsame Vorhaben sind Planungen und sonstige Maßnahmen, durch die Grund und Boden in Anspruch genommen oder die räumliche Entwicklung oder Funktion eines Gebietes beeinflusst wird. Von überörtlicher Auswirkung sind solche Vorhaben, die über das Gemeindegebiet ihres Standortes hinausreichen oder hinauswirken. Eine frühzeitige Stufe in diesem Planungsverfahren ist das Raumordnungsverfahren.“

Die AbL verweist darauf, dass die gültige Baurechtsnovelle dem Samtgemeinderat ohnehin das Recht gebe, gewerbliche Großstallbauten ganz einfach dadurch zu verhindern, indem man dafür keinen Bebauungsplan und auch keine vorbereitende Flächennutzungsplan-Änderung beschließe. In jedem Fall seien die Mitglieder und Fraktionen des Samtgemeinderats Hoya aufgerufen, ihrer Verantwortung gerecht zu werden: für den Schutz ihrer Bürger vor Stickstoff- und Keim-Immissionen aus dieser Tierzahlen-Konzentration an einem Standort und für die Sicherung einer vielfältigen bäuerlichen Landwirtschaft auf Grundlage vieler mittelständischer und gut strukturierter Bauernhöfe – anstelle agrarindustrieller Tierhaltungs-Strukturen. Die Milchviehbetriebe bräuchten gerade angesichts anhaltend ruinöser Erzeugerpreise eine politisch abgesicherte Milchmengenreduzierung anstelle einer verantwortungslosen Expansion von agrarindustriellen Überschuss-Produzenten.

Die AbL erinnerte an einen Agrarartikel über die Vergangenheit des Derbovenschen Unternehmens: „Flur und Furche“ berichtete demnach darüber, dass der Betrieb in den Achtzigerjahren zunächst erhebliche finanzielle Probleme gehabt habe, dass Derboven dann aber in die Kälberzucht einstieg – und zwar speziell in die Zuchtmöglichkeit über „Embryo-Transfer“ (Technik, bei der Embryonen künstlich in eine Gebärmutter von Ammenkühen eingebracht werden) für Märkte in Irland und England.

Anschließend sei in Milchquoten und weitere Stallanlagen investiert worden.

Interessant sei, dass der Artikel Derboven vor einem Jahr noch so zitiere, dass bei seinen Wachstumsplänen „derzeit weniger die Zahl an Kühen zur Diskussion“ stehe. Zu Recht werde in dem Artikel dann die Molkerei Grafschaft Hoya e.G. gelobt, an die Derboven seine Milch liefere: eine regionale Molkerei mit der Marke „Asendorfer“, mit regionalem Konzept und „noch respektablen“ Milcherzeugerpreise.

In dem Artikel werde Derboven so zitiert, dass es auf seinem Betrieb kein Bio geben werde und dass der Betrieb auch keine Weidemilch erzeuge. Derboven rechtfertige dies wenig berufs-kollegial damit, dass es in Deutschland „überhaupt keine ehrliche Weidemilch“ geben würde – angeblich wegen der „klimatischen Verhältnisse“.

Allerdings werbe Derboven mit einer „lückenlosen Kreislaufwirtschaft“, inklusive Biogasanlage. Inwieweit und wie er dies bei der geplanten Aufstockung auf 3000 Rinderplätze (mit zusätzlichem Flächenerwerb zu Lasten beispielsweise der Pachtflächen vieler Bauernhöfe) aufrechterhalten könne, habe Derboven damals noch nicht ausgeführt. Er redete damals doch noch von konkret geplanten Standorterweiterungen nur für die Jungviehaufzucht – „zunächst“: „Der Betrieb will sich da selber keine Grenzen setzen…“ Das, so die AbL, müssten nun in der Tat andere tun – z.B. der Rat der Samtgemeinde Hoya.

Die AbL kündigte an, die Bürgerinitiative gegen das Derboven-Projekt zu unterstützen und mit betroffenen Landwirten in der Region zusammenzuarbeiten.

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Erstellt:
5. Oktober 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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