Wegbereiter der Partnerschaft: Sergej Galuso und Wolfgang Kopf

Wegbereiter der Partnerschaft: Sergej Galuso und Wolfgang Kopf

Nienburg 13.02.2016 Von Edda Hagebölling

„Wo die Lebenden sich versöhnen...“

Am 14. Februar 1991 wurde in Witebsk die Partnerschaft zwischen Witebsk und Nienburg unterzeichnet

Von Edda Hagebölling Nienburg. Frieden und Versöhnung mit den Völkern der Sowjetunion. Dieses ehrgeizige Ziel verfolgte einst der Partnerschaftsvertrag, der am 14. Februar 1991 – und damit auf den Tag genau vor 25 Jahren – zwischen Nienburg und Witebsk in Witebsk geschlossen wurde. Unterzeichnende waren auf Nienburger Seite der damalige Stadtdirektor Heinz Intemann sowie die ehemaligen Ratsmitglieder Heinrich Heitmüller (CDU), Uwe Lange (SPD) und Monika Barz (WIDU). Als Wegbereiter der Partnerschaft, deren Jubiläum im Sommer im Rahmen des Theaterfestes in Nienburg gefeiert werden soll, gelten Wolfgang Kopf und Sergej Galuso. Im Treffen mit der Harke am Sonntag lässt Kopf die Umstände, die zu der Partnerschaft zwischen der rund 360 000 Einwohner zählenden Großstadt Witebsk und der Kleinstadt Nienburg führten, noch einmal Revue passieren.

„Die Idee, den Kontakt zu einer Stadt in der damaligen Sowjetunion herzustellen, entstand im Juni 1997 beim Frankfurter Kirchentag“, erinnert sich Kopf noch gut. Als Mitglied im Nienburger Friedensforum waren weitere Mitstreiter schnell gefunden. Gut ein Jahr später wurde aus dieser Projektgruppe heraus das Internationale Begegnungswerk (IBW) gegründet. „Sehr ermutigt hat uns damals, dass uns sowohl Nienburgs damaliger Bürgermeister Folker Radtke als auch Heinz Intemann als Stadtdirektor und Rolf Warnecke als SPD-Fraktionsvorsitzender ihre Unterstützung signalisierten“, so Wolfgang Kopf.

Die Frage, welche Stadt als mögliche Partnerstadt infrage kommen könnte, war nach einem Telefonat mit Kopfs Kontakt zum Frankfurter Kirchentag schnell beantwortet. Die Wahl fiel auf Witebsk, weil Witebsk vom deutschen Überfall auf die Sowjetunion mit am schwersten betroffen war, sich aber touristisch bereits geöffnet hatte und mit „Sputnik“ und ihrem Chef Sergej Galuso über eine international rührige Reiseorganisation verfügte.

Eineinhalb Jahre nach dem Kirchentag, im März 1989, machte sich auf Initiative des IBW eine 26-köpfige Erkundigungsgruppe auf den Weg nach Witebsk. Die Zusammenkunft gipfelte am 31. März im Beisein von Heinz Intemann in den Händedruck zwischen Wolfgang Kopf und Witebsk Oberbürgermeister Aleksejewitsch Fedortschuk und dessen Versprechen: Wenn Sie wirklich gekommen sind, um der Opfer zu gedenken und Versöhnung zu suchen, dann bin ich schon heute für diese Partnerschaft. Schicken Sie uns eine Einladung, und wir werden gerne nach Nienburg kommen.“

Dass es dann aber noch zwei Jahre dauern sollte, bis der Partnerschaftsvertrag unterzeichnet werden konnte, lag daran, dass sich Nienburgs CDU gegen die Städtepartnerschaft aussprach. „Zum Glück hat man das damals in Witebsk nicht mitbekommen“, so Wolfgang Kopf rückblickend.

Dass es aber doch kleine Parallelen gab zwischen der Großstadt Witebsk und der Kleinstadt Nienburg wurde bei dem Stadtrundgang deutlich, den die Erkundigungsgruppe aus Nienburg bei ihrem Besuch unternahm. Auch Witebsk liegt an einem Fluss, der Witba, und auch in Witebsk wurde das Theater dort gebaut, wo die kleinere Witba in die größere Dwina mündet.

Dass Jahre später ein Regenbogen am Himmel zu sehen war, als Wolfgang Kopf bei seinem letzten Besuch als IBW-Sprecher das Haus von Sergej Galuso, dem Geschäftsführer von „Sputnik“, verließ, mag er fast gar nicht erwähnen.

Und noch eine Begebenheit erzeugt bei Kopf auch nach so vielen Jahren eine Gänsehaut: „Wo die Lebenden sich versöhnen, können die Seelen der Toten endlich ihre Ruhe finden“, hatte Pater Mattwew von der russisch-othodoxen Kirche in Witebsk später bei einem Besuch in Nienburg betont.

Seit Unterzeichnung der Städtepartnerschaft im März 1991 und Besiegelung der Landkreispartnerschaft im Oktober 1993 kommt es immer wieder zu Begegnungen zwischen den Menschen aus Stadt und Kreis Witebsk und Stadt und Kreis Nienburg.

Im April 2000 wurde in den Wallanlagen unweit der beiden Gymnasien die Madonna von Tschernobyl eingeweiht.

Seit 2004 liegt die Partnerschaftsarbeit zwischen Witebsk und Nienburg in den Händen des Vereins „Stadt- und Landkreispartnerschaft Nienburg-Witebsk“, kurz NiWit. Vorsitzender ist Eckhard Hellmich, Leiter des Marion-Dönhoff-Gymnasiums.

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Erstellt:
13. Februar 2016, 21:00 Uhr
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