Drogen sind das gemeinsame Problem der Besucher der Gruppe „Narcotics Anonymous“. AdobeStock/monticellllo

Drogen sind das gemeinsame Problem der Besucher der Gruppe „Narcotics Anonymous“. AdobeStock/monticellllo

Nienburg 03.02.2018 Von Die Harke, Von Nikias Schmidetzki

Wenn Drogensucht das Leben bestimmt

„Narcotics Anonymous“: Eine Selbsthilfegruppe stellt sich vor

Vor ein paar Jahren hätte er schon nach dem Wort „Selbsthilfegruppe“ aufgehört zu lesen, weil er sehr skeptisch gegenüber dem war, was er bis dahin über Selbsthilfegruppen wusste oder zu wissen glaubte, wie K. sagt. Außerdem war er überzeugt, keine Hilfe zu brauchen. „Ungefähr zwei Jahre später war ich an meinem persönlichen Tiefpunkt angekommen und wusste einfach nicht mehr weiter. Ich wollte aufhören, Drogen einschließlich Alkohol und Medikamente zu nehmen, wusste aber nicht, wie“, sagt er heute. Er hatte eine Therapie angefangen, die ihn die ersten Wochen über Wasser hielt. Und sein damaliger Therapeut erzählte ihm von „Narcotics Anonymous“ (NA), einer Selbsthilfegruppe für Menschen, für die Drogen zum Problem geworden sind.

„Ich kannte Leute, die diese Gruppe besuchten und mit deren Hilfe clean geblieben sind. Weil ich nichts mehr zu verlieren hatte, habe ich es mir angesehen. Was hätte denn auch Schlimmes passieren können? Im schlimmsten Fall hätte sich nichts geändert. Damals war mir klar, dass es dann nur noch einen der drei Wege fur mich gegeben hätte: Irgendwann wäre ich im Gefängnis oder endgültig in einer Anstalt gelandet. Oder ich wäre an meinem Konsum gestorben“, berichtet K. heute.

Also, erinnert K. sich, ist er hingegangen. „In dem Meeting saßen die unterschiedlichsten Leute, die alle eines gemeinsam hatten: Sie mussten keine Drogen mehr nehmen – und das zum Teil seit Jahren. Ihre Lebensgeschichten ergaben alle zusammen meine eigene Geschichte, und mir wurde klar, dass ich nicht alleine war. Es gab plötzlich Leute, die greifbar waren und die trotz ähnlicher Geschichten mehrere Jahre frei von allen Drogen waren. Das gab mir die Hoffnung und Motivation, die ich brauchte, um es auf ihre Art zu versuchen – letztendlich mit Erfolg.“

Seitdem er NA kenne, habe er viel über sich und die Krankheit Sucht gelernt, berichtet K.. Vor allem, wie er mit ihr leben kann, ohne sich selbst oder anderen zu schaden, wie es früher immer wieder passiert war, obwohl er das nie wollte.

Er sagt jetzt: „Das Schöne an NA ist, dass ich nicht nur viele Menschen jeden Alters aus der ganzen Welt kennenlernen kann, denen es so geht wie mir, sondern auch, dass NA ein Programm hat: Die zwölf Schritte. Sie sind für mich eine Art Werkzeug geworden, das mir hilft, mich und meine Krankheit besser kennenzulernen und mit den Menschen und Situationen meines alltäglichen Lebens besser umzugehen. Ich habe die Möglichkeit, an meiner persönlichen Entwicklung zu arbeiten und werde dabei von der Gemeinschaft unterstützt.“

An den Treffen, die bei NA Meetings heißen, und regelmäßig immer am gleichen Ort stattfinden, nehmen nur Süchtige teil. „Wir tauschen untereinander unsere Erfahrungen aus, um uns gegenseitig zu helfen, den Alltag clean zu meistern – das ist nicht immer leicht, aber leichter als es alleine zu versuchen. Es gibt bei NA keine Aufnahmegebühr, keine Mitgliedsbeiträge, keine Verträge, und niemandem müssen Versprechen gemacht werden.

Das heißt, dass ich mich nicht binden muss und jeden Tag neu entscheiden kann, zu den Treffen zu gehen oder nicht. Mir persönlich ist diese Freiheit sehr wichtig. Wir haben keine Verbindungen zu Justizbehörden, politischen oder religiösen Gruppen und stehen niemals unter Aufsicht. Mitmachen können alle – ohne Rücksicht auf Alter, Herkunft, sexuelle Identität oder Glauben“, erklärt K.. Die einzige Voraussetzung, die Teilnehmer mitbringen sollten, ist das Verlangen, mit dem Drogennehmen aufzuhören.

In Nienburg finden die Meetings von „Narcotics Anonymous“ an jedem Donnerstag von 19.15 bis 21 Uhr im [DATENBANK=2565]Gemeindehaus St. Michael[/DATENBANK], Martinsheidestraße 8, statt.

Weitere Informationen über die Gruppe finden sich im Internet unter www.na-nord.de oder www.narcotics-anonymous.de. Der Kontakt zu den Nienburgern direkt ist per E-Mail an nanienburgweser@gmx.de oder unter Telefon (05021)8894911 möglich.

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Erstellt:
3. Februar 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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