Wenn die Bodenprobe in der Hand zerbröselt, ist es definitiv viel zu trocken. In Magelsen sorgt man sich um die Getreideernte 2020. Fotos: Achtermann

Wenn die Bodenprobe in der Hand zerbröselt, ist es definitiv viel zu trocken. In Magelsen sorgt man sich um die Getreideernte 2020. Fotos: Achtermann

Magelsen 06.06.2020 Von Horst Achtermann

Wenn der Boden in der Hand zerbröselt

Landwirte Kuhlmann, Meyer, Brüns und Westermann in Sorge um die Getreideernte 2020

„Sonnig und warm, der Wind verweht die Ackerkrume, schon wieder viel zu trocken.“ Landwirt Arndt Kuhlmann erinnert sich bei der Begehung einer seiner Ackerflächen, wo auf sieben Hektar Winterweizen gedeihen soll, noch gut an das Jahr 2018.

„Hoffentlich ertragsreicher als im Jahr 2018“, hofft Arndt Kuhlmann. Der Landwirt baut auf 158 Hektar Weizen, Gerste und Raps an. Mit auf dem Schlag, so nennen die Landwirte eine Ackerfläche, war sein Kollege Heinrich Meyer. Meyer baut auf 100 Hektar neben Getreide auch Zuckerrüben an.

Beide lassen sich schon seit Jahren von der Landwirtschaftskammer Nienburg in der Pflanzenbauberatung ergänzend beraten. „Lüder Cordes macht das zielgerecht“, loben Heinrich Meyer und Arndt Kuhlmann übereinstimmend.

„Besonders in diesem Jahr habe ich – bedingt durch die Trockenheit – deutlich geringere Ausgaben für Pflanzenschutzmittel, speziell für Fungizide, also Mittel gegen Blatt-, Ähren- und Pilzkrankheiten“, erläutert Kuhlmann. Trotzdem schwanken die Kosten pro Maßnahme und Hektar zwischen 15 und 70 Euro.

Begutachten den Weizen mit Sorge: Arndt Kuhlmann, Wilken Brüns, Heinrich Meyer und Hartmut Westermann (von links).

Begutachten den Weizen mit Sorge: Arndt Kuhlmann, Wilken Brüns, Heinrich Meyer und Hartmut Westermann (von links).

Zufrieden sind die Landwirte mit der Bodenqualität, die in dieser Region, nahe der Weser, mit 60 bis 65 Bodenpunkten angegeben wird. „Ein Boden, der ein sehr gutes Wasserhaltevermögen hat, also ein quellfähiger Boden, zeigt aber keine Wirkung bei einer Wassermenge von acht bis zehn Millimeter (acht bis zehn Liter auf ein Quadratmeter), wie in der letzten Woche bei dem Gespräch mit der HARKE am Sonntag in Magelsen.

Risse im Boden bis zu einer Tiefe von 50 bis 70 Zentimetern. „Wenn der Boden aus 60 Zentimetern Tiefe nicht mehr knetbar ist, dann haben die Pflanzen kein verfügbares Wasser mehr“, weiß Landwirt Kuhlmann.

Mit einem Handbohrer oder Bodenstab wurde der Boden aus lehmigem Sand vor kurzem untersucht. „Wenn die Bodenprobe in der Hand bröselt, dann ist der Boden effektiv zu trocken“, ergänzt Heinrich Meyer. Also stellt sich die Frage: Es regnen lassen, wenn von oben nichts kommt?

„Aber das ist nicht so einfach“, betont Landwirt Meyer. Kuhlmann macht die Rechnung auf. Seine Kostenrechnung für 158 Hektar gibt er mit 200.000 Euro plus Gebühren an, nutzbar für 15 Jahre.

Darin ist enthalten: 15 Brunnen, bis zu 1000 Meter Schlauchleitungen, Beregnungsanlagen, Pumpen mit Dieselmotor und vermutlich 20.000 Liter Diesel pro Saison. Generell sieht Arndt Kuhlmann eine Beregnung als nicht wirtschaftlich an. „Für Gemüse, Kartoffeln, Zuckerrüben ist die Beregnung ein Mittel der Wahl, aber meines Erachtens nicht für Getreide, Raps und Mais.“

Die Risse im Boden sind bis zu 70 Zentimeter tief.

Die Risse im Boden sind bis zu 70 Zentimeter tief.

Gemeinsam haben die Landwirte – außerdem vor Ort waren der pensionierte Landwirt Wilken Brüns, mit Kartoffeln groß geworden, und Hartmut Westermann, ein Hobbylandwirt und Chef der Interessengemeinschaft „De Ole Schüün“ in Magelsen¨– das Ährenschieben und damit das Wachstum beobachtet.

Die Kornfüllung bei Gerste gibt schon einen kleinen Hinweis Ende Mai, wie die Ernte ausfallen könnte. Den Durchschnittsertrag in den letzten drei Jahren gibt Arndt Kuhlmann bei Weizen mit 81 Dezitonnen, bei Gerste mit 89 Dezitonnen und bei Raps mit 38 Dezitonnen an. Im Dürrejahr 2018 waren die Erträge zwischen 30 bis 50 Prozent niedriger.

Die Böden sind staubtrocken, es kühlt sich in diesen Tagen kurzfristig ab, ein paar Schauer ziehen durchs Land, aber das ist nur was für die Oberfläche, im Unterboden ist es nach wie vor zu trocken. Heinrich Meyer und Arndt Kuhlmann schauen mit Sorge nach vorne, hoffen aber dennoch auf eine den Umständen entsprechende Ernte.

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Erstellt:
6. Juni 2020, 19:53 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 43sec

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