Dr. Jörn-Michael Schröder, Superintendent des Kirchenkreises Syke-Hoya (links) mit Regionalbischöfin Dr. Birgit Klostermeier und Lothar Dreyer, Vorsitzender des Kirchenkreistags. Miriam Unger

Dr. Jörn-Michael Schröder, Superintendent des Kirchenkreises Syke-Hoya (links) mit Regionalbischöfin Dr. Birgit Klostermeier und Lothar Dreyer, Vorsitzender des Kirchenkreistags. Miriam Unger

Hoya 01.06.2017 Von Die Harke

Wo sollen die Pastoren herkommen?

Kirchenkreistag in Hoya beschäftigt sich mit Zukunft der Kirche / 2030 halbiert sich landesweit die Zahl der Pastoren

Knapp 100 Delegierte und Gäste aus den 28 Gemeinden der Region waren beim Kirchenkreistag in Hoya zusammengekommen, um sich mit den Themen „Kirchenvorstandswahlen 2018“ und „Perspektiven für die Gemeindeleitung im Jahr 2024“ zu beschäftigen. Die Veranstaltung begann mit einem zweisprachigen Gottesdienst, den die sechsköpfige Delegation aus der Partnersynode Mato Grosso/Brasilien gestaltete, die derzeit im Kirchenkreis Syke-Hoya zu Gast ist.

Danach begann der Kirchenkreistag mit einem Impulsreferat zur Kirchenvorstandswahl 2018 von Landessuperintendentin Dr. Birgit Klostermeier aus Osnabrück. „Wir stehen vor Umbrüchen. Auf uns kommen in den nächsten Jahren große Herausforderungen zu. Das Bild von Kirche wandelt sich, und wir müssen uns mitverändern. Nicht nur, weil wir weniger Mitglieder haben werden, sondern auch eine sich immer schneller, stärker wandelnde Welt – bedingt durch das Internet, veränderte Formen der Kommunikation, verschiedene Religionen im Land, den demografischen Wandel, Bevölkerungsrückgang, Alterung der Gesellschaft, den Wegzug vom Land in die Stadt“, sagte die Regionalbischöfin.

Ein Kirchenvorstand sei meist dann richtig gut, wenn er vielfältig besetzt wäre, betont Klostermeier: „Eine Mischung aus verschiedenen Generationen, aus häufigen und seltenen Gottesdienst-Besuchern, aus Kircheninternen, aber auch Menschen aus ganz anderen Bereichen, die eine neue Perspektive einbringen können.“

Dass die Aufgaben von Kirchenvorständen immer anspruchsvoller würden, betonte Superintendent [DATENBANK=1637]Dr. Jörn-Michael Schröder[/DATENBANK] im Anschluss. „Das ehrenamtliche Engagement in unserem Kirchenkreis hat in den vergangenen Jahren zwar insgesamt zugenommen“, erklärte er, „trotzdem ist es eine Tatsache, dass Kirchenvorsteher in vielen Gemeinden schon jetzt enorm viel Arbeiten und Verantwortung übernehmen“.

„Geld wird nicht unser Hauptproblem in den nächsten Jahren sein, sondern Stellen, die wir nicht besetzen können“

Durch zahlreiche Bauvorhaben in den Gemeinden, Strukturveränderungen oder auch Projekte der Integration und Flüchtlingsarbeit vor Ort würden die Rahmenbedingungen für die Kirchenvorstände immer aufwändiger. Die Entscheidungen und Aufgaben seien komplexer und zeitintensiver geworden, so dass es immer schwieriger werde, sie nebenberuflich bewältigen zu können. „Wir müssen uns neue Wege überlegen, die Arbeit in Kirchenvorständen so zu strukturieren, dass sie für Ehrenamtliche noch machbar ist“, sagt Schröder. „Und wir müssen auch über finanzielle Ausgleiche nachdenken.“

Zumal sich in den kommenden Jahren die Zahl der Hauptamtlichen im Pfarramt gravierend verändern werde: „Geld wird nicht unser Hauptproblem in den nächsten Jahren sein, sondern Stellen, die wir nicht besetzen können“, meint Schröder.

In den Jahren 2020 bis 2030 gehe ein großer Block von Pastoren in den Ruhestand – deutschlandweit knapp die Hälfte der bisherigen Belegschaft. Nachwuchs gebe es zwar, aber nicht in ausreichender Menge. „Es wird eine Unterversorgung geben, die unser Kirchenkreis deutlicher zu spüren bekommen wird als etwa die Stadtkirchen“, so Schröder. „Wir müssen uns auf Schwierigkeiten bei der Neubesetzung von Pfarrstellen und auf längere Vakanzzeiten einstellen.“

Die meisten Gemeinden im Kirchenkreis hätten bereits vorgebaut. Netzwerke der regionalen Zusammenarbeit sind entstanden, die sich gegenseitig entlasten, Synergien nutzen und weiter intensiviert werden sollen.

Aber auch inhaltlich würden an vielen Orten neue Wege gesucht. Denn nicht nur die Mitgliederzahlen sind in den vergangenen Jahren zurückgegangen (von 2,85 Millionen im Jahr 2011 auf 2,69 Millionen in 2015 – betroffen sind laut Schröder „alle Gemeinden im Kirchenkreis bis auf Twistringen“.

Auch jahrzehntelange Selbstverständlichkeiten änderten sich. „Früher war klar, wann sich Jugendliche zum Konfirmandenunterricht anmelden, heute erinnern wir die Jahrgänge mit einem Brief daran. Auch Trauungen und Taufen werden nicht mehr selbstverständlich in Anspruch genommen.“

Die Teilnahme an klassischen Sonntagmorgen-Gottesdiensten habe abgenommen, die Gottesdienste „aus dem zweiten Programm“, wie Superintendent Schröder es nennt – moderne Formate zu anderen Uhrzeiten, mit Unterhaltungselementen wie Anspielen, neuerer Musik und mehr Interaktion mit der Gemeinde – hätten dafür Zulauf. „Wir werden in den kommenden Jahren mehr danach schauen müssen, inwieweit wir die Liturgien, die Musik und die Formen ändern und übernehmen können, was in anderen Gottesdienstangeboten gut funktioniert.“

Schröder erwartet eine Entwicklung „weg von der ,Kirche des Volkes‘, wieder mehr hin zu einer ,Kirche für das Volk‘.“ Er zeigte sich optimistisch: „In kleineren Kirchen kann eine neue Freiheit liegen und wieder mehr Gestaltungsmöglichkeit. Wir können uns wieder klarer positionieren, wir dürfen anecken und mehr Buntes ausprobieren.“ Dass es ausreichend kreative Wege und Ideen dafür in seinem Kirchenkreis gebe, würdem die unterschiedlichen Angebote im aktuellen Reformationsjubiläumsjahr zeigen – eine Vielzahl von gutbesuchten musikalischen und kulturellen Angeboten, Veranstaltungen und Festen. Ein Höhepunkt werde das Kirchenkreisfest am 19. August in Bruchhausen-Vilsen sein, bei dem unter anderem eine Gruppe aus knapp 20 Pastoren und Mitarbeitenden aus der Region ein modernes Lutherstück aufführen werde.

Zum Artikel

Erstellt:
1. Juni 2017, 17:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 19sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.