Wie Luther die heutige Polizei prägt

Wie Luther die heutige Polizei prägt

Carsten Rose freute sich mit Landesbischof Ralf Meister über die Vorträge von Dr. Dirk Götting und Frank Waterstraat (von rechts). Lüers-Grulke

„Polizei und Reformation? Eine spannende Spurensuche“, darauf haben sich am Mittwochabend rund 140 Zuhörer in der Aula der [DATENBANK=5544]Polizeiakademie in Nienburg[/DATENBANK] begeben. Die Hintergründe, was denn wohl die Polizei mit der Reformation zu tun hat, beleuchteten [DATENBANK=4145]Dr. Dirk Götting vom Polizeimuseum Niedersachsen[/DATENBANK] und Frank Waterstraat vom Kirchlichen Dienst in Polizei und Zoll der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen. Carsten Rose, Vertreter des Direktors der Akademie, hob hervor, dass die Reformation, deren Einfluss die gesellschaftliche Entwicklung bis heute stark geprägt habe, auch Spuren in der Polizeigeschichte aufweise.

Der Schirmherr der Veranstaltung, [DATENBANK=4266]Landesbischof Ralf Meister[/DATENBANK], zeigte sich „sehr gespannt“ auf die Vorträge und wertete die Veranstaltung als „einzigartig“. In seinem Grußwort fragte er zunächst, „warum brauchen wir die Polizei?“ – um danach die Polizei als solche klar zu bestätigen und zu bestärken. Er zitierte Martin Luther mit den Worten „Der Mensch muss im Zaum gehalten werden“. Dennoch sei „die Polizei nicht das Bollwerk gegen das Böse“, sondern habe „eine gemeinschaftsstiftende Aufgabe“.

Der Landesbischof ging insbesondere auf die Herausforderung der Polizei ein, den Bürgern ein Leben in Sicherheit wie auch mit allen gewünschten Freiheitsrechten zu ermöglichen. . „Wir gehen heute vom Bild des Menschen mit seinen guten Eigenschaften, seiner Lernfähigkeit und seinen positiven Tugenden aus.“ so Meister. Die Polizei sei beispielhaft für ein positives Menschenbild.

Meister schilderte in diesem Zusammenhang sein eigenes Erlebnis mit der (Bundes-)Polizei, als er unwissenderweise mit seinem damals zehnjährigen Sohn an einem Bahndamm „die besten Brombeeren pflücken wollte“: Nachdem mehrere vorbeifahrende Züge bereits abgebremst hätten, sei schließlich die Polizei gekommen – die dann aber Nachsicht gezeigt und darauf verzichtet hätte, die Personalien aufzunehmen. „Weil damals Sonntag war“, erinnerte er sich.

Es entstanden föderale Länderpolizeien

In seinem Vortrag „Luther und 500 Jahre Reformation – polizeihistorisch gesehen“ zeigte Polizeihistoriker Dr. Dirk Götting die bis heute spürbaren Folgen des historischen Ereignisses für die Polizei auf. Dabei beleuchtete er zuerst die zeitgeschichtlichen Umstände um 1517 herum. Durch die Reformation habe sich Deutschland nicht zu einem Zentralstaat entwickelt – es entstanden föderale Länderpolizeien.

„Und dass die Polizei heute ein Beruf ist, der für beide Geschlechter offen steht, das ist einer Entwicklung geschuldet, die mit der Aufwertung der Arbeit von Frauen als Folge der Reformation ebenso zu tun hat, wie mit bürgerlichem Selbstbewusstsein und Protestverhalten“, führte Dr. Götting aus. Sich frei denkend und aktiv in seinen Arbeitsbereich einzubringen, habe Martin Luther gefördert und damit das Berufsverständnis bei der Polizei mit geprägt.

Unter dem Vortragstitel „Freiheit als individueller und kollektiver Verantwortungsraum – Gedanken eines evangelischen Polizeiseelsorgers zum Reformationsjubiläum“ ging Frank Waterstraat im Anschluss auf das Hier und Jetzt ein. Bereits flüchtige Blicke in die aktuellen Weltnachrichten oder Geschichtsbücher würden jedem zeigen, dass die politische Lebensform der freiheitlichen Demokratie ein kostbares und keineswegs selbstverständliches Privileg sei. Freiheit müsse jedoch von innen heraus wachsen.