Nienburg 07.04.2019 Von Edda Hagebölling

Wohin mit dem 13. Jahrgang?

Nienburgs Gymnasien befürchten, in Containern oder an drei Standorten unterrichten zu müssen

Wohin mit dem 13. Jahrgang? Und wie ist es um die Abordnungen bestellt? Das wollte DIE HARKE am Sonntag von den Leitern der vier Gymnasien im Kreis wissen (siehe auch Bericht auf Seite 4). An dieser Stelle lesen Sie die Antworten von Lutz Kulze-Meyer (Marion-Dönhoff-Gymnasium) und Dr. Ralf Weghöft (Albert-Schweitzer-Schule).

Auslöser für die Fragen ist, dass die Schulen gehalten sind, im Sommer 2020 erstmals wieder einen 13. Jahrgang einzurichten. Das Gymnasium der BBS Nienburg wurde in dieser Umfrage nicht berücksichtigt, weil es von der G8-Regelung nicht betroffen war. Dort konnte das Abitur die ganze Zeit erst nach 13 Jahren erworben werden.

Dr. Ralf Weghöft, ASS

• Seitens der Schule sind wir auf die Aufnahme eines zusätzlichen Jahrgangs nach G9 vorbereitet, inhaltlich und personell. Ein Problem bereitet uns die räumliche Ausstattung. Unsere Schülerinnen und Schüler befürchten, dass sie ihre Oberstufenzeit vor dem Abitur in Containern verbringen müssen, obwohl es demnächst leerstehenden Unterrichtsraum in Nienburg geben würde. Wir haben die Stadtverwaltung schon vor Jahren gemeinsam mit dem MDG darauf hingewiesen, dass am 1. August 2020 etwa 220 Schüler/innen zusätzlich einen Unterrichtsraum brauchen. Auch der kommunalen Politik müsste seit 2013 bekannt sein, dass G8 durch G9 ersetzt wird und somit ein gesamter Jahrgang hinzu kommt.

Der Übergang findet schon heute statt. Zurzeit schreibt der letzte G8-Jahrgang seine Abiturklausuren. Danach steigt die Einführungsphase G9 in die beiden letzten Jahrgänge vor der Abiturprüfung auf. Dieses ist von uns entsprechend vorbereitet. Derzeit haben wir etwas mehr als 920 Schüler/innen und im kommenden Jahr werden es dann wieder 1000 bis 1050 Schüler/innen sein.

• Der Umfang der Abordnungen an Schulen des Dezernates 2 beträgt an der ASS etwa 12,5 Prozent der Lehrerstunden. Dieses ist eine starke Belastung für das Kollegium und insbesondere für die einzelne Lehrkraft. Zurzeit wird ihnen sehr viel abgefordert: Die Umsetzung der Inklusion mit zieldifferentem Unterrichten, der Übergang von G8 nach G9 und die zahlreichen Abordnungen. Ich verrate kein Geheimnis, dass wir gerne mehr Ruhe hätten, um uns auf unsere pädagogische Arbeit zu konzentrieren zu können. Wir möchten für unsere Schüler/innen da sein und ihnen die beste schulische Ausbildung geben.

Lutz Kulze-Meyer, MDG

Die räumlichen Kapazitäten des MDG reichen für den 13. Jahrgang, der uns im Schuljahr 2020/21 erreichen wird, nicht aus. Schon im laufenden Schuljahr nutzt die Schule neben der angestammten Außenstelle im Nordertorstriftweg auch noch Räume der Realschule Nienburg, um ihren Raumbedarf zu decken.

Die Ursache für den gesteigerten Raumbedarf liegt einerseits in den hohen Anmeldezahlen, die wir in den vergangenen Jahren zu verzeichnen hatten. Andererseits sind neue Raumbedarfe dadurch entstanden, dass wir im Rahmen der Inklusion Teilungsräume eingerichtet haben. Das Aufwachsen des ersten G9-Jahrgangs in den Jahrgang 13 wird die Situation noch verschärfen, sowohl im Hinblick auf allgemeine Unterrichtsräume als auch auf Fachräume für den naturwissenschaftlichen Unterricht und das Fach Musik. Zusätzlich zu bedenken sind dabei auch noch die steigenden Be darfe bei Sportstätten, insbesondere Hallenflächen.

Die Stadt Nienburg als Träger hat das Problem erkannt und zu Beginn des Jahres eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die die bauliche Erweiterung beider Nienburger Gymnasien in den Blick nimmt. Ich begrüße diesen Schritt, auch wenn ich anmerken muss, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit zu spät erfolgt ist, um das wachsende Raumproblem der beiden Gymnasien noch rechtzeitig zu lösen.

• Das MDG ordnet weiterhin Kolleginnen und Kollegen an zwei Grundschulen im Stadtgebiet ab. Insgesamt belaufen sich Abordnungen auf einen Umfang von knapp vier vollen Stellen.

An der ASS um Dr. Ralf Weghöft wird befürchtet, dass der 13. Jahrgang in Containern unterrichtet werden muss. ASS

An der ASS um Dr. Ralf Weghöft wird befürchtet, dass der 13. Jahrgang in Containern unterrichtet werden muss. ASS

Lutz Kulze-Meyer gibt zu bedenken, dass das MDG schon jetzt an drei Standorten unterrichtet. MDG

Lutz Kulze-Meyer gibt zu bedenken, dass das MDG schon jetzt an drei Standorten unterrichtet. MDG

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Erstellt:
7. April 2019, 08:14 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 49sec

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