Die Eltern und Lehrkräfte im Publikum wurden vom Hamburger Referenten mit „Denkaufgaben“ jederzeit direkt eingebunden. Gaede

Die Eltern und Lehrkräfte im Publikum wurden vom Hamburger Referenten mit „Denkaufgaben“ jederzeit direkt eingebunden. Gaede

Heemsen 01.10.2017 Von Die Harke

„Wir können nicht nicht denken“

Vortrag zum Thema „Das Lernen lernen“ vom Hamburger Pädagogen in der Grund- und Oberschule Heemsen

„Das Lernen lernen“ – zu diesem Thema referierte der Diplom-Pädagoge und Lerncoach Andreas Hensing kürzlich an einem Abend in Heemsen in der Grund- und [DATENBANK=1233]Oberschule[/DATENBANK] (GOBS). Auch die Nachbargrundschulen aus Haßbergen und Drakenburg waren eingeladen. Das hat Kirsten Gaede, die den Vortrag in die Samtgemeinde holte, mitgeteilt. Die Eltern und Lehrkräfte erlebten nach ihrer Einschätzung einen spannenden, humorvollen und praxisnahen Vortrag zu aktuellen Erkenntnissen der Lernforschung. „Grundsätzliche Lerntechniken und verschiedene Lerntypen bildeten den Schwerpunkt des zweistündigen Auftritts“, schreibt Gaede.

Der Hamburger Referent gestaltete seinen Vortrag in ständiger Interaktion zum Publikum, so ließ er die Zuhörerschaft mit Fäusten ein Gehirn nachbilden und veranschaulichte damit, dass jeder Mensch über zwei Gehirnhälften verfügt. Die rechte Hälfte nehme insbesondere alles Emotionale und Kreative, alles Visuelle und Auditive wahr. Die linke Hälfte beschäftigte sich mehr mit dem real Fassbaren, mit Logik und Kommunikation.

Ein Blick ins Kinderzimmer könne schnell verraten, welche Gehirnhälfte das eigene Kind mehr benutzt: Herrscht Ordnung, dominiere die linke Gehirnhälfte. Das Motto „Das Genie überblickt das Chaos“ spreche für eine Dominanz der rechten Gehirnhälfte.

„Wir können nicht nicht denken. Denn sobald wir von irgendetwas eine Vorstellung haben, kommt automatisch ein Bild, ein Gefühl oder eine Erinnerung hoch“, habe Hensing ausgeführt. Und das sei wichtig, vor allem im Bereich der Motivation und der Kommunikation. Ein gut gemeinter Satz wie „Vor der Mathearbeit morgen brauchst du keine Angst zu haben!“ könne deshalb genau das Gegenteil hervorrufen: Mathearbeit – Angst! Falls man bei seinem Kind ein ganz bestimmtes Verhalten erreichen wolle, solle man das stets positiv formulieren.

Dass richtige Lernmethoden – verbunden mit einer gewissen Anstrengung – schnellere Lernerfolgserlebnisse und somit die Lernmotivation förderten, zeigte Hensing mit mehreren Experimenten auf. Beispielsweise können 20 geordnete Begriffe innerhalb von zwei Minuten wesentlich leichter gelernt werden, als wenn sie unsortiert seien.

Das Gedächtnis ist ein drei Teile gegliedert: Das Ultrakurzzeit-, das Kurzzeit- und das Langzeitgedächtnis: „Unser Gedächtnis arbeitet ökonomisch.“ Nur was dauerhaft abgefragt, also wiederholt werde, gehe ins Langzeitgedächtnis über. „Wer also lernt, ohne zu wiederholen, braucht gar nicht erst zu lernen“, betonte Hensing. Das gleiche gilt für eine Reizüberflutung nach dem Lernen durch Fernsehen und Computer.

Lernen mache nicht immer Spaß, das wusste auch der Lerncoach. Deshalb sei es wichtig, die richtige Lernmethode zu finden, zum Beispiel mit einem Karteikarten-System oder mit multimedialen Angeboten in Form von Lernvideos. Wichtig sei es auch, schulfreie Räume zu lassen.

„Der Schulalltag von Kindern und Eltern kann richtig entspannt sein. Viele Eltern müssen dafür nur etwas mehr über den Lerntyp ihres Kindes wissen, um die Betreuung danach auszurichten.“

Grundsätzlich könne man zwischen vier Lerntypen unterscheiden, wobei Mischformen die Regel sind:

  • Der logisch-abstrakte Lerntyp lerne logisch und strukturiert, habe eine schnelle Auffassungsgabe und sei sehr ehrgeizig. Frontalunterricht finde er klasse, Rollenspiele und Gruppenarbeit hingegen eher weniger.
  • Der emotionale Lerntyp zeichnet sich durch gefühlsmäßiges Herangehen an logische Sachverhalte aus, weshalb er häufig Probleme mit rein logischen Themen wie Grammatik oder Mathematik hat. Dieser Lerntyp bezieht seine Lernerfolge besonders durch Freude, Stolz und Lob.
  • Der sicherheitsliebende Lerntyp liebt klare Strukturen und zeigt sich gewissenhaft und ordentlich. Er ist eher still und nach innen gekehrt und neue Situationen sind schwierig für ihn.
  • Der kreativ-chaotische Lerntyp ist sehr fantasievoll und wenn er sich im Unterricht schon nicht für das Lernen entscheidet, dann will er wenigstens Spaß haben. Er lernt auf die letzte Minute und lediglich das Nötigste. Dieser Lerntyp benötigt eine Anleitung zum strukturierten Lernen.

„Spickzettel anzulegen seien bei allen Lerntypen sinnvoll, um Gelerntes zu strukturieren und den Blick auf die wichtigsten Aspekte zu legen. In Vorbereitung auf Klassenarbeiten könnten die Schüler durch wiederholendes Lernen mit dem Spicker Sicherheit gewinnen“, erfuhr das Publikum.

„Wie wichtig es ist, dass Kinder frühzeitig das Lernen lernen, ließ der Lerncoach zu jeder Zeit seines motivierenden Vortrages erkennen“, berichtet GOBS-Lehrerin Kirsten Gaede. Sein Tipp: „Helfen Sie Ihrem Kind, seine Stärken zu erkennen.“

Lerncoach Andreas Hensing aus Hamburg hielt in Heemsen einen motivierenden Vortrag. Gaede

Lerncoach Andreas Hensing aus Hamburg hielt in Heemsen einen motivierenden Vortrag. Gaede

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Erstellt:
1. Oktober 2017, 21:00 Uhr
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