In Hoya wird es nach Auskunft von Lutz Bittner keine Raumprobleme geben. Johann Beckmann Gymnasium Hoya

In Hoya wird es nach Auskunft von Lutz Bittner keine Raumprobleme geben. Johann Beckmann Gymnasium Hoya

Hoya/Stolzenau 07.04.2019 Von Edda Hagebölling

Wohin mit dem 13. Jahrgang?

Gymnasien vor Umstellung von G8 auf G9 / Abordnungen an umliegende Schulen nach wie vor ein großes Thema

Ist Ihre Schule räumlich auf den 13. Jahrgang eingestellt? Werden alle Schülerinnen und Schüler vernünftig unterrichtet werden können, wenn im kommenden Jahr kein Abitur stattfindet und der 12. Jahrgang nahtlos in den 13. überwechselt? Wie stark sind Ihre 12. Jahrgänge in der Regel? Wie hoch ist dann die voraussichtliche Gesamtschülerzahl?

All das wollte DIE HARKE am Sonntag von den Leitern der vier Gymnasien im Kreis, Dr. Matthias Akkermann (Gymnasium Stolzenau), Lutz Bittner, Johann-Beckmann-Gymnasium Hoya), Lutz Kulze-Meyer (Marion-Dönhoff-Gymnasium Nienburg) und Dr. Ralf Weghöft (Albert-Schweitzer-Schule Nienburg) wissen. Und auch: Hat sich das Thema Abordnungen mittlerweile beruhigt oder müssen Sie immer noch Gymnasiallehrkräfte an die Grundschulen in der Umgebung abgeben? Wenn ja, in welchem Umfang?

Lutz Bittner, Hoya

• Das JBG führt bekanntlich den an anderen Gymnasien fehlenden Jahrgang per Erlass des Kultusministeriums als kleinen Jahrgang mit etwa 50 Schülerinnen und Schülern (bei insgesamt etwa 850 Schülerinnen und Schülern), die wir derzeit entsprechend unterbringen können. Diese werden im kommenden Jahr (2020) das Abitur ablegen. Wir gehen außerdem von etwa 100 Schülerinnen und Schülern aus, die sich für das nach den Sommerferien 2020 beginnende 5. Schuljahr anmelden könnten, so dass wir dann auf maximal 900 Schülerinnen und Schülern kommen könnten.

Wir werden wie bisher alle Mittelstufenklassen und die Einführungsphase (Jahrgang 11) in Klassenräumen im Hauptgebäude unterbringen können. Ein Teil der Oberstufenkurse wird wie auch jetzt schon im Gebäude der bisherigen Förderschule am Schulzentrum in gut ausgestatteten Unterrichtsräumen (Active Boards, Funknetz etc.) stattfinden. Unsere Oberstufenjahrgänge waren bisher immer zwischen 110 und 120 Schüler/innen stark.

• Wir ordnen derzeit 90 Stunden an die benachbarte Marion-Blumenthal-OBS und an die GS Hoya ab. Wir konnten alle Abordnungen sehr einvernehmlich mit den aufnehmenden Schulen regeln. Wir erteilen trotz der Abordnungen unseren Unterricht ungekürzt in vollem Umfang. Dieses ist nur möglich, weil viele Lehrkräfte lieber Überstunden leisten wollten, um Kürzungen vermeiden zu können.

Alle Abordnungen laufen zum Sommer aus. Wir gehen davon aus, dass es auch im kommenden Schuljahr Abordnungen geben wird, denn die Gymnasien werden derzeit für die Abordnungen grundsätzlich aber mit Blick auf den Sommer 2020 für die dann zusätzlich benötigten Gymnasiallehrkräfte überversorgt. Ob sich das Problem der Abordnungen ab 2020 erledigt hat, lässt sich jetzt noch nicht mit Sicherheit sagen.

Dr. Matthias Akkermann, Stolzenau

• Wir haben darüber mit dem Schulträger ausführlich gesprochen. Natürlich wird es enger werden und wir werden dann gegebenenfalls Klassen haben, die keinen eigenen Klassenraum haben, aber wir können den zusätzlichen Jahrgang unterbringen.

Inhaltlich sehe ich gar kein Problem bei der Umstellung von G8 auf G9. Das werden meine Kolleginnen und Kollegen ohne Probleme meistern.

Mit etwas Sorge schaue ich allerdings auf die Unterrichtsversorgung im Schuljahr 2020/2021, da wir bis dahin noch etwa elf Lehrkräfte einstellen müssen. Ich hoffe, dass wir von der Landesschulbehörde bis dahin die benötigten Stellen zugewiesen bekommen. Sehr wahrscheinlich werden wir dann aber nicht mehr so gut versorgt sein, dass Abordnungen vorgenommen werden können.

Aktuell 15 Lehrkräfte von Abordnungen betroffen

Wir haben in den letzten Jahren zwischen 90 und 120 Schüler im Jahrgang 12 gehabt. In diesem Jahr sind 91 Schülerinnen und Schüler zum Abitur zugelassen.

Zurzeit haben wir etwa 840 Schülerinnen und Schüler. Daher rechnen wir im Schuljahr 2020/2021 mit etwa 940 Schülerinnen und Schülern.

• Leider müssen wir immer noch in erheblichem Umfang abordnen. Im ersten Halbjahr waren es etwa 150 Stunden, und jetzt im zweiten Halbjahr sind es nicht viel weniger. 15 Lehrkräfte sind in diesem Halbjahr davon betroffen, was zum Teil erhebliche Belastungen für die einzelne Lehrkraft mit sich bringt. Auch mussten wir, um die Abordnungen vornehmen zu können, wieder erhebliche Veränderungen in der Unterrichtsverteilung vornehmen, was zu Lasten der Kontinuität und damit der Qualität des Unterrichts geht.

So ist es nicht sinnvoll, wenn man aus einer Klasse zum Beispiel den Co-Klassenlehrer mit einem Teil seiner Stunden wieder ausplanen muss, damit eine unvorhergesehene Abordnung vollzogen werden kann. Zurzeit sind wir dabei, eine Liste zu erstellen, welche Lehrkräfte im nächsten Schuljahr in die Abordnung gehen müssen, wobei der Umfang und die Einsatzorte noch gar nicht bekannt sind. Ärgerlich ist es für die betroffene Lehrkraft, wenn es in Einzelfällen dann so zu sein scheint, dass eine Abordnung auch hätte vermieden werden können.

Die klare Positionierung unseres Kultusministers, dass Abordnungen, die nicht unbedingt erforderlich sind, zurückgenommen werden müssen, hat dazu beigetragen, dass sich solche Fälle deutlich verringert haben. Ich möchte aber auch den Schulleitungen meinen Respekt aussprechen, die so stark unterversorgt sind, dass sie auf Lehrkräfte anderer Schulen angewiesen sind und dann nicht immer bedarfsgerecht Lehrkräfte einsetzen können oder den Einsatz von diversen Lehrkräften von verschiedenen Schulen händeln müssen.

Dr. Matthias Akkermann befürchtet, das nicht jede Klasse einen eigenen Klassenraum haben wird. Gymnasium Stolzenau

Dr. Matthias Akkermann befürchtet, das nicht jede Klasse einen eigenen Klassenraum haben wird. Gymnasium Stolzenau

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Erstellt:
7. April 2019, 08:14 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 27sec

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