18.11.2012

Wenn PCs wichtiger sind als Freunde

Beratungsstelle in der Rühmkorffstraße hilft auch beim maßvollen Umgang mit dem Internet

Von Edda Hagebölling

Nienburg. „Wenn der PC wichtiger wird als die Familie und Freunde.“ Diesen Titel haben Michael Albers und Fabian Fromm dem dritten von insgesamt vier Themenbereichen gegeben, die die Harke am Sonntag zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene erörtert. Anlass ist das 40-jährige Bestehen der Einrichtung, die zwar zum Landkreis gehört, aber in der ehemaligen Landwirtschaftsschule in der Rühmkorffstraße angesiedelt ist.

Gewählt haben der Diplom-Psychologe Michael Albers und der Sozialpädagoge Fabian Fromm, mit 29 Jahren der Youngster in dem insgesamt sechsköpfigen Beraterteam, das Thema aus gutem Grund. „Dank“ World of Warcraft, Facebook, Smartphone, PC und Playstation haben immer mehr Kinder und Jugendliche Probleme in Schule und Elternhaus.

Sie machen keine Hausaufgaben, schwänzen die Schule, verlassen nur noch selten ihr Zimmer, verunsichern ihre Eltern und sorgen für Spannungen innerhalb der Familie. Jungen sind deutlich häufiger betroffen als Mädchen. Allerdings führen die sogenannten sozialen Netzwerke dazu, dass auch immer mehr Mädchen immer mehr Zeit vor ihrem PC oder Laptop verbringen.

„Die Eltern, die zu uns kommen, sind häufig völlig verunsichert. Sie wissen nicht: Ist es in Ordnung, dass das Kind so viel Zeit vor seinem PC verbringt oder ist das schon zuviel“, so Michael Albers. Zusammen mit den besorgten Eltern und – wenn Sohn oder Tochter mitgekommen sind – auch dem Kind erstellen die Psychologen und Sozialpädagogen in der Beratungsstelle zunächst einmal ein Screening. Sie fragen: Was macht das Kind in seiner Freizeit? Hat es Freunde? Wieviel Zeit verbringt es vor dem PC? „Dabei ist immer wieder festzustellen, dass die Einschätzung des Kindes deutlich von der der Eltern abweicht“, berichtet Michael Albers. Seien die Kinder überzeugt, nicht mehr als ein, zwei Stunden vor dem PC zu sitzen, seien es in der Wahrnehmung der Eltern doch eher fünf bis sechs.

Die Experten versuchen aber auch herauszufinden, was dem Kind fehlt, wenn es seine Bestätigung beim Spielen mit der Playstation oder der Internetsoftware sucht. Schlimmer denn je verbreitet ist nach Einschätzung von Michael Albers und Fabian Fromm das Spiel „World of Warcraft“. „Die Suchtmachersoftware Nummer 1“, so deren einmütiges Urteil.

Kinder verabreden sich nicht mit ihren Freunden auf dem Sportplatz, sondern mit ihrer sogenannten Gilde im Internet. „Sie richten ihr Leben nach WOW aus, die Gilde ersetzt die Clique, Erfolgserlebnisse kommen auf, wenn möglichst viele Monster erlegt wurden, das Ansehen in der Ersatzfamilie im Internet steigt“, fasst Michael Albers die Faszination des Spiels zusammen.

Seiner Überzeugung nach muss Familie wieder mehr Familie werden. Das Kind müsse wieder das Gefühl bekommen, wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden. Spiel und Spaß sollten im realen Leben stattfinden.

Die Experten empfehlen, mit dem Kind einen Vertrag über die tägliche Dauer des Internet-Konsums zu schließen. Beispielsweise könnte man von 14 bis 17 Uhr ein Facebook-Verbot verhängen. Im Idealfall könnte eine solche Regelung gleich für die ganze Schule gelten. Kein Kind müsste dann das Gefühl haben, etwas zu verpassen, wenn es draußen Fußball spielt. Auch sollte der PC nicht im Kinderzimmer stehen.

Wichtig sei natürlich auch, darauf zu achten, dass der Vertrag eingehalten werde. „Notfalls muss dann eben auch mal der Stecker gezogen werden“, so Fabian Fromm. Grundsätzlich plädieren die Mitarbeiter der Beratungsstelle aber dafür, dem Kind Vertrauen entgegen zu bringen. Und Vorbild zu sein.

Zu erreichen ist die Beratungsstelle in der Rühmkorffstraße unter 05021/967-676 oder unter bkje@kreis-ni.de. Die Offene Sprechstunde findet dienstags von 9 bis

11 Uhr und donnerstags von

15 bis 17 Uhr statt.

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Erstellt:
18. November 2012, 00:00 Uhr
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