Mit gesungenen Liedern wollten zwölf Frauen und Männer am Sonntag in Uchte zum Nachdenken über die aktuellen Beschränkungen wegen Corona anregen.  Foto: Graue

Mit gesungenen Liedern wollten zwölf Frauen und Männer am Sonntag in Uchte zum Nachdenken über die aktuellen Beschränkungen wegen Corona anregen. Foto: Graue

Uchte 04.05.2020 Von Jörn Graue

„Wir sind mündige Bürger“

Protestsingen in Uchte gegen Corona-Beschränkungen / Frage der Verhältnismäßigkeit

Zwölf Frauen und Männer haben am Sonntagnachmittag in Uchte ihren Unmut gegen die bestehenden Kontaktbeschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie bekundet. Dabei sangen sie an der Ecke Mühlenstraße/Zur Ihle Titel wie „Freiheit“ von Marius Müller-Westernhagen oder „Imagine“ von John Lennon.

Den Auftakt machte das deutsche Volkslied „Die Gedanken sind frei“ - und das zeigte sinnbildlich, worauf es den Singenden in diesen Tagen besonders ankommt: nämlich zu hinterfragen, wie verhältnismäßig geltende Kontaktbeschränkungen sind, wie über Covid 19 öffentlich debattiert wird und auch welche Rolle den Medien, allen voran dem Fernsehen, dabei zukommt.

„Keiner von uns leugnet die Gefährlichkeit des Virus Covid 19. Keiner von uns leugnet die Notwendigkeit des Shutdowns und für die Durchführung sind wir unserer Regierung dankbar“, sagt die Uchterin Christin Grobe im Gespräch mit der HARKE. Kritisch sieht sie etwa die Pflicht, beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln einen Mund-Nase-Schutz tragen zu müssen. „Dieser hätte zur Zeit des Lockdowns kommen müssen“, erklärt sie und erhält dafür die Zustimmung von den anderen Sängerinnen und Sängern, die im Halbkreis mit einem Abstand von jeweils zwei Metern zueinander stehen. „Eine Impfpflicht ohne eine abschließende Bewertung der Notwendigkeit und ohne Erkenntnisse über mögliche Nebenwirkungen erscheint willkürlich“, nimmt Grobe eine aktuelle Debatte in den Blick.

„Aus Gesprächen mit Patienten weiß ich, dass sich Menschen einsam und eingesperrt fühlen“, sagt Wolfgang Schütte, der in Uchte als Physiotherapeut arbeitet. „Viren sind immer gefährlich, das wissen wir“, betont er und spricht sich dafür aus, gefährdete Gruppen besonders zu schützen. „Wir müssen mit dem Virus leben“, sagt auch Physiotherapeutin Jacqueline Laufer. Im Jahr 2018 seien in Deutschland 25000 Menschen an der Influenza gestorben, wirft Daria Möhring ein.

„Wir haben in der Schule gelernt, dass wir kritisch hinterfragen müssen“, sagt die Warmserin. Gerade dies findet nach Auffassung der Frauen und Männer im Uchter Ortskern allerdings zu wenig bis gar nicht in medialen Berichterstattungen statt. Die Bevölkerung würde in Panik versetzt, so Möhring. „Es kommen nur bestimmte Experten zu Wort, die immer dasselbe runterbeten“, beklagt eine der Frauen. „Es fehlt an Sachlichkeit. Warum kommen nicht auch andere Wissenschaftler zu Wort?“, fragt Claudia Kauffeld. Die Gruppe führt dazu ein Dokument von 120 Expertenstimmen, das auf der Internetplattform „Blauer Bote“ zu finden ist, an.

„Die Verhältnismäßigkeit bei den Einschränkungen stimmt nicht. Wer von dem Recht auf Würde und Gesundheit spricht, darf nicht verkennen, dass Gesundheit und Wirtschaft einander bedingen. Zudem sind wir mündige Bürger und können abwägen“, betont Grobe. Aktuell fühle man sich bevormundet und gegängelt, heißt es aus der Runde. Nach Grobes Worten hätten sich die meisten der Sängerinnen und Sänger der Bewegung „Widerstand 2020“ angeschlossen, die nach drei Wochen rund 100.000 Mitglieder zähle und einen direktdemokratischen Ansatz verfolge.

Auch Grobe spricht sich in der aktuellen Situation für mehr Sachlichkeit aus: „Angst und Hysterie waren schon immer schlechte Begleiter. Vielleicht sollten wir über unseren Umgang mit der eigenen Vergänglichkeit und unseren Anspruch auf Sicherheit nachdenken. Risiken und Gefahren hat es schon immer gegeben. Es würde unserer Gesellschaft gut tun, darüber zu diskutieren, denn letztlich sind sie Teil des natürlichen Verlaufs.“

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Erstellt:
4. Mai 2020, 19:43 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 39sec

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