Wesavi büßt in der Pandemie mehr als die Hälfte seiner Badegäste ein

Wesavi büßt in der Pandemie mehr als die Hälfte seiner Badegäste ein

Hinter den Verantwortlichen des Wesavi, hier Geschäftsführer Olaf Seemeyer und Prokuristin Sandra Kulinna, liegt ein weiteres hartes Jahr. Foto: Edda Hagebölling

Lockdown bis zum 25. Mai, Kurzarbeit, Unterstützung des Corona-Testzentrums, dann Öffnung unter Auflagen mit strengem Hygienekonzept unter 3G-Bedingungen, seit Dezember 2G plus. Hinter den Verantwortlichen des Wesavi liegt ein weiteres hartes Jahr. Geschäftsführer Olaf Seemeyer und Prokuristin Sandra Kulinna erinnern sich noch gut an die Höhen und Tiefen der vergangenen zwölf Monate.

„Der Lockdown, der im November 2020 begann, dauerte bis zum 25. Mai 2021“, berichten Seemeyer und Kulinna bei einem Treffen mit der HARKE am Sonntag. Für 38 der insgesamt 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutete das: Kurzarbeit. Allerdings mit einem auf 83 Prozent aufgestockten Gehalt.

Von der Kurzarbeit ausgenommen waren die Auszubildenden, deren Ausbildungsleiterin und der Haustechniker. Zeitgleich wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nicht bei der Bäder-Gesellschaft, sondern bei der Stadt angestellt sind, zur Stadt Nienburg „zurückgeführt“.

Seit April Testzentrum

„Am 12. April wurde dann im Eingangsbereich des Wesavi das Testzentrum der Stadt Nienburg eingerichtet und von uns personell unterstützt“, berichten Seemeyer und Kulinna weiter. Als aber das Wesavi am 25. Mai unter hygienebedingten Einschränkungen wieder für die Schulen und Vereine und für den Reha-Sport öffnen dufte, wurde das Testzentrum in den Bereich der zu diesem Zeitpunkt noch geschlossenen Saunaanlage verlegt. Heute befindet es sich im Erdgeschoss der Wesavi-Geschäftsstelle direkt neben dem Ganzjahresbad.

Für die breite Öffentlichkeit wieder geöffnet wurde das Wesavi am 14. Juni. Mit dem Ergebnis, dass seitdem auch wieder Schwimmkurse für Anfänger und Fortgeschrittene angeboten werden können. In der Folge haben bis zum Jahresende rund 300 Kinder erfolgreich an den Schwimmkursen teilgenommen.

Ab September galten dann wieder die regulären Öffnungszeiten, und auch die Saunalandschaft konnte unter Beschränkung der Besucherzahlen wieder genutzt werden.

„Mit der 3G-Regelung kamen die Bade- und Saunagäste gut klar, und auch der Einsatz der Luca-App wurde schnell zur Routine“, so Seemeyer. Zu einem erneuten Einbruch der Besucherzahlen kam es jedoch, als zum 2. Dezember die 2G plus-Regel eingeführt wurde.

„Diese Zeit war auch für die Kolleginnen und Kollegen an der Kasse nicht einfach“, berichtete der Geschäftsführer weiter. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen sich seither vor jedem Besuch Impfnachweise, Testbescheinigungen und den Ausweis zeigen lassen. Auch von den Stammgästen. Mittlerweile habe sich das jedoch recht gut eingespielt.

Natürlich hätten wir gerne mehr Bade- und Saunagäste bei uns aufgenommen, doch die Corona-Auflagen ließen uns keine Wahl.

Geschäftsführer Olaf Seemeyer und Prokuristin Sandra Kulinna

Mit 80 bis 90 Personen richtig gut besucht war nach Angaben Seemeyers die erste Saunacht des Jahres 2022 am 8. Januar. „Wegen der Auflagen mussten die Kolleginnen und Kollegen die Zahl der Aufgüsse allerdings fast verdoppeln. Die eigentlich für 35 Personen ausgelegte Wesersauna beispielsweise darf zurzeit nur von 20 Gästen gleichzeitig genutzt werden“, gibt Seemeyer zu bedenken.

Dass all die Einschränkungen und Schließungen nicht ohne finanzielle Folgen bleiben, verhehlt der Wesavi-Geschäftsführer nicht. Obwohl für das Ganzjahresbad seit dem 1. Januar 2022 wegen der steigenden Energie- und Personalkosten höhere Eintrittspreise gelten, rechnen Kulinna und Seemeyer am Ende des Jahres 2022 mit einem Zuschussbedarf von etwa 2,3 Millionen Euro.

Defizit um zwei Millionen Euro

Für 2021 haben sie etwa 2,2 Millionen veranschlagt, 2020 betrug das Defizit rund zwei Millionen Euro. „Weil wir eine hundertprozentige Tochter der Stadt sind, hatten wir für 2021 keinen Anspruch auf Corona-Beihilfen“, so Seemeyer. Gezahlt wurden lediglich die November- und Dezemberbeihilfe 2020.

Eine Ursache für den hohen Zuschussbedarf sind die deutlich niedrigeren Gästezahlen. Besuchten im Coronajahr 2020 noch 83.000 Besucherinnen und Besucher das Wesavi, waren es 2021 rund 73.000. Zum Vergleich: 2019, als noch niemand das Wort Corona kannte, wurden 186.900 Menschen im Ganzjahresbad und in der Saunalandschaft gezählt.

Steigende Personalkosten

Verstärkt werden die Auswirkungen der geringeren Einnahmen aus Eintrittsgeldern durch steigende Personalkosten. Zum einen führte ein zweitägiger Streik im August 2021 dazu, dass alle Beschäftigten der Bäder GmbH mehr Geld und auch eine Corona-Prämie bekommen.

Am 21. September 2021 wurde zudem in der Ratssitzung der Stadt Nienburg beschlossen, die Geschäftsführung der Bäder-GmbH wird mit dem Abschluss eines Haustarifvertrages mit ver.di zu beauftragen, der eine Anpassung bis zum 31. Dezember 2025 an die geltenden Regelungen für den kommunalen Bereich vorsieht.

Dass seit dem Lockdown im Frühjahr zwei Fasssaunen das Angebot des Wesavi ergänzen, hatte eigentlich mit Corona gar nichts zu tun, wie gerufen kamen sie dennoch. Vielleicht gerade wegen der Pandemie sind die für vier Personen ausgelegten mobilen Saunen richtig gut gebucht. Seit April werden sie von Haustechniker Brün Hogrefe zu den Kundinnen und Kunden gefahren.

„Nach noch nicht einmal einem Jahr haben die Saunen bereits 75 Prozent der Kosten wieder eingespielt“, so Geschäftsführer Seemeyer. Wer „Lina“ oder „Michel“ mieten möchte, zahlt pro Tag 90 Euro, für ein komplettes Wochenende werden 200 Euro berechnet.

Trotz Corona viele Pläne

Trotz Corona hat man im Wesavi auch Pläne. Zum einen soll das freie WLAN rechtzeitig zu Beginn der Freiluftsaison 2022 auch auf den Außenbereich ausgeweitet werden. Ebenfalls für das Freigelände soll eine Vorplanung für ein zukünftiges Planschbecken im Außenbereich durchgeführt werden, das besonders die jüngsten Badegäste ansprechen soll.

Hinzu kommen neue Spielgeräte für Spielnachmittage in der Badelandschaft, marode Strandkörbe und Liegen werden ersetzt. Schwimmkurse für Anfänger und Fortgeschrittene, Babyschwimmen und neue Aquafitkurse sind ebenfalls in Planung.

Außerdem soll das Wesavi ein Maskottchen bekommen. Zurzeit wird geprüft, ob die kleine Krake, die bereits im Bereich des Babybeckens zu bewundern ist, als offizielles Maskottchen verwendet werden kann. Sollte es dafür grünes Licht geben, werden die Besucherinnen und Besucher schon bald am Eingang von einer freundlichen kleinen Krake begrüßt.