Die Vorsitzende des Vereins „Herberge zur Heimat“, Bettina Mürche (liinks), Sozialarbeiterin Claudia Vogt sowie Sozialarbeiter Harald Nietfeld wünschen sich Schutzmaßnahmen für Wohnungsnotfälle. Foto: Wohnwege

Die Vorsitzende des Vereins „Herberge zur Heimat“, Bettina Mürche (liinks), Sozialarbeiterin Claudia Vogt sowie Sozialarbeiter Harald Nietfeld wünschen sich Schutzmaßnahmen für Wohnungsnotfälle. Foto: Wohnwege

Nienburg 21.04.2020 Von Die Harke

„Wohnwege“ im Notbetrieb

Forderung nach Schutzmaßnahmen für Wohnungsnotfälle

Auf die besonderen Probleme von Wohnungslosen weist jetzt die Beratungsstelle „WohnWege“ des Vereins „Herberge zur Heimat“ Nienburg hin“: Zum Gesundheitsschutz ist es aktuell notwendig, zu Hause zu bleiben.

Menschen, die ganz ohne Unterkunft sind, auf der Straße, in prekären Mitwohnverhältnissen oder in sonstigen Dauerprovisorien leben, seien eine gesundheitlich hoch belastete Bevölkerungsgruppe. Sie würden häufiger unter Mehrfacherkrankungen leiden. Obwohl zur Risikogruppe gehörend, hätten sie keine Chance, Schutz durch den Rückzug in eine eigene Wohnung zu finden.“

„Unsere Klienten sind durch Wohnungslosigkeit bzw. drohende Wohnungslosigkeit ohnehin in einer existenziellen Lebenskrise“, so die Sozialarbeiterin Claudia Vogt. Die Beratungsstelle bietet Beratung und Unterstützung für von Armut betroffene Personen an. Die Coronakrise würde die verzweifelte Lage der Ratsuchenden noch verstärken.

„Zum Schutz unserer Mitarbeitenden können wir die Unterstützung für Wohnungsnotfälle nur noch im Notbetrieb anbieten“, bedauert die Vorsitzende des Vereins „Herberge zur Heimat“, Bettina Mürche.

Die Beratungsstelle „Wohnwege“ und der dazugehörige Tagestreff seien geschlossen worden, jedoch telefonisch über die kostenfreie Nummer (0800) 6000 403 oder per E-Mail unter vogt@wohnwege-nienburg.de erreichbar.

Falls dringend erforderlich, würden auch Hausbesuche und nach Terminvereinbarung Einzelberatungen angeboten. Die über 40 Wohnungslosen, die die Beratungsstelle als Postadresse nutzen müssen, würden Post an der Haustür ausgehändigt bekommen. Klienten ohne Konto, die ihre Einkünfte verwalten lassen, werden ebenfalls an der Haustür mit Finanzen versorgt.

„Die Einschränkung unserer Arbeit fällt besonders schwer, da wir den Menschen in Not in dieser zusätzlichen schweren Krise gern besonders nahe wären“, weist Wohnwege-Berater Harald Nietfeld auf einen nicht lösbaren Konflikt in der Arbeit hin. Wegen eingeschränkter Erreichbarkeiten von Sozialamt und Jobcenter und neuer Regularien zur Corona-Krise dort gäbe es gleichzeitig einen gestiegenen Beratungsbedarf bei den Klienten.

„Zum Schutz von Wohnungsnotfällen müssen Zwangsräumungen ab sofort ausgesetzt werden“, ist die Forderung von Bettina Mürche. Menschen dürften in dieser Situation nicht aus ihren Wohnungen geräumt und in Notunterkünfte eingewiesen werden.

„Wohnraum, die erste Verteidigungslinie gegen den COVID-19-Ausbruch“, sagt deswegen auch die UN-Sonderberichterstatterin für das Recht auf Wohnen, Leilani Farha. „Ich fordere die Staaten auf, außerordentliche Maßnahmen zu ergreifen, um das Recht auf Wohnraum für alle zum Schutz vor der Pandemie zu sichern.“

Die Beratungsstelle „Wohnwege“ hält einen Notbetrieb mit der kostenfreien Rufnummer (0800) 6000 403 aufrecht.

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Erstellt:
21. April 2020, 15:27 Uhr
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