Die kurdische Übersetzung des Textes. CJD

Die kurdische Übersetzung des Textes. CJD

Nienburg/Stolzenau 14.04.2019 Von CJD

„Wir sprechen viel miteinander“

CJD-Projekt „Willkommen in Nienburg“ / Ute Müller vom Haus der Generationen im Gespräch

Das Haus der Generationen in Stolzenau steht im Mittelpunkt der heutigen Folge des CJD-Projekts „Willkommen in Nienburg. Das Gespräch mit Koordinatorin Ute Müller führte CJD-Mitarbeiterin Nurten Akan. Ute Müller berichtet: Wir sind eine Begegnungsstätte, die als Mehrgenerationenhaus seit 2005 öffentlich gefördert wird, und zwar vom Bundesfamilienministerium, dem Land Niedersachsen, dem Landkreis Nienburg und der Samtgemeinde Mittelweser. Im Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus fördert der Bund seit 2017 kommunale oder freie Träger dabei, ein Mehrgenerationenhaus (MGH) zu betreiben und dessen demografisches Profil entsprechend den lokalen Bedarfen zu schärfen.

Kleiderkammer bis 2020

Durch eine flexible und sozialraumorientierte Ausrichtung sollen die MGH gemeinsam mit den Kommunen den sozialen Zusammenhalt aller Bevölkerungsgruppen weiter stärken. Der Schwerpunkt unserer Einrichtung ist seit vielen Jahren die Gemeinwesen orientierte Arbeit mit Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte. Neu hinzugekommen ist seit Anfang des Jahres die Arbeit im EHAP (Europäischer Hilfsfond für die am stärksten benachteiligten Menschen)-Kooperationsverbund „BIBA Land“ (Beraten, Integrieren, Begleiten, Ankommen in der Mitte Niedersachsens), in dem es um die Beratung EU-Zugewanderter geht.

Wir haben bereits seit 2015, als die Zuwanderungszahlen anstiegen, für die Samtgemeinde Mittelweser die soziale Betreuung der Geflüchteten und die Koordination der Freiwilligen in diesem Bereich übernommen. Es wurde eine Kleiderkammer in Kooperation mit der Samtgemeinde eingerichtet, die auch noch bis März 2020 weiter bestehen wird. Wir kümmern uns für die Kinder um Hausaufgabenhilfe und Lernförderung, Beantragung von Mitteln aus dem Bildungs- und Teilhabepaket usw., was ohne unsere interkulturelle Vermittlung meist nicht möglich wäre. Für Erwachsene ermöglichen wir den Zugang zu Sprach- und beruflichen Orientierungskursen, Integrationsmaßnahmen und Arbeitsmöglichkeiten.

Deutschkurs für Frauen

Ab dem 24. Apirl soll übrigens wieder ein Basis-Sprachkurs für Frauen, diesmal mit Kinderbetreuung, im Haus der Generationen starten - Anmeldungen sind noch möglich. Unsere Angebote richten sich an alle Menschen, wir bieten viele verschiedene Projekte, oft und gerne in Kooperation mit anderen Institutionen im Bereich Begegnung, Beratung, Begleitung und Bildung an.

Menschen mit Migrationsgeschichte bringen sich mit ihren Fähigkeiten auch im Haus ein, sie unterstützen uns zum Beispiel bei der Hausaufgabenhilfe oder in der Sprachmittlung. Das halten wir für wichtig, denn jede*r braucht nicht nur Hilfe, sondern hat auch etwas zu geben. Menschen jeder Herkunft begegnen sich im Alltag und lernen voneinander, das halten wir für wichtiger als Einzelveranstaltungen mit „Eventcharakter“ - obwohl es die natürlich auch gibt: an jedem dritten Mittwoch im Monat interkulturelles Frauenfrühstück, im Frühjahr und im Herbst die Kochaktion „Toleranz im Topf“, am 28. Juni das diesjährige Sommerfest im Wip In, oder auch wie kürzlich im Kulturwerk der Frauen-Tanzabend „GrenzenLOS“.

Manchmal gibt‘s Konflikte

Natürlich gibt es auch manchmal Konflikte zwischen den Menschen, das ist normal. Im Großen und Ganzen geht es aber hier im Haus sehr friedlich zu, denn wir sprechen viel miteinander und unterstützen uns gegenseitig. Wir achten auf kultur- und geschlechtersensible Sprache und Verhalten sowie Austausch und Fortbildung für das Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen.

Auf Nurten Akans Frage nach Veränderungen in der Migrationsarbeit antwortet Ute Müller: Die Herausforderungen bei sinkenden Zuwanderungszahlen sind anders geworden, aber nicht geringer. Sie bestehen nun in der nachhaltigen Integration vor Ort und für uns als Mehrgenerationenhaus auch in der Gestaltung des demographischen Wandels (Menschen werden älter, weniger,...) und der Diversität (...vielfältiger) in einer strukturschwachen Region.

Alle Anträge bewilligt

Eine Problemlage ergibt sich durch die Rahmenbedingungen im ländlichen Raum, da die Erreichbarkeit von Behörden, Institutionen, Sprachlernangeboten, Ärzten, Arbeitsstellen usw. durch den eingeschränkten ÖPNV erschwert wird. Umso wichtiger ist das Mehrgenerationenhaus mit Offenem Treff und Beratungsstelle als Anlaufstelle. Besonderer Bedarf besteht unabhängig vom Aufenthaltsstatus der Familien in der Unterstützung beim Zugang zu Bildung und Teilhabe. Unser Ziel für dieses Jahr war die Weiterförderung in den verschiedenen Förderprogrammen sowie die Aufnahme in eine neues Programm: Alle unsere Anträge sind bewilligt worden, von daher sind wir sehr zufrieden. Wir setzen unsere Arbeit fort und hoffen, dass wir den Sozialraum damit ein bisschen lebenswerter gestalten können.

Das Begegnungscafé St. Martin findet am 16. April wegen der Ferien nicht statt, sondern das nächste Mal am Dienstag, 23. April, ab 16 Uhr im Gemeindehaus St. Martin.

Dieser Beitrag ist Bestandteil des CJD-Projekts „Willkommen in Nienburg“, das vom Bundesamt für Migration gefördert und von der HARKE am Sonntag begleitet wird.

Reichhaltig und lecker: Für das interkulturelle Frauen-Frühstück bringt jede Teilnehmerin etwas mit. CJD

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Erstellt:
14. April 2019, 06:11 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 13sec

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