Die Rehburg-Loccumer Wirtschaftsschau wird in diesem Jahr nicht stattfinden. Collage: Büsching

Die Rehburg-Loccumer Wirtschaftsschau wird in diesem Jahr nicht stattfinden. Collage: Büsching

Wirtschaftsschau ist abgesagt

Coronavirus: Stadt Rehburg-Loccum zieht Konsequenzen / Entscheidung zu „Kieken un Köpen“ steht aus

Die Rehburg-Loccumer Wirtschaftsschau, die vom 20. bis 22. März stattfinden sollte, wird in diesem Jahr ersatzlos ausfallen. Das teilte gestern Rehburg-Loccums Stadtbürgermeister Martin Franke mit.

Ein ganze Reihe an Gründen habe letztlich zu der Entscheidung geführt, die Wirtschaftsschau abzusagen, was ihm „extrem schwerfalle“, räumte Franke ein. Die Stadt sei Veranstalter und habe in engem Kontakt mit dem Gesundheitsamt des Landkreises diese Entscheidung getroffen.

Franke geht bei der Dynamik der Entwicklung davon aus, dass es ansonsten hätte passieren können, dass in der kommenden Woche der Landkreis per Verfügung die Wirtschaftsschau untersagt. Es gehe in erster Linie darum, Ausbreitungswege durch die Absage zu unterdrücken und auf diese Weise auch dem dringenden Hinweis, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern abzusagen, zu folgen. Denn auch eine Discoveranstaltung war in diesem Rahmen geplant.

„Jetzt haben wir das noch selbst in der Hand und befinden uns noch an einem Punkt, Schaden zu minimieren“, sagte Franke auch mit Blick auf Aussteller und Marktbeschicker. Ursprünglich hätte heute der Aufbau in Rehburg begonnen.

Wirtschaftsschau ist abgesagt

Mit „Kieken un Köpen“ in Großenvörde steht im Südkreis eine weitere Großveranstaltung an, die Tausende Besucher verzeichnet, und auch in Stolzenau ist zum verkaufsoffenen Sonntag mit Flohmarkt mit reichlich Publikum zu rechnen.

Doch finden diese Veranstaltungen statt? Wegen der schnellen Ausbreitung des Coronavirus hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) empfohlen, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abzusagen. DIE HARKE bat die Veranstalter um eine Einschätzung.

„Kieken un Köpen“ soll am 4. und 5. April stattfinden. Die Schau des Gewerbevereins Raddestorf/Warmsen strahlt bis weit in den Nachbarkreis Minden-Lübbecke, wo es neun bestätigte Corona-Infektionen gibt und Veranstaltungen abgesagt wurden bzw. werden müssen.

Wirtschaftsschau ist abgesagt

„Wir haben am 18. März eine Vorstandssitzung und werden dann entscheiden, was wir tun – sofern der Landkreis Nienburg uns nicht zuvorkommt“, sagt Gewerbevereinsvorsitzender Dennis Nobbe. Eine zeitnahe Entscheidung sei wichtig: „Zwei Wochen vorher wäre noch nichts aufgebaut und wir hätten genug Zeit, entsprechend zu reagieren“, sagt Nobbe.

Der Verein stehe in ständigem Kontakt mit dem Landkreis und dem Kreis-Gesundheitsamt. „Der Landkreis wird sich konsequent jede Großveranstaltung anschauen und prüfen, welches Risiko von ihr ausgeht.


Cord Steinbrecher, Pressesprecher des Landkreises Nienburg
In Stolzenau sollen am 29. März Flohmarkt, Fundsachenversteigerung und verkaufsoffener Sonntag stattfinden. Klaus Meyer als Vorsitzender des Gewerbevereins Stolzenau geht derzeit davon aus, dass alle Programmpunkte wie geplant stattfinden. „Natürlich kann es sein, dass das Ganze kurzfristig ausfällt, wenn das Gesundheitsamt das so anordnet. Das wollen wir aber nicht hoffen“, sagte Meyer der HARKE.

Wirtschaftsschau ist abgesagt

„Der Landkreis wird sich konsequent jede Großveranstaltung anschauen und prüfen, welches Risiko von ihr ausgeht“, teilte Cord Steinbrecher als Pressesprecher des Landkreises gestern mit. „Dabei spielt es angesichts der Entwicklung auch keine Rolle mehr, ob bis zu diesem Zeitpunkt bereits bestätigte Coronafälle im Kreisgebiet vorliegen.“

Die Behörde könne nach den Regelungen des Infektionsschutzgesetzes Schutzmaßnahmen treffen, das heißt Veranstaltungen beschränken oder verbieten. „Bei der Entscheidung hat die Verwaltung einen Ermessensspielraum. Generell ist die Behörde gehalten, das mildeste Mittel zu wählen. Das kann bedeuten, dass Veranstaltungen mit Auflagen stattfinden können wie zum Beispiel einer Begrenzung der Teilnehmerzahl oder dem Ausschluss von Personen aus einem Risikogebiet“, erläutert der Kreissprecher.

Maßgeblich sei bei der Beurteilung, ob mit internationalem bzw. überregionalem Publikum zu rechnen sei. „Je weniger klar ist, woher die Menschen kommen, umso wahrscheinlicher ist es, dass man zu einer Absage kommen wird. Ein weiteres Kriterium wird sein, ob die Veranstaltungen im Freien oder in geschlossenen, möglicherweise schlecht gelüfteten Räumen stattfinden“, sagt Steinbrecher.

In Nordrhein-Westfalen sollen Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen grundsätzlich abgesagt werden. Das sieht ein am Dienstag beschlossener Erlass der Landesregierung mit entsprechenden Weisungen an die Kommunen vor. Der Kreis Minden-Lübbecke als Veranstalter hatte die Berufsinformationsmesse „Go Future“, die vom 19. bis 21. März stattfinden sollte, bereits am Montag abgesagt.

Mehrere Tausend Schüler – auch aus dem Nienburger Südkreis – hätten diese besucht. Rund 100 Aussteller wären vor Ort gewesen. Das Handwerksunternehmen W. Brase aus Petershagen-Raderhorst hatte seine Frühjahrsausstellung ebenfalls bereits am Montag abgesagt.

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Erstellt:
10. März 2020, 18:19 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 06sec

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