Beim „Frühlingsdialog“ im Quaet-Faslem-Haus in Nienburg ging es um die Kinderbetreuung. Verbund Wirschaft und Familie

Beim „Frühlingsdialog“ im Quaet-Faslem-Haus in Nienburg ging es um die Kinderbetreuung. Verbund Wirschaft und Familie

Landkreis 06.06.2019 Von Die Harke

„Wir arbeiten an einer Verbesserung“

Beim Verbund „Wirtschaft und Familie“ räumt der Kreisjugendamtsleiter Defizite bei der Kinderbetreuung ein

Für Mitglieder und geladenen Gäste des Verbundes „Wirtschaft und Familie“ stand beim „Frühlingsdialog“ im Quaet-Faslem-Haus die betriebliche Kinderbetreuung im Mittelpunkt. Neben einem Vortrag von Claudia Brandt von der „pme Familienservice GmbH“ in Hannover hatte der Verbund zur Podiumsdiskussion eingeladen. Hier ergänzten die regionalen Akteure die Vortragsreferentin. Für den Landkreis nahmen Horst Barthel, Fachbereichsleiter Jugend, und Annika Friedel, Fachdienst frühkindliche Bildung, teil. Vervollständigt wurde die Runde der Podiumsmitglieder von Ulrike Röhrs, die Leiterin des „Vereins zur Pflege“ aus dem Nachbarlandkreis Heidekreis ist. Sie berichtete aus der Praxis einer betrieblichen Kindertagespflege.

Es gehe darum, sich von anderen Arbeitgebern abzuheben und das nicht nur durch hohe Löhne, sondern durch Familienfreundlichkeit, machte Johanna Beckurts-Othmar als Vorstandsmitglied des Verbundes „Wirtschaft und Familie“ deutlich. Für 90 Prozent der 25- bis 39-jährigen Beschäftigen sei Familienfreundlichkeit ebenso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger als das Gehalt. Zudem kehrten Frauen heute früher in die Arbeitswelt zurück und junge Väter wünschten sich mehr Familienzeit. Diese Situation erfordere mehr Flexibilität von Arbeitgebern und Unterstützungsmöglichkeiten beim Thema Kinderbetreuung.

Den gestiegenen Bedarf unterstrich der CDU-Bundestagsabgeordnete Maik Beermann. An die Zuhörer richtete er den Appell, es sei zu vermeiden, dass gut ausgebildete Fachkräfte dem Arbeitsmarkt wegen mangelnder Vereinbarkeit nicht zur Verfügung stünden. Beermann: „Ein Platz den es nicht gibt, kann auch nicht beitragsfrei werden.“ Von den 5,5 Milliarden Euro Unterstützung des Bundes für die Kinderbetreuung solle Niedersachsen bis 2022 etwa 526 Millionen Euro erhalten. Geplant sei die Verbesserung der Betreuungsqualität. Es bleibe abzuwarten, wie die Gelder in den einzelnen Kommunen verwendet werden.

Claudia Brandt grenzte die Regelbetreuung von der punktuellen und flexiblen Betreuung ab. Die betriebliche Kinderbetreuung sei die bekannteste. Es bedürfe aber einer genauen Betrachtung der betrieblichen Situation. Auch kleinere Unternehmen könnten im Verbund mit anderen Arbeitgebern über Angebote nachdenken. Eine mehr als 25-prozentige Steigerung der Arbeitgeberattraktivität zeige auf, dass es sich lohne, Angebote zu entwickeln, wenn es um die Qualität bei Bewerbungen für wichtige Stellen in Unternehmen mit einer familienbewussten Personalstrategie gehe.

Wie eine Umsetzung in der Praxis aussehen könnte, zeigte Ulrike Röhrs vom „Verein zur Pflege“ auf. „Wir waren gezwungen, auf den Fachkräftemangel in der Pflege im ländlichen Raum zu reagieren und neue Wege zu gehen“, sagte sie. Neben einer Leiterin der Kindertagespflege wurden zwei Mitarbeiterinnen für die Kinderbetreuung qualifiziert. Röhrs machte deutlich, dass die Finanzierung eine Herausforderung sei. Sie erhalte vom Landkreis 4,10 Euro pro Kind und Betreuungsstunde und bräuchte zur Deckung der Kosten mindestens zwei Euro mehr. Auf der anderen Seite werde sie von examinierten Pflegekräften nach einem Arbeitsplatz und der Kinderbetreuungsmöglichkeit angesprochen.

Dieses mache die Vorteile einer eigenen Betreuungslösung deutlich. Beim Blick auf die Zahl der Betreuungsplätze machte Fachbereichsleiter Barthel keinen Hehl aus der derzeitigen defizitären Betreuungsquote der unter Dreijährigen. Der Bedarf läge bei bis zu 90 Prozent und der erwartete bei 35 Prozent. „Ja, wir haben Defizite und arbeiten an der Verbesserung der Situation“, sagte er. Er sagte, das an der Verdener Straße in Nienburg in naher Zukunft Betreuungsplätze entstehen werden.

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Erstellt:
6. Juni 2019, 12:18 Uhr
Lesedauer:
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