Stefan Schwiersch DH

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Guten Tag 10.08.2019 Von Stefan Schwiersch

Wenig Lust auf Urlaub im Knast

An das genaue Datum erinnere ich mich nicht, es dürfte vier, fünf Jahre her sein. Genau an dieser Stelle, in dieser eigentlich sportorientierten Kolumne, äußerte ich mich kritisch gegenüber dem türkischen Präsidenten Erdogan. Grundsätzlich bin ich eher unpolitisch, aber irgendwie muss es mir damals ein tieferes Bedürfnis gewesen sein, meinen Protest gegenüber dessen diktatorisch geprägtem Habitus zu äußern. Mit dieser Grundhaltung stehe ich im medialen Deutschland gewiss nicht allein da, denn so recht lassen sich Erdogans Politik und das Grundverständnis von Demokratie nicht wirklich unter einen Hut bringen.

Kleiner Themensprung: Blättern Sie im Internet auch manchmal durch die Seiten verschiedener Reiseveranstalter, einfach um ein bisschen Urlaubsflair zu genießen? Die Türkei bietet seit jeher zauberhafte Destinationen, und das zu vergleichsweise günstigen Preisen. Ayvalik, Izmir, Çesme, Bodrum, um nur einige Traumziele zu nennen. Schade nur: Ich werde sie womöglich nie ansteuern.

Anfang 2019 hat der Deutsche Journalistenverband (DJV) Medienvertreter, die sich in Artikeln oder Kommentaren kritisch zur Türkei geäußert haben, vor Reisen in die Türkei gewarnt. Die Maßnahme war ganz offensichtlich keine Hysterie: Nach Angaben des Auswärtigen Amts sitzen derzeit sieben deutsche Staatsbürger aus politischen Gründen in türkischen Gefängnissen. Einer von ihnen, ein Lagerarbeiter aus Hessen, hatte vor Jahren Türkei-Kritik auf Facebook geteilt. Jetzt wird ihm Terrorpropaganda vorgeworfen. „Da sollten Journalisten und andere Multiplikatoren erst recht vorsichtig sein“, erklärt der DJV in seinem jüngsten Newsletter. Und weiter: „So lange in der Türkei keine Presse- und Meinungsfreiheit gilt, sollten Journalisten und Blogger lieber andere Urlaubsländer wählen.“ Zutiefst bedauerlich, zumal der Bannstrahl genau jene trifft, die am wenigsten für die Situation können: die Urlaubsorte.

Machen wir das Beste draus: Mit Freude geht‘s nächstes Jahr an die Nordsee. Und hoffentlich irgendwann einmal, wenn sich gewisse Dinge ändern, auch in die Türkei.

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Erstellt:
10. August 2019, 20:59 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 56sec

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