Neues Zuhause für die Wildbiene: Dieses Foto entstand im Juli auf der Blühfläche zwischen Stolzenau und Schinna neben dem jüdischen Friedhof. Maschinenring

Neues Zuhause für die Wildbiene: Dieses Foto entstand im Juli auf der Blühfläche zwischen Stolzenau und Schinna neben dem jüdischen Friedhof. Maschinenring

Stolzenau 26.09.2019 Von Die Harke

Wildbienen langfristig ansiedeln

Maschinenring Mittelweser schiebt nachhaltiges Projekt an: „Lebensraum für mehrere Generationen schaffen“

Nachhaltig und langjährig sollen sie sein: Der Maschinenring Mittelweser hat zwei Blühflächen speziell für Wildbienen und andere Insekten angelegt. „Mehrere Generationen an Insekten sollen von der Anlage profitieren. Erste Ergebnisse können sich sehen lassen. Eine ganze Bandbreite von Wildbienen, Insekten, Schmetterlingen und Käfern hat sich auf der Fläche bereits angesiedelt“, teilt Tim Ibold, Geschäftsführer des Maschinenrings in Stolzenau, mit. Die Idee entstand bei einer Mitgliederversammlung während eines Vortrags zum Zustand des Bienenaufkommens. Schnell war man sich im Maschinenring Mittelweser einig: Hier muss etwas getan werden, und zwar nachhaltig, nicht nur für ein Jahr. „Uns geht es in erster Linie um die Wildbienen und darum, ihnen Lebensraum für mehrere Generationen zu schaffen“, erklärt Ibold. „Wir denken nicht nur an ein Jahr. Unser Projekt ist nachhaltig und auf drei bis fünf Jahre angelegt“.

Dafür wurden in diesem Jahr erstmalig zwei Flächen von jeweils einem halben Hektar mit einer Blumenmischung, bestehend aus 41 verschiedenen Pflanzen, angelegt. Eine befindet sich neben dem jüdischen Friedhof zwischen Stolzenau und Schinna, die andere zwischen Anemolter und Wellie an der Landesstraße 351. Sonnenblumen sind genauso zu finden wie Phacelia, Gemeine Schafgarbe, Ringelblumen, Wilde Möhre oder die Wiesenflockenblume. Allerdings hat die Trockenheit auch hier ihre Spuren hinterlassen: Nicht alle Pflanzen sind aufgegangen. Klatschmohn ist wenig aufgetreten. Auch die Königskerze war nicht sehr oft zu sehen. Manche Pflanzen aus dieser speziellen Blumenmischung gehen auch erst im nächsten Frühjahr auf. Die Mischung ist so zusammengestellt, dass den Bienen und übrigen Insekten Pollen und Nektar während der gesamten Saison zur Verfügung stehen.

Wildbienen sind zu 75 Prozent Bodenbrüter, und nur die Nachkommen überwintern und schlüpfen im kommenden Jahr. Überwintern können sie in der Erde und in den Pflanzenrückständen der Fläche. „Der nächsten Generation an Insekten steht auf den Flächen gleich wieder die notwendige Nahrung zur Verfügung. Die Bestäuber bleiben in der Region“, davon geht Ibold aus. Wildbienen sind die wichtigsten Bestäuber für Nutzpflanzen und Wildpflanzen. Allein in Niedersachsen kommen 341 verschiedene Wildbienenarten vor, die es zu schützen gilt. Zu den Wildbienen gehören auch die Hummeln.

Die Flächen haben zwei Mitgliedslandwirte zur Verfügung gestellt. Sie nehmen an dem Projekt, das Ibold unter die Überschrift „Von der Landwirtschaft für die Natur“ gestellt hat, teil. „Mittlerweile konnten wir 21 Mitglieder für diese Idee gewinnen“, berichtet der Geschäftsführer. Mit einem Betrag von 35 Euro im Jahr sind diese Mitglieder des Maschinenrings Mittelweser dabei und unterstützen damit die notwendigen Arbeiten. Nichtmitgliedern, die sich ebenfalls engagieren wollen, bietet der Maschinenring eine Fördermitgliedschaft auf Basis eines geringen Mitgliedsbeitrags an.

Geld verdiene der Maschinenring mit diesem Projekt nicht, betont Ibold. Für die Umsetzung der Idee sei er in die finanzielle Vorleistung gegangen. Die Beiträge der Mitglieder flössen zu 100 Prozent in das Projekt. Fördergelder von offiziellen Stellen oder Naturschutzverbänden seien nicht beantragt worden. „Das war allein unsere Idee, und wir wollen zeigen, dass Landwirtschaft neben anderen wichtigen Aufgaben auch hier etwas für die Natur tut“, sagt Ibold.

Was ihm wichtig ist: „Es versteht sich von selbst, dass die Blühflächen keine Einladung zum Blumenpflücken sind. Die Pflanzen sind für die Insekten da!“ Es sei denkbar, weitere Blühflächen im Ringgebiet zu etablieren. Ferner sei auch ein Vertrieb der Saatgutmischung über den Maschinenring vorstellbar.

Maschinenring

Ein Maschinenring ist eine Selbsthilfeorganisation für Landwirte, die in der Rechtsform eines Vereins geführt wird. Neben der klassischen Vermittlung von Maschinen beschäftigt sich der Maschinenring in Stolzenau unter anderem mit der Ermittlung und Dokumentation von Nährstoffen, dem Vertrieb von Strom und Gas, aber auch mit kommunalen Aufgaben wie Friedhofsarbeiten oder Grünflächenpflege. 280 Mitglieder kommen aus einem Umkreis von bis zu 45 Kilometern um Stolzenau. Geschäftsführer ist Tim Ibold.

Tim Ibold. Maschinenring

Tim Ibold. Maschinenring

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Erstellt:
26. September 2019, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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