Der Vorstand der türkisch-islamischen Gemeinde.

Der Vorstand der türkisch-islamischen Gemeinde.

22.02.2015

„Wir sind es einfach leid“

Pegida und IS-Terror: Die türkisch-islamische Gemeinde im HamS-Gespräch

Von Edda Hagebölling

Nienburg. „Wir fühlen uns fürchterlich. Und sind sehr verletzt. Außerdem sind wir es leid, immer wieder unter Generalverdacht gestellt zu werden. Und uns ständig rechtfertigen zu müssen.“ Ibrahim Bahar nimmt kein Blatt vor den Mund an diesem Freitagabend. Zusammen mit seiner Frau Nermin sowie mit Adem Özcan und Rasim Günes bildet er den Vorstand der türkisch-islamischen Gemeinde zu Nienburg. Die HamS hatte um dieses Gespräch gebeten. Sie wollte von Nermin Bahar und ihren Mitstreitern wissen: Wie geht es Ihnen in den Zeiten von Pegida und IS-Terror? Fühlen Sie sich in Nienburg überhaupt noch wohl? „Auch wenn unsere Wurzeln in der Türkei oder in Mazedonien liegen, sind wir Nienburger. Unser Bürgermeister ist Henning Onkes, Frau Merkel ist unsere Kanzlerin“, betont Adem Özcan, 1. Vorsitzender der 800 Mitglieder zählenden Gemeinde.

„Wir arbeiten hier, zahlen unsere Steuern, unsere Kinder gehen hier zur Schule oder studieren. Sie sind in der Jugendfeuerwehr oder gehen zum Schwimmen ins Wesavi“, fährt er fort. Aus diesem Grund kann er eigentlich auch das Wort Integration nicht mehr hören. „Was ist eigentlich Integration?“ gibt Nermin Bahar zu bedenken.

Die Sprache ist für den Vorstand der türkisch-islamischen Gemeinde und deren Familien offenbar ebenfalls kein Problem. „Unsere Kinder sind im Grunde Europäer. Sie sprechen natürlich Deutsch, aber in der Regel auch Englisch“, so Ibrahim Bahar. Das beste Beispiel ist Adem Özcans Tochter Ebru. Sie studiert im bayrischen Eichstätt, spricht vier Sprachen. Auch sie war an diesem Abend in den Gemeinderaum unterhalb der Moschee gekommen. In ihrer Freizeit betätigt sie sich als Moscheeführerin. Und lädt ebenso wie ihr Vater und die anderen Vorstandsmitglieder dazu ein, gerne einfach auf einen Tee vorbeizuschauen und sich ein Bild zu machen von der Moschee und dem Gemeinderaum. Beides wurde in den letzten Jahren aufwändig modernisiert. Ausschließlich aus Eigenmitteln und ausschließlich ehrenamtlich.

Zu einem Gespräch mit dem Imam trifft sich der Vorstand einmal im Monat. Einmal im Monat findet auch der Jugendtreff statt. „Sie sprechen über Gott und die Welt. Und auch über Jobsuche und andere akute Themen“, so Adem Özcan. Koranunterricht ist jeden Sonnabend. Die Frauen treffen sich immer freitags um 20 Uhr. Gemeinsam gefrühstückt wird jeden Sonnabend.

Eigentlich ist alles gut für Nermin Bahar und ihre Mitvorständler. Doch seit Islamisten und IS-Terror immer wieder in einen Topf geworfen werden, sind sie kurz davor, die Geduld zu verlieren. „Das sind Terroristen und Psychopathen, die in Paris und anderswo ihr Unwesen treiben. Mit dem Islam hat das rein gar nichts zu tun“, stellt Ibrahim Bahar klar. Gerne würde er auch die Boulevard-Medien verklagen, die in diesem Zusammenhang immer wieder den Begriff „Islamisten“ verwenden. Den Hinweis, dass es für solche Fälle den deutschen Presserat gibt, nimmt er gerne zur Kenntnis.

Wer Näheres über die türkisch-islamische Gemeinde erfahren oder sich gerne einmal die Moschee ansehen möchte, ist vielmals eingeladen, sich unter n.bahar1972@googlemail.com zu wenden.

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Erstellt:
22. Februar 2015, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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