Werders Stürmer Josh Sargent kann es nicht fassen: Steigt er mit den Bremern wirklich ab? Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Werders Stürmer Josh Sargent kann es nicht fassen: Steigt er mit den Bremern wirklich ab? Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Bremen 10.06.2020 Von Deutsche Presse-Agentur

Werders letzte Hoffnung

Die Bremer klammern sich an das Restprogramm und einen Rückkehrer

Das war es jetzt. So denken viele Fans von Fußball-Bundesligist Werder Bremen nach dem 0:1 gegen den VfL Wolfsburg. Die letzte Hoffnung besteht nur noch darin, sich in die Relegation zu retten. Dabei helfen könnten ein vermeintlich lösbares Restprogramm und ein lange verletzter Stürmer.

Alle drei bis vier Monate geht bei Werder Bremen in diesem desaströsen Spieljahr ein Saisonziel über Bord. Anfang November verabschiedete sich der Club von seinen Europapokal-Ambitionen. Anfang Februar war dann auch die Hoffnung dahin, sich irgendwie noch aus dem Abstiegskampf zu befreien. Seit diesem Sonntag weiß man bei der Nummer drei der ewigen Bundesliga-Tabelle, dass man die weitere Zugehörigkeit zu dieser Liga auch kaum mehr auf direktem Weg wird sichern können. Nach dem 0:1 gegen den VfL Wolfsburg ist die einzig halbwegs realistische Option, sich in die Relegationsspiele gegen den Zweitliga-Dritten zu retten. Fortuna Düsseldorf auf Platz 16 ist nur drei Punkte entfernt.

Es ist nichts Unmögliches. Wir können das schaffen.
Maximilian Eggestein, Werder-Profi


„Es ist nichts Unmögliches. Wir können das schaffen“, sagte der Mittelfeldspieler Maximilian Eggestein bei einem Internet-Talk eines Werder-Sponsors. „Heute sind wir natürlich enttäuscht. Aber wir haben noch vier Spiele. Es geht jetzt darum, die drei Punkte Rückstand auf Düsseldorf aufzuholen, egal wie.“

Bei vielen Werder-Fans löste das Wolfsburg-Spiel eher das Gefühl aus: Das war es jetzt. Der zweite Bundesliga-Abstieg nach 1980 ist nicht mehr zu vermeiden. Nach nur einem Sieg in 15 Heimspielen und nur 25 Punkten in 30 Spielen insgesamt, lassen sich kaum noch Anhaltspunkte finden, warum das mit dem Angriff auf den Relegationsplatz ausgerechnet in den letzten vier Partien noch klappen sollte.

Die Anzahl der verbleibenden Spiele wird immer geringer, die Liste der maßgeblichen Mängel bleibt aber unverändert lang. Über die wiederholten Stellungsfehler vor dem 0:1 durch Wolfsburgs Holländer Wout Weghorst sagte Trainer Florian Kohfeldt: „Das tut richtig weh. Wir haben das Gefühl, wir verteidigen alles weg – und es passiert trotzdem wieder.“ Und über die Probleme weiter vorn schrieb die „Süddeutsche Zeitung“: „Die Harmlosigkeit im Angriff wächst sich zur Hoffnungslosigkeit aus.“

Gegen dieses Gefühl der Resignation redet und arbeitet aber einer weiter an: der Trainer. „Der erste Schritt ist, dass wir aus der sportlichen Führung vorangehen“, sagte Kohfeldt am Sonntag. „Ich will alles tun, dass wir drinbleiben. Jede Faser muss das ausstrahlen.“ Konkret hoffen die Bremer noch auf zwei Faktoren:

Das Restprogramm

Mit etwas Zählbarem gegen den FC Bayern München (16. Juni) rechnet in Bremen niemand. Gegen den Tabellenletzten SC Paderborn (13. Juni), den 15. der Tabelle, Mainz 05, (20. Juni) und den Tabellenelften 1. FC Köln sollte aber jemand punkten, der in dieser Saison noch etwas vorhat. „Dass das Selbstbewusstsein bei uns nicht besonders hoch ist, ist klar. Aber Angst ist der falsche Ratgeber“, sagte Eggestein. „Wir müssen versuchen, selbstbewusst zu bleiben. Nur so kann man Fußball spielen. Wenn du dich versteckst, dann brauchst du nicht zu spielen.“

Nimmt man aber allein die Tabelle zum Maßstab, hat auch der Hauptkonkurrent Düsseldorf mit dem FC Augsburg sowie Union Berlin noch zwei vermeintlich lösbare Aufgaben vor sich. Sollte der Rang-16. diese beiden Spiele gewinnen, würden Werder wegen des schlechteren Torverhältnisses auch drei Siege nicht mehr helfen.

Die Rückkehrer

Bittencourt, Rashica, Füllkrug: So ungefähr stellte sich Kohfeldt vor dieser Saison seine Angriffsreihe vor. Gegen Wolfsburg war Leonardo Bittencourt angeschlagen, Milot Rashica verletzt und Niclas Füllkrug noch nicht wieder fit. Aber das soll sich am Samstag in Paderborn ändern. Über Rashicas Sprunggelenk-Probleme sagte Kohfeldt: „Es ist aber nichts, was ausschließt, dass er in Paderborn spielt.“

Auch der 26 Jahre alte Füllkrug drängt auf sein Comeback, nachdem er vor der Saison für rund 6,5 Millionen Euro von Hannover 96 verpflichtet und dann schon nach dem vierten Spieltag mit einem Kreuzbandriss ins Krankenhaus gebracht worden war. „Ich will den Druck nicht auf seine Schultern packen und sagen: Endlich kommt der Messias wieder. Er wird nur eine Alternative von der Bank sein, mehr nicht“, sagte Kohfeldt. „Aber als spielstarker Boxspieler ist Niclas sicherlich ein Element, das wir so nicht haben. Ich freue mich darauf, seine Mentalität im Kader zu haben.“

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Erstellt:
10. Juni 2020, 18:35 Uhr
Lesedauer:
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