23.05.2019 Von Alan Smithee

Wettbewerb und Wetterextreme – beide sorgen für Chaos im Flugverkehr

Flugpassagiere müssen sich in Geduld üben, denn Verspätungen nehmen zu. Tragen extreme Wettersituationen das eine bei, führen Streiks beim Bodenpersonal zu teils massiven Flugausfällen und Verärgerung bei den Kunden. Was sind die Ursachen von Verspätungen und wann steht Passagieren daraus eine Entschädigung zu?

Fluglinien liefern sich derzeit eine regelrechte Schlacht um jeden Kunden. Das zwingt jedoch auch zu Einsparungen in sämtlichen Unternehmensbereichen und straffen Flugplänen. Hebt ein Flugzeug dann noch mit einer geringen Auslastung ab, entstehen im Laufe eines Wirtschaftsjahres leicht finanzielle Turbulenzen. Das macht die Verantwortlichen regelrecht kreativ und führt beim Bordpersonal in regelmäßigen Abständen zu Unzufriedenheit. Diese wehren sich mit Streik oder es kommt zu einer ungewöhnlich hohen Anzahl von Krankenständen.

Auf der anderen Seite planen auch Flughäfen ihre Kapazitäten an der Maximalauslastung. Nur dass es für die Einhaltung dieser Planung optimale Bedingungen braucht und die sind gerade im Sommer eine wackelige Angelegenheit. Dafür verantwortlich ist das Wetter oder besser gesagt die sich in den letzten Jahren häufenden schweren Gewitter. Aus Sicherheitsgründen müssen dann die Abstände zwischen den einzelnen Starts und Landungen vergrößert werden. Bedenkt man dann noch, dass jeder verspätete Flugzeugstart auf dem einen Flughafen auch den ganzen Plan eines anderen Flughafens durcheinanderbringt, erahnt man schon wie sich das auswirkt.

Hier fallen also zwei Komponenten zusammen. Für die eine hat die EU Verständnis, für die andere nicht und das macht sich in der Rechtsprechung des EuGH bemerkbar. Die EU-Fluggastrechteverordnung wird nämlich immer strenger zugunsten der Konsumenten ausgelegt, denn das war seinerzeit der wesentliche Erwägungsgrund.

Gründe für eine Entschädigungszahlung

Nichtbeförderung, Verspätung und Flugannullierung sind die drei Gründe, aus denen Passagiere einen Anspruch gegen die Fluglinie geltend machen können. Die Nichtbeförderung ist auf die Praxis der Überbuchung zurückzuführen. Um eine Maximalauslastung zu erreichen, werden kurzfristige Stornierungen einkalkuliert. Im Idealfall erhält die Airline dann quasi ein Körberlgeld, denn der Ticketpreis wird nicht rückerstattet und der frei gewordene Platz ist ohnehin bereits weiterverkauft. Diese Praxis ist durchaus legitim, nur liefert die Statistik lediglich eine Wahrscheinlichkeit.

Nichtbeförderung

Mit Nichtbeförderung meint die Verordnung die Situation, wenn Passagiere trotz Ticket, rechtzeitigem Check In und gültigen Reisedokumenten keinen Platz mehr im Flugzeug haben. Das ist – gerade durch die Möglichkeit des online Check Ins – relativ bald erkennbar. Tritt dieser Fall ein, sind die Fluglinien verpflichtet nach Freiwilligen zu suchen. Geht sich das trotzdem nicht aus, haben Passagiere zusätzlich zur Umbuchung auf einen anderen Flug, Anspruch auf eine Entschädigung.

Verspätung

Maßgeblich für Ansprüche aus verspäteten Flügen ist die Ankunft am Zielort und diese muss mindestens drei Stunden später erfolgen. Bei Direktflügen wird der verspätete Abflug in etwa mit der Ankunft zusammenfallen. Relevant wird die Ankunftsverspätung allerdings bei Zwischenlandungen. Da kann es durchaus passieren, dass sich der Start des ersten Fluges zwar um mehrere Stunden verzögert, sich aber der Zwischenaufenthalt verkürzt. Ergibt das in Summe keinen zeitlichen Mehraufwand ist die zusätzliche Warterei am Flughafen lediglich nervig.

Annullierung

Wenn ein Flug zu gering ausgelastet ist oder 80% der Piloten krank geschrieben sind, bleibt das Flugzeug am Boden. In diesen Fällen hängt eine Entschädigung davon ab, wie lange im Vorhinein Passagiere davon verständigt werden. Bei mehr als 14 Tagen vorher ist es auch zumutbar, wenn der Ersatzflug um mehrere Stunden abweicht. Häufiger Anlass für Klagen sind jedoch die kurzfristigen Ausfälle und die muss ein Kunde nicht hinnehmen.

Außergewöhnliche Umstände

Es gibt Situationen, die nicht vorhersehbar sind und dann sind Fluglinien auch von der Haftung befreit. Nur legt der EuGH die Verordnung mittlerweile sehr eng aus – sogar Streiks zählen mittlerweile zum normalen Betrieb. Einzig das Wetter oder andere nicht beeinflussbare Naturphänomene wie etwa ein Vulkanausbruch spielen eine Rolle. Ab und zu auch technische Probleme wie etwa ein Stromausfall oder Metallteile, die einen Reifen zerstören. Das war es dann aber auch schon mit außergewöhnlich.

Behauptet werden sie trotzdem gerne. Viele Passagiere haben weder den Nerv noch wollen sie das finanzielle Risiko eingehen, das ein Prozess mit sich bringt. Fluggastportale wie etwa airhelp übernehmen seit einigen Jahren wenigstens zweiteres, wenn es um Entschädigungen bei Flugausfällen geht. Somit wäre mit dem Ärger aus dem einen Urlaub fast wieder der nächste bezahlt: Je nach Flugdistanz beträgt die Entschädigung nämlich zwischen 250,- und 600,-.

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Erstellt:
23. Mai 2019, 12:52 Uhr
Lesedauer:
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