04.11.2012

„Wir wollen erinnern, nicht vergessen“

Stadt Nienburg und Arbeitskreis Gedenken rufen Erinnerung an Novemberpogrome wach

Nienburg (DH). Mit einer Reihe von Veranstaltungen erinnern die Stadt Nienburg und der Arbeitskreis Gedenken in der kommenden Woche an die Novemberpogrome von 1938. Den Zerstörungsaktionen der Nationalsozialisten waren in der Nacht vom 9. zum 10. November jenes Jahres auch die Nienburger Synagoge und Geschäfte und Wohnhäuser jüdischer Familien zum Opfer gefallen. Der Arbeitskreis Gedenken hat es für die Stadt Nienburg übernommen, die Erinnerung daran und an die Vernichtung der jüdischen Gemeinde Nienburgs alljährlich wachzurufen.

Um den Schabbat, den Ruhetag der jüdischen Religion, am Freitag zu wahren, beginnt das Gedenkprogramm in diesem Jahr bereits am Donnerstag, 8. November. Um 15 Uhr findet eine Andacht auf dem jüdischen Friedhof an der Bruchstraße statt, die unter Beteiligung von Jugendlichen der Kirchengemeinde von den Pastor Heinrich Schulze (St. Michael) gestaltet wird. Um 17:45 Uhr folgt ein Ritual im Innenhof des Nienburger Rathauses, mit dem der Arbeitskreis Gedenken an die Geschehnisse des 9. November erinnert.

Unmittelbar im Anschluss daran hält der frühere Nienburger Pastor Dr. Christian Stäblein einen Vortrag im Vestibül des Rathauses. Sein Thema ist die heutige Bedeutung des Gedenkens vor dem Hintergrund des Verhältnisses der christlichen Kirchen zum Judentum nach dem Holocaust. Christian Stäblein leitet seit 2008 das evangelische Predigerseminar in Loccum.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Gedenkveranstaltungen steht eine Kunstausstellung. Unter dem Titel „Wir wollen erinnern, nicht vergessen“ zeigt der Niedernwöhrener Glaskünstler Frieder Korff Arbeiten zum Thema der Novemberpogrome. Ein besonderer Aspekt seiner Kunstwerke aus farbigem Glas ergibt sich aus der Tatsache, dass die Nationalsozialisten ihre Terroraktion damals als „Reichskristallnacht“ bezeichneten. In seinen Arbeiten kontrastiert Korff die menschenverachtende Zerstörung mit dem Glas als Medium der Erinnerung und des Heilens. Die Ausstellung wird im Rathaus bis zum Vorabend des 27. Januar 2013 zu sehen sein. Der Arbeitskreis Gedenken sieht darin eine Verknüpfung der Erinnerung an den 9. November mit dem Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, das am 27. Januar begangen wird.

Am Samstag, 10. November, schließt sich um 17 Uhr ein Klezmer-Konzert im Nienburger Museum in der Leinstraße an. Dazu kommt die Hamelner Musikgruppe „Benkshaft“ nach Nienburg. In ihren ausdrucksstarken Liedern beschäftigt sich die Gruppe „Benkshaft“ mit der jiddischen Alltagskultur, die von der Jahrhunderte langen Verfolgung und Diskriminierung in Europa geprägt ist. Darin kommt auch die Sehnsucht nach Frieden und einem glücklichen und gewaltfreien Leben zum Ausdruck, verdeutlicht im Titel des Konzerts. „Chaloimes“ bedeutet so viel wie „Träume“.

Im Rahmen des Konzerts im Zeichensaal des Quaet-Faslem-Hauses findet auch die diesjährige Verleihung des Elisabeth-Weinberg-Preises statt. Die jugendlichen Preisträgerinnen stellen dabei ihre Projekte vor. Die Verleihung wird vom Schirmherr des Preises, Landrat Detlev Kohlmeier, vorgenommen.

Den Abschluss des Gedenkzyklus bildet eine Autorenlesung im Dendermonde-Saal des Rathauses am Donnerstag, 22. November. Ausgehend von der Institution Loccum, fanden in den Jahren 1979 bis 2010 immer wieder Gruppenfahrten in die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau statt. Über ihre Erfahrungen dabei berichten die Autoren des von Dr. Klaus Petzold herausgegebenen Buches „Das hat mich verändert“. Der Schweringer Dr. Klaus Schittko, Mitglied des Nienburger Arbeitskreises Gedenken, führt in die Veranstaltung ein, die um 19 Uhr beginnt.

Zum Artikel

Erstellt:
4. November 2012, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 38sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.