Ab Morgen sind Mundschutze im Handel, Bussen und Bahnen zu tragen. Foto: Pixabay

Ab Morgen sind Mundschutze im Handel, Bussen und Bahnen zu tragen. Foto: Pixabay

Nienburg 26.04.2020 Von Edda Hagebölling

„Wir haben Sie vermisst“

„Wir haben Sie vermisst!“ Die Botschaft in einem Schaufenster gleich zu Beginn der Langen Straße war eindeutig. Und beruhte auf Gegenseitigkeit, wie eine Kundin versicherte, die gerade aus dem Geschäft herauskam.

Die Anzahl der Menschen, die am Tag 1 nach dem Lockdown in Nienburgs Innenstadt unterwegs waren, war überschaubar. Bis auf die großen Ketten waren so gut wie alle Geschäfte geöffnet. Viele Passanten führte der erste Weg in die Apotheke. Mundschutzmasken kaufen.

Nienburg-Service-Chef Jörg Kolossa ging mit gemischten Gefühlen durch die Stadt. Er und seine Mitarbeiterinnen hatten das Modehaus am Ende der Georgstraße übers Wochenende so umgestaltet, dass er öffnen durfte. Sein Online-Verkauf hatte ihn in den vergangenen Wochen vor dem Totalausfall bewahrt.

Landrat Detlef Kohlmeier hatte an diesem Morgen nicht an der täglichen Sitzung des Corona-Stabs teilgenommen. Die Telefone im Kreishaus standen nicht still. Wie ist das gedacht mit den 800 Quadratmetern? Und mit der Ausweitung der Notgruppen? Und mit der teilweisen Öffnung der Schulen? Und was ist mit den Tagesmüttern? Fragen über Fragen aus allen Teilen der Bevölkerung.

Erichshagens Ortsbürgermeister Tim Hauschildt war auf dem Rückweg zu seinem Arbeitsplatz. Als Chef der Bürgerkompanie hatte er gerade die Mail rumgeschickt, dass das Schützenfest in Erichshagen-Wölpe in diesem Jahr ausfallen muss. Eine Entscheidung, die ihm super schwergefallen ist.

Bei der Arbeit anzutreffen war Wolf-Timon Treu. Er legte zusammen mit seinen Mitarbeitern gerade einen der drei Themengärten an. Sind es womöglich diese kleinen Schätze, die wir künftig viel bewusster wahrnehmen? Ernüchternd dagegen der nahezu fertiggestellte Umbau von Thurau-Moden in der Georgstraße. Eigentlich soll dort in Kürze ein Reisebüro eröffnen. Oje. Ein paar Meter weiter Menschen, die geduldig darauf warteten, ein Stück Pizza oder ein Fischbrötchen kaufen zu können. „Bitte nur zwei Kunden gleichzeitig“, war im Schaufenster zu lesen. Kein Problem. Wer draußen stand, wartete einfach, bis wieder jemand herauskam. Auf dem Rückweg zum Auto noch schnell ne Kugel Eis. Aber nur im Becher. Wegen der Schleckverordnung.

Dass wir ab morgen einen Mundschutz tragen, wenn wir ein Geschäft betreten, ist Ehrensache. Zum Schutz von Mitarbeitern und Kunden, aber auch, um dazu beizutragen, dass all die uns lieb gewordenen Geschäfte die Pandemie überstehen.

Zum Artikel

Erstellt:
26. April 2020, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 08sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.