Wie geht es mit den radioaktiven Abfällen im Lager Leese weiter? Symbolfoto: vchalup - stock.adobe.com

Wie geht es mit den radioaktiven Abfällen im Lager Leese weiter? Symbolfoto: vchalup - stock.adobe.com

Leese 05.07.2020 Von Die Harke

Wie geht es mit radioaktiven Abfällen weiter?

Landtags-Grüne kritisieren Verzögerungen bei Fass-Auslagerungen aus der Sammelstelle Leese

„Die Auslagerung der Alt-Fässer mit radioaktiven Abfällen aus dem Lager Leese ist mittlerweile über ein Jahr verzögert. Mitte 2019 sollte die Nachbehandlung und Umverpackung der Abfälle beginnen, so hatte es Umweltminister Olaf Lies vor zwei Jahren angekündigt“, heißt es in einer Mitteilung des Grünen-Landtagsabgeordneten Helge Limburg.

Er und seine Kollegin Miriam Staudte wollen nun mit einer Landtagsanfrage erfahren, warum der Abtransport der 1484 Fässer der ehemaligen Landessammelstelle Steyerberg stockt, und wie genau die Auslagerung aus der beengten Lagerhalle erfolgen soll. Limburg zeigt sich irritiert von den Erklärungen des niedersächsischen Umweltministeriums: „Corona kann nicht der wesentliche Grund sein, warum es mit dem Abtransport der Fässer nicht vorangeht. Im Lager Leese besteht dringender Handlungsbedarf, doch seit zwei Jahren ist das SPD-geführte Umweltministerium nicht in der Lage, ein konkretes Konzept für die Auslagerung und die Nachbehandlung der Fässer vorzulegen.“

Die Zwischenlagerung in Leese entspricht nach Limburgs Einschätzung nicht den heutigen Sicherheitsanforderungen: Die Fässer würden so eng gelagert, dass eine Sichtkontrolle kaum möglich sei. Mehrere Fässer hätten Roststellen oder geblähte Deckel. Unklar sei bislang auch, ob diese Problemfässer bevorzugt geborgen werden sollen.

Staudte will vor allem wissen, wo die Atomabfälle aus Leese nach der sogenannten Nachqualifizierung gelagert werden sollen: „Es fehlt ein Konzept für einen sicheren Umgang mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen in Niedersachsen. Die Lagerbedingungen in Leese sind völlig ungenügend. Die Atomaufsicht räumt ein, dass die Abfallbehältnisse möglichst nicht nach Leese zurück sollen. Aber einen Plan B kann das Land nicht vorweisen.

Corona kann nicht der wesentliche Grund sein, warum es mit dem Abtransport der Fässer nicht vorangeht. Im Lager Leese besteht dringender Handlungsbedarf, doch seit zwei Jahren ist das SPD-geführte Umweltministerium nicht in der Lage, ein konkretes Konzept für die Auslagerung und die Nachbehandlung der Fässer vorzulegen.

Helge Limburg, Landtagsabgeordneter (Die Grünen)

Zuletzt hat Umweltminister Lies auf das geplante Zwischenlager Würgassen verwiesen, das in NRW unmittelbar an der niedersächsischen Landesgrenze geplant ist. Doch dort regt sich erheblicher Widerstand, weil die Standortauswahl mit fragwürdigen Kriterien begründet wird. Außerdem soll dort nur ein Bereitstellungslager eingerichtet werden, das Abfälle nur kurzfristig bis zur Verschickung in das Endlager aufnimmt. Vor einem Endlager wird ein Bereitstellungslager den Betrieb nicht aufnehmen. Das Ganze ist also Augenwischerei.“

Die Leese-Fässer sollen nach der Neukonditionierung in Endlager-Container eingestellt werden, wodurch die Abfälle dann mehr Platz benötigen. Doch Platz sei Mangelware im Lager in Leese, und der Pachtvertrag für die Lagerhallen sei ohnehin bis zum Jahr 2030 befristet, heißt es.

Das Land habe zudem eingeräumt, dass neben den 1484 Steyerberg-Fässern auch die 3400 Fässer aus Beständen der Nuklear-Firma GE behandlungsbedürftig sind. Denn auch diese Fässer seien für eine sichere Zwischenlagerung ungeeignet. Ein Konzept oder Zeitplan für den Umgang mit den GE-Fässern sei bislang nicht vorgelegt worden, erklären die Grünen-Abgeordneten abschließend.

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Erstellt:
5. Juli 2020, 19:45 Uhr
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