Seit Beginn der Corona-Pandemie sind mehr Menschen im Wald unterwegs, haben die Landesforsten festgestellt. Symbolbild: Klaus Eppele/Adobe Stock

Seit Beginn der Corona-Pandemie sind mehr Menschen im Wald unterwegs, haben die Landesforsten festgestellt. Symbolbild: Klaus Eppele/Adobe Stock

Landkreis 27.05.2020 Von Annika Büsching

Wie die Axt im Walde

In Corona-Zeiten zieht es die Menschen ins Freie – nicht alle halten die Regeln ein

Wie so häufig gibt es auch hier zwei Seiten der Medaille: „Wir begrüßen es natürlich, wenn sich viele Mitbürger in der Natur erholen wollen, denn auch dafür sind unsere Wälder da.“

Weiter: „Allerdings stößt die Infrastruktur in unseren Wäldern bei starkem Besucherandrang an ihre Grenzen und wir müssen feststellen, dass sich Waldbesucher zunehmend nicht mehr mit den grundlegenden Verabredungen für das Verhalten in der Natur auskennen“, sagt Rainer Städing, der als Regionaler Pressesprecher der Landesforsten auch das Forstamt Nienburg betreut.

Coronabedingt ist der Bewegungsradius eingeschränkt, Freizeitbeschäftigungen liegen brach, zu Hause fällt die Decke auf den Kopf. Viele Menschen zieht es deshalb häufiger als sonst in die freie Natur. Die Wälder seien aktuell so voll wie seit 30 Jahren nicht, melden die Landesforsten.

Nicht nur dort ist mehr los als sonst: „Es gibt deutlich mehr Frequenz in unseren Naturschutzgebieten“, hat auch Thomas Beuster, Geschäftsführer der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer in Winzlar, beobachtet. Das führe zwar zu einer Beunruhigung der zum Beispiel in den Meerbruchswiesen lebenden, schützenswerten Arten, gehe aber nicht zwangsläufig mit Problemen einher.

„Bisher haben wir nicht eingreifen müssen, die meisten Menschen halten sich an die legalen Wege“, sagt Beuster. Pfade, deren Betreten verboten ist, seien durch Schranken oder Schilder deutlich gekennzeichnet, erläutert der ÖSSM-Chef und appelliert an die Besucher, sich auch daran zu halten. Dasselbe gelte für die Anleinpflicht von Hunden, die in Naturschutzgebieten ganzjährig und nicht nur während der Brut- und Setzzeit gilt.

Darauf weist auch der Fachdienst Naturschutz des Landkreises Nienburg hin, denn an anderer Stelle wurde diese Pflicht wiederholt missachtet. So ist nach Angaben der Behörde in der Drakenburger Marsch häufiger beobachtet worden, dass Hunde unangeleint laufen gelassen werden. Der Kreis weist daraufhin, dass dies eine Ordnungswidrigkeit darstellt.

Rücksicht nehmen auf Pflanzen und Tiere, gerade auf die, die in der jetzigen Zeit ihre Jungen bekommen, das fordern auch die Förster und appellieren an Waldbesucher, nicht abseits der Wege durch den Wald zu streifen. Das gelte insbesondere auch für Reiter und Radfahrer oder Mountainbiker. Wegen der erhöhten Waldbrandgefahr in Folge der Trockenheit seien auch Rauchen oder Grillen im Wald untersagt.

„Es werden vermehrt Beeinträchtigungen in Waldgebieten angezeigt, beispielsweise illegal entsorgter Müll oder markante Gehölzentnahmen“, teilt zudem die Pressestelle des Landkreises auf Nachfrage mit. Das bestätigen die Landesforsten; auch die Förster vor Ort verzeichneten eine zunehmende Zahl von Müllablagerungen im Wald.

Pressesprecher Städing weist auf ein weiteres Ärgernis hin: Neben der stellenweisen Überlastung von Waldgebieten seien aktuell auch übervolle Parkplätze und zugestellte Waldeingänge ein Problem. „Für Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr und für Rettungsfahrzeuge sind die Waldeingänge die Rettungsgassen in den Wald.

Die Zufahrten müssen in genügender Breite offen sein“, sagt er. „Für die verschlossenen Waldwegeschranken haben alle Einsatzfahrzeuge Schlüssel an Bord, aber wehe, es steht ein schlecht geparktes Auto davor.“

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Erstellt:
27. Mai 2020, 20:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 29sec

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