„Die Enge in der Wohnung ist ein nicht zu unterschätzender Stressfaktor“, sagt Nienburgs Gleichstellungsbeauftragte Sarah Peters. Foto: zdyma4 - stock.adobe.com

„Die Enge in der Wohnung ist ein nicht zu unterschätzender Stressfaktor“, sagt Nienburgs Gleichstellungsbeauftragte Sarah Peters. Foto: zdyma4 - stock.adobe.com

Nienburg 31.03.2020 Von Die Harke

Wenn das Zuhause kein sicherer Ort ist

In der Corona-Krise können Frauen und Kinder übermäßig oft Opfer häuslicher Gewalt werden

In der Corona-Pandemie sind alle Menschen dazu aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Allen sollte inzwischen klar sein, dass die Zahl der Infizierten so hoffentlich langsamer steigt. Doch was, wenn das eigene Zuhause kein Ort des Rückzugs und der Ruhe ist? Was, wenn das eigene Zuhause der Ort ist, an dem Frauen die meiste Gewalt widerfährt?

Dazu heißt es in einer Pressemitteilung von Sarah Peters, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Nienburg: „Häusliche Gewalt wird leider auch in Zeiten einer Pandemie nicht einfach verschwinden. Ganz im Gegenteil, so warnte das Gremium zu Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (Grevio) der Staatenorganisation. So zeigte sich im chinesischen Wuhan ein deutlicher Anstieg von Anrufen bei Hilfe-Hotlines während der strikten Ausgangssperren.

Die Angst davor, sich anzustecken, kann dazu führen, dass Betroffene sich nicht trauen, Hilfe zu suchen. Auf der Seite der Hilfeeinrichtungen kommt es europaweit teilweise zu Aufnahmestopps, da hier seitens der Staaten keine Strategien zum Umgang mit dem Infektionsrisiko angeboten werden. Letztlich ist auch das Telefonat mit einer Hilfeeinrichtung wie der Nummer gegen Gewalt an Frauen – (0800) 116016 – nicht ohne Weiteres möglich, wenn die Betroffenen mit dem Täter fast 24 Stunden am Tag in der gleichen Wohnung sind“, schreibt Peters.

Frauen wenden sich in der Regel an Freundinnen oder Beratungsstellen, wenn der Partner zur Arbeit oder anderweitig unterwegs ist: „Das ist aktuell kaum möglich,“ sagt die Gleichstellungsbeauftragte: „Der Partner – also die Person, von der die meiste Gefahr ausgeht – ist die ganze Zeit da und kann jederzeit hören, was die Frauen und Kinder tun.“

Weiter heißt es in der Pressemitteilung: „Die Enge in der Wohnung ist dabei ein nicht zu unterschätzender Stressfaktor. In normalen Zeiten lässt sich Stress außerhalb der Wohnung, zum Beispiel beim Sport oder mit Freundinnen und Freunden, abbauen. Situationen können jetzt deutlich schneller eskalieren.

Es braucht ein gutes Konzept, um Frauen auch während der Krise zu unterstützen. Zu den Sofortmaßnahmen zählt allerdings Wachsamkeit, Solidarität und Aufklärung. Die Polizei muss wissen, dass diese außergewöhnliche Situation dazu beitragen kann, dass mehr Frauen von häuslicher Gewalt betroffen sein werden. Die Nachbarn sollten drauf achten, verdächtige Vorfälle zu melden“, lautet Peters‘ Appell an alle Bürgerinnen und Bürger.

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Erstellt:
31. März 2020, 18:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 09sec

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