DLRG-Trainer Hannes Reichert
verfügt mittlerweile über eine
starke Leistungssportgruppe. Brosch

DLRG-Trainer Hannes Reichert verfügt mittlerweile über eine starke Leistungssportgruppe. Brosch

Nienburg 16.06.2017 Von Matthias Brosch

Wie die Strandretter in Australien

Rettungssport im Freigewässer: Die DLRG-Ortsgruppe Nienburg verfügt mittlerweile über eine Leistungsgruppe

Als die Hand an der Boje nach oben geht und hektisch winkt, stürmt eine junge Frau in die Brandung. Sie zieht sich dort blitzschnell noch die Flossen an, schwimmt mit einem Gurtretter zum Opfer und transportiert es zum Ufer des Badesees „Die Rolle“. Im hüfttiefen Wasser übernehmen zwei Helfer den Körper und schleppen ihn über die Ziellinie am Strand. Der Trainer schaut zufrieden der Übung für den „Rescue Tube Rescue“-Wettkampf zu, vergisst aber nicht den Hinweis: „Beim nächsten Mal packt ihr besser etwas höher zu, sonst reißt ihr zu sehr an den Armen.“ Der Rettungssport im Freigewässer gewinnt bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft immer mehr an Popularität – auch in Nienburg sind bei der DLRG-Ortsgruppe seit den Anfängen vor gut zwei Jahren immer mehr Interessierte zusammengekommen, die auf Landesebene wie berichtet erste Erfolge einfahren konnten.

130 Termine, 1700 Trainingsstunden

„Die Freigewässerdisziplinen kommen ursprünglich aus der australischen Strandrettung und sind in Deutschland, in dem der Fokus der Rettungssportler traditionell auf den Pool-Disziplinen liegt, noch recht neu“, sagt Hannes Reichert, der die Leistungssportgruppe des DLRG Nienburg zusammen mit der früheren Ortsjugendvorsitzenden Sari-Angès Sieg ins Leben gerufen hatte. Aktuell wird der 26-jährige Trainer von Sebastian Knust beim umfangreichen wöchentlichen Übungsprogramm unterstützt. Zusätzlich den Terminen an der „Rolle“ stehen ebenfalls Einheiten im Ganzjahresbad „Wesavi“ an, neben dem Freigewässer wird auch etwas für die sogenannten Pool-Disziplinen getan. Seit Jahresanfang gab es 130 Termine mit 1700 Trainingsstunden, wie aus Reicherts Statistik hervorgeht. Gut 20 Mädchen und Jungen im Alter zwischen 15 und 21 Jahren haben bereits ein starkes Niveau erreicht, Laurin und Elias Rösemeier gehören etwa dem Landeskader an.

Für den Rettungssport im Freigewässer reicht es nicht aus, ein guter Schwimmer zu sein. Schließlich verlangen die Mannschafts-Disziplinen auch Teamwork und Koordination, wenn es zum Beispiel darum geht, gemeinsam auf einem Rettungsbrett voranzukommen. Als Einzelstarter muss ebenfalls getaucht werden, und der Umgang mit Flossen erfordert Übung. Außerdem muss eine gewisse „Härte“ mitgebracht werden, denn Neoprenanzüge gegen Kälte sind nur bei Wassertemperaturen unter 16 Grad Celsius erlaubt. Beim Training im Badesee wird aber eine Ausnahme gemacht, da die Zeiten im kühlen Nass und am windigen Strand länger sind.

Was jetzt noch fehlt, ist ein Rettungskajak

Wer in der Rettungssport-Leistungsgruppe ist, gehört nicht automatisch zu den DLRG-Einsatzkräften. „Wir hoffen aber natürlich, dass wir als Organisation für junge Menschen durch dieses Angebot an Attraktivität gewinnen und auch dafür begeistern können“, sagt Reichert, der selbst unter anderem Rettungstaucher ist. Für das Jahr 2018 ist die erstmalige Teilnahme an der „DLRG Trophy“ vorgesehen – aufgrund der langen Anfahrtswege ist sie zwar kostspielig, aber die Gruppe freut sich schon auf die Wettkämpfe. Apropos Kosten: Die Ausstattung mit Boards (an ein Rettungsbrett orientiertes Sportgerät) ist zuletzt – auch dank der großzügigen Spende der Sparkasse – immer besser geworden. Was jetzt noch fehlt, ist ein Rettungskajak („Ski“).

Internet: nienburg.dlrg.de

Rettungssport im Freigewässer gewinnt an Popularität: Jan Schmimansky (links) und Lasse Rehren ziehen Niklas Beke-Bramkamp aus dem Wasser der Nienburger „Rolle“,
zuvor hatte Elias Rösemeier das Wettkampf-Opfer an den Strand transportiert. Brosch

Rettungssport im Freigewässer gewinnt an Popularität: Jan Schmimansky (links) und Lasse Rehren ziehen Niklas Beke-Bramkamp aus dem Wasser der Nienburger „Rolle“, zuvor hatte Elias Rösemeier das Wettkampf-Opfer an den Strand transportiert. Brosch

Paula Ebner und ihre Mitstreiterinnen trainieren wöchtlich intensiv
für die Rettungsbrett-Rennen. Brosch

Paula Ebner und ihre Mitstreiterinnen trainieren wöchtlich intensiv für die Rettungsbrett-Rennen. Brosch

Elias Rösemeier und Jan Schmimansky (vorn von links) im Duell mit Nick Nolte und Michael Schulz.  Brosch

Elias Rösemeier und Jan Schmimansky (vorn von links) im Duell mit Nick Nolte und Michael Schulz. Brosch

Zum Artikel

Erstellt:
16. Juni 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 31sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.