Der Syrische Journalist Ahmed Al Kamiran möchte sensibilisieren und informieren.

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Nienburg 17.09.2016

„Wie ein (böser) Traum“

2. Teil der Serie mit Ahmed Al Kamiran im Rahmen des CJD-Projekts „Willkommen in Nienburg“

Von Ahmed Al Kamiran

Meine Familie kam nach ihrem dreitägigen Aufenthalt in Griechenland am frühen Morgen des 7. Dezember 2015 an der mazedonischen Grenze an. Hunderte von Menschen aus verschiedenen Nationalitäten waren in behelfsmäßigen Zelten untergebracht. Die mazedonischen Grenzbeamten durften nur Menschen mit Papieren durchlassen. Wer seine Identität nicht beweisen konnte, wurde an der Grenze festgehalten. Ihm wurde die Weiterreise verweigert. Es kam zu Streitigkeiten.

Inmitten des Tumultes mussten die Menschen sechs Stunden warten. Es gab Verletzte, und die Kinder schrien vor Hunger und Schmerz. Meine kleine Tochter fing immer an zu schreien, wenn sie einen Uniformierten sah, bis die Mutter sie in ihren Armen beruhigte.

Meine Familie kam nach 1 ½ Stunden Fußmarsch nach Mazedonien, ein Zelt des Roten Kreuzes diente der Erstversorgung und Registrierung der Menschen. Dann warteten wir in einer Schlange auf den Zug in Richtung Serbien. Der Zug brachte uns zum letzten Grenzpunkt in Mazedonien, wo sie abermals vom Roten Kreuz und anderen humanitären Organisationen aufgenommen und mit Nahrungsmitteln und Getränken versorgt wurden. Es war spät abends und bitterkalt.

Mitten in der Nacht lief ich mit meiner Familie und viele andere mit uns drei Kilometer zu Fuß zur nächsten Beförderungsmöglichkeit an der serbischen Grenze. Dort warteten Busse auf uns, Papiere wurden kontrolliert und serbische Dokumente wurden ausgehändigt.

In Kroatien angekommen, fuhr die Familie mit dem Zug nach Slowenien, Busse brachten uns zur nächsten Zugverbindung in Slowenien. Jetzt ging es problemlos mit dem Zug weiter nach Österreich. Das Schlimmste war überstanden, wir waren in Passau in Sicherheit und unserem Ziel, einen sicheren Platz zum Leben zu finden, ein Stück näher gekommen. Hier wurden unsere Fingerabdrücke genommen und die Papiere kontrolliert.

Die Polizei in Passau teilte die Menschen in Gruppen ein und ganz zufällig wurden wir in den Norden Deutschlands nach Friedland transportiert. Nach der Ankunft in Friedland und einer erneuten Kontrolle ging es weiter nach Uslar in der Nähe von Northeim, einer Sammelstelle für Flüchtlinge. Dort lebten wir sechs Monate lang mit etwa 200 andern Flüchtlingen in einem ehemaligen Krankenhaus, bis die endgültige Verteilung stattfand und die Familie im Landkreis Nienburg untergebracht wurde, um ein neues Leben zu beginnen.

„Die Reise war wie ein Traum. Voller Gefahren und Angst vor dem Unbekannten auf der einen Seite. Andererseits eine Reise der Erlösung von der Tragödie und Zerstörung im eigenen Land hin zur Sicherheit in einem Land, wo den Menschen Respekt und Achtung entgegengebracht wird. Unabhängig von Religionszugehörigkeit und ethnischer Herkunft.

Die Serie mit Ahmed Al Kamiran ist Bestandteil des CJD-Projektes „Willkommen in Nienburg“, das vom Bundesamt für Migration gefördert wird. Vom Arabischen ins Deutsche übersetzt werden die Texte von Samir Elladawi, gegengelesen werden beide Versionen außerdem von Rathaus-Mitarbeiterin Inchirah Ismail-El Kabbout. Informationen zu dem CJD-Projekt gibt es bei Heike Schepp unter der E-Mail-Adresse heike.schepp@cjd.de.

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Erstellt:
17. September 2016, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 30sec

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