Wir üben den Verzicht

Wir üben den Verzicht

Bier ohne Alkohol wird immer mehr zum Verkaufsschlager, doch weitere Monate ohne Mannschaftssport sind nur schwer vorstellbar. Foto: adobestock

Fußball und Bier – und der Tag gehört dir. Was gibt es Schöneres, als mit ein paar guten Freunden und einem kühlen Blonden die Bundesliga-Konferenz zu schauen – insbesondere, wenn man nicht im Stadion sitzen darf.

Das Hopfengetränk ist dabei elementar, gehört einfach dazu, rundet das Ballspiel vollends ab. Dieses Prickelnde, dieses Herbe, es darf auf keiner Feier fehlen. Hopfen, Weizen, Malz, Hefe und Wasser – natureller geht es kaum. Seit Tausenden Jahren hat es der Mensch variiert, perfektioniert und immer wieder neu erfunden.

Aber das hatte lange einen Haken: Schließlich kann man sich mit Bier auch ziemlich übel betrinken. Der Alkohol im schäumenden Nass ist wie die Dornen an einer Rose; sie flüstern einem poetisch zu, dass auch alles Schöne im Leben wehtun kann. Und wer schon einmal ein Bier über den Durst getrunken, weiß, was ich damit meine.

Doch der Mensch weist die Natur inzwischen in seine Grenzen. Alkoholfreies Bier wird von Jahr zu Jahr mehr gebraut und gekauft. Die Genießer wollen nicht hinnehmen, dass der Spaß seinen Preis haben soll, sie wollen keine Kopfschmerzen am nächsten Morgen. Damit liegt die Bierkultur im Trend: Kaffee ohne Koffein, Burger ohne Fleisch, Cola ohne Zucker – die „kleinen Sünden“ werden ausgemerzt. Doch zerfällt die Trinkkultur bald in Kultivierte und reine Trinker?

Als im Oktober die Landesregierung plötzlich Alkohol bei Veranstaltungen, wie auch bei Fußballspielen (coronabedingt) verbot, folgte ein Aufschrei. Die Vereine gingen auf die Barrikaden – schließlich verdienen die Amateurklubs ihr Geld an Spieltagen maßgeblich mit dem Verkauf von Bier – alkoholfreies ist dort offenkundig eher ein Ladenhüter. Fußballfans halten es also eher mit Bertolt Brecht, der einst formulierte, man solle nicht den Tod fürchten, sondern ein langweiliges Leben. Die Landesregierung lockerte die Alkohol-Beschränkungen aufgrund des Drucks wenige Tage später.

Ob wir es wollen oder nicht: Im Verzicht müssen wir uns noch einige Zeit üben. Fußball, Handball, Tischtennis – bis Ende des Monats bleibt Mannschaftssport untersagt, der Spielbetrieb ruht wohl noch mindestens bis Jahresende. Lediglich den Profis dürfen wir im TV zuschauen. Ich bin optimistisch: Gemeinsam werden wir diese Zeit überstehen, wenn auch getrennt und auf Abstand. Und sobald das alles vorbei ist, schmeckt das Bierchen am Platz bestimmt umso besser.