Wiedensahl im Markt-Fieber

Wiedensahl im Markt-Fieber

Die Arbeitsgemeinschaft Martinimarkt gestaltete die „Plattenkiste“ bei NDR 1 Niedersachsen: Ralph Dunger, Moderatorin Martina Gilica, Ernst-Heinrich Pöhler und Arend Oetker (von links).Foto: NDR 1 Niedersachsen

Es ist ein Markt, der im weiten Umkreis seinesgleichen sucht und der Jahr für Jahr Tausende Besucher ins kleine Dörfchen Wiedensahl zieht: der Martinimarkt, der stets am am zweiten Donnerstag im November stattfindet. Am 14. November ist es wieder soweit.

Nach Angaben der Veranstalter haben sich etwa 350 Aussteller angemeldet, die rechts und links der lang gezogenen Dorfstraße ein reichhaltiges Angebot an Waren, Getränken und Imbissständen anbieten. Schon Anfang der Woche startet der Aufbau für den Donnerstag. Auf dem Markt findet man alles, was von einem guten Krammarkt erwartet wird: weniger Fahrgeschäfte, dafür um so mehr Nützliches von der Gartenschere bis zum Schlüpfergummi. Die Aussteller kommen aus dem ganzen Bundesgebiet. Im Jahr 1824 erhielt Wiedensahl das Marktrecht. Bis zum heutigen Tage hält der Flecken Wiedensahl hieraus ein traditionelles Fest aufrecht. Die Wilhelm-Busch-Gemeinde bezeichnet ihren Markt als „größten Ein-Tages-Markt Norddeutschland“, denn: „Bei gutem Wetter treffen sich bis zu 30000 Besucher auf der 1,6 Kilometer langen Marktmeile“, weiß die Arbeitsgemeinschaft Martinimarkt Wiedensahl.

Deren Vertreter Ralph Dunger, Ernst-Heinrich Pöhler und Arend Oetker rührten jüngst kräftig die Werbetrommel für die Großveranstaltung: Sie gestalteten die Radiosendung „Plattenkiste“ bei NDR 1 Niedersachsen. „Seit 187 Jahren treffen sich auf dem Martinimarkt Freunde und Ortsansässige, Fremde und Zugereiste aus dem gesamten Umfeld – aus dem Westfälischen wie auch aus Hannover reisen die Gäste gern immer wieder an“, betonten die Männer.

Man werde mit der Tradition groß, sagte Oetker. Er sei vom Gemeinderat in den Ausschuss „gedrängt“ worden, schmunzelte Pöhler. In dem Gremium sei bereits sein Großvater vertreten gewesen. Dunger freut sich auf den für Wiedensahl so besonderen Tag. Er ist seit drei Jahren im Gemeinderat und als Gemeindedirektor immer wieder gern dabei. Ehrenamtlich werde viel auf die Beine gestellt, lobte er. Er schätze die Tradition und sehe es als Ehre an, in der Arbeitsgemeinschaft dabei zu sein.

Alle im Ort wüssten, wie wichtig der Martinimarkt für das Dorf sei – „auch wenn sie ihre Hauptstraße deshalb eine Woche nicht benutzen können und das eigene Haus allenfalls von hinten angefahren werden kann“. Die Begeisterung aber überwiege. Das Verhältnis mit den Ausstellern sei herzlich, Wasser und Strom würden bereitwillig zur Verfügung gestellt.

Der Martinimarkt erfordere eine logistische Meisterleistung, so würden allein 280 Verkehrsschilder extra für diesen Tag und nach genauem Plan aufgestellt. Und unmittelbar nach Marktschluss werde in Windeseile wieder aufgeräumt. „Freitag um 12 Uhr merkt keiner mehr, dass am Vortag Markt war“, beteuerte die Arbeitsgemeinschaft.

Leichte Probleme gebe es, weil alte Schaustellerfamilien inzwischen schon in dieser Zeit Weihnachtsmärkte bestücken müssen. „Sechs Wochen lohnen mehr als der eine Tag, und Weihnachtsmärkte beginnen immer früher“, bedauerte Oetker. Er sähe es lieber, wenn die Weihnachtsmärkte traditionell erst nach dem Totensonntag beginnen würden. Der Martinimarkt in Wiedensahl sei früher übrigens sogar Heiratsmarkt gewesen und ein bisschen bis heute geblieben, schmunzelte Ralph Dunger – aber nur noch ein kleines bisschen. Denn längst sei es nur noch Neckerei, wenn Eltern in den Nachbardörfern zu ihren erwachsenen Kindern sagen, sie sollten doch mal über den Martinimarkt schlendern, ob sie da nicht „das Passende“ für eine Ehe finden.