Dieses Mal waren Marita Kählke und ihre Tennisdamen mit Schwerpunkt „Hausschlachtung“ im Ort unterwegs. Kählke

Dieses Mal waren Marita Kählke und ihre Tennisdamen mit Schwerpunkt „Hausschlachtung“ im Ort unterwegs. Kählke

Estorf 09.02.2019 Von Edda Hagebölling

Wie das mal war in Estorf

Dieses Mal waren Marita Kählke und ihre Tennisdamen mit Schwerpunkt „Hausschlachtung“ im Ort unterwegs

Wie das mal war in Estorf. Dieser Frage sind Marita Kählke und ihre Tennisdamen jetzt schon zum vierten Mal nachgegangen. Die einen aus der Erinnerung, die anderen, weil sie diese alten Geschichten aus ihrem Heimatort einfach interessieren. Die 18 Frauen, die die 1951 geborene Ur-Estorferin am Freitag vor einer Woche bei Wind und Wetter durch den Ort führte, waren im Schnitt zwischen 30 und 80 Jahre alt. Sie alle eint, früher zusammen Tennis gespielt zu haben. Zweimal im Jahr trommelt Marita Kählke – viele Jahre im Rathaus in Landesbergen und heute nach wie vor als ehrenamtliche Rentenberaterin tätig – ihr Kränzchen zusammen. Im Sommer zum Radfahren und im Winter zu einer Führung durch den Ort.

Einen Anspruch auf historische Vollständigkeit erhebt die ehemalige Standesbeamtin nicht, ihre Erinnerungen an die Nachkriegsjahre sind jedoch noch sehr präsent.

„Im Grunde hatten wir in Estorf damals alles. Drei Gaststätten, vier Läden, zwei Litfaßsäulen, einen Schmied, einen Schneider, einen Tischler, einen Sattler, einen Friseur. Wollten wir mal nach Nienburg, fuhren wir mit dem Zug“, so die Hobby-Gästeführerin.

Der Ort war zweigeteilt. Auf der einen Seite der B 215 wohnten die Landwirte, auf der anderen das niedere Volk, so Kählke schmunzelnd. Wer jetzt aber schlussfolgert, dass die Landwirte-Seite dort ist, wo die Touristen heute im Scheunenviertel einkehren, täuscht. „Die Scheunen dienten als Lager für das Getreide. Weil es damals auf den Höfen recht häufig gebrannt hat, wurden sie extra auf der anderen Straßenseite errichtet“, so Werner Kählke, wie seine Frau Ur-Estorfer.

Bei beiden noch sehr präsent ist auch die Zeit, als nach dem Zweiten Weltkrieg die Flüchtlinge nach Estorf kamen. „Man stelle sich mal vor, unser Bürgermeister wäre 2015, 2016 durch den Ort gegangen und hätte angeordnet: Du nimmst so viele Flüchtlinge auf und du so viele“, gibt Marita Kählke im Gespräch mit der HARKE am Sonntag zu bedenken. Nach Estorf kamen viele Kriegerwitwen, zum Teil mit ihren Kindern, die in Hannover ausgebombt worden waren. Einige von ihnen haben später einen Estorfer geheiratet.

Die aktuelle Tour war dem Thema Hausschlachtung gewidmet. Je nach Größe der Familie wurden im Winter ein oder zwei Schweine geschlachtet. Häufig von Maurern, die sich damit zusätzlich Geld verdienten. „Die Schweine wurden mit einem Bolzenschussgerät getötet, abgestochen und zwei Tage zum Ausbluten aufgehängt.

Marita Kählke erinnert sich noch gut daran, das Blut für die Blutwurst umrühren zu müssen, damit es nicht gerinnt. Das Fleisch wurde zu Wurst in Dosen verarbeitet, in Gläser eingekocht oder im Kühlhaus tiefgefroren. Verarbeitet wurde alles: die Leber und das Herz ebenso wie die Ohren, die Pfötchen oder der Schwanz.

Anschaulich nachzuvollziehen war all das in einer der Scheunen im Scheunenviertel. Aufgewärmt wurde sich im Verlauf der gut zweistündigen Wanderung in der ehemaligen Schmiede von Manfred Runge.

Endstation war schließlich im „Sandkrug“. Dort hatte sich das Kränzchen zum Grünkohlessen angemeldet. Dass es auch eine fünfte Tour geben wird, steht für Marita Kählke bereits fest. Doch zunächst geht es im Sommer mit dem Fahrrad los. Höchstwahrscheinlich nach Brokeloh.

Zum Aufwärmen ging es in die ehemalige Schmiede von Manfred Runge. Runge

Zum Aufwärmen ging es in die ehemalige Schmiede von Manfred Runge. Runge

Estorfs Schmiede. Runge

Estorfs Schmiede. Runge

Zum vierten Mal hatte Marita Kählke ihre ehemaligen Tennisdamen zu einer Führung durch Estorf eingeladen.  Kählke

Zum vierten Mal hatte Marita Kählke ihre ehemaligen Tennisdamen zu einer Führung durch Estorf eingeladen. Kählke

Dieses Mal mit Schwerpunkt „Hausschlachtung“. Kählke

Dieses Mal mit Schwerpunkt „Hausschlachtung“. Kählke

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Erstellt:
9. Februar 2019, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 36sec

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