Die Landwirte Jan-Hinnerk Lange, Volker Koch, Jan Hillmann, Rainer Göllner, Rainer Bartels und Claas Fedler. Hagebölling

Die Landwirte Jan-Hinnerk Lange, Volker Koch, Jan Hillmann, Rainer Göllner, Rainer Bartels und Claas Fedler. Hagebölling

Drakenburg 11.02.2017 Von Edda Hagebölling

Wut, Frust, Ratlosigkeit

Nach der „Bauernregel“-Kampagne: Kreis-Nienburger Landwirte im Gespräch mit der HARKE am Sonntag

Wut, Frust, Ratlosigkeit. Ungefähr so lässt sich das Gespräch zusammenfassen, das die HARKE am Sonntag am Donnerstagabend – Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hatte sich gerade für ihre „Bauernregel“-Kampagne entschuldigt – mit Landwirten aus Anderten, Drakenburg, Heemsen, Gadesbünden und Holzbalge führte. Von Kampfgeist war rein gar nichts zu spüren in diesem rund eineinhalbstündigen Gedankenaustausch mit Rainer Bartels aus Anderten, Claas Fedler aus Drakenburg, Rainer Göllner und Jan Hillmann aus Gadesbünden, Volker Koch aus Heemsen und Jan-Hinnerk Lange aus Holzbalge. Der eine oder andere überlegte sogar, ob er überhaupt etwas sagen sollte zu dieser von Steuergeldern finanzierten Kampagne, aber auch zur Situation der Landwirte im allgemeinen. „Egal, was wir sagen, es wird doch alles gegen uns ausgelegt“, so der Tenor.

„Natürlich machen auch wir nicht alles richtig, und natürlich gibt es auch unter den Landwirten ‚schwarze Schafe‘, aber für mich ist das kein Grund, mich zu verstecken. Ich weiß, was ich kann, und ich nutze jede Gelegenheit, jeden, der sich für moderne Landwirtschaft interessiert, zu uns einzuladen“, hielt Jan-Hinnerk Lange aus Holzbalge dagegen.

„Bisher haben wir immer nur geschluckt und immer stillgehalten. Die Daumenschrauben werden dennoch immer stärker angezogen. Viele haben schon aufgegeben,“ fährt Volker Koch, Landwirt aus Heemsen, fort. Und ergänzt: „Als ich mich entschloss, Landwirt zu werden, wollte ich mit Tieren zu tun haben und unter freiem Himmel arbeiten. Heute sitze ich unter Bergen von Zetteln an drei von sieben Tagen im Büro. Die eigentliche Arbeit wird von den Azubis erledigt. Heute würde ich mich anders entscheiden.“

Ob denn wirklich gar keine Hoffnung mehr besteht?

„Solange Aldi, Lidl & Co. ihren Preiskampf auf unserem Rücken austragen, nicht. Der Lebensmitteleinzelhandel wird eines Tages dafür veranwortlich sein, dass es den Landwirt vor Ort nicht mehr gibt“, ist sich Rainer Göllner sicher.

„Bei uns in Deutschland gibt es die teuersten Küchen und die teuersten Autos, aber die billigsten Lebensmittel“, gibt Claas Fedler unter anderem zu bedenken.

Davon, das gerade in Polen Europas größte Hähnchenmästerei entsteht, wusste Rainer Bartels zu berichten. Und auch davon, dass in Russland auf einer Fläche von 200.000 Hektar quasi eine ganze Stadt entsteht, in der Schweine gemästet und geschlachtet werden.

„Wenn sich die Politik nicht hinter uns stellt, sehen wir für uns kleinere Landwirte kaum noch Chancen“, so die einhellige Meinung an diesem Abend. Darüber, ob damit zu rechnen ist, gingen die Meinungen auseinander.

„Mit Landwirten gewinnt man keine Wahl mehr. Dafür sind wir mittlerweile zu wenig. Außerdem wird in der Politik heute nur noch in Legislaturperioden gedacht. Wir Landwirte müssen jedoch in Generationen denken“, so der Tenor.

„Wenn ich heute Schuhe verkaufen will, miete ich mir für fünf Jahre einen Laden, verkaufe, soviel ich kann, und wenn der Pachtvertrag endet, ziehe ich weiter. Wenn ich aber ein Stall baue, habe ich ein Darlehen, das über 20 Jahre läuft. Wir brauchen darum Sicherheit, die bis weit über die nächste Bundestagswahl hinaus reicht“, gaben die Anwesenden zu bedenken.

Fest steht für die anwesenden Landwirte aber auch: Um den Menschen in ihrer Umgebung ein realistisches Bild von moderner Landwirtschaft jenseits der Landlust-Romantik zu vermitteln, müssen sie selbst tätig werden. Sie laden darum alle Interessierten ein, sich mit dem Landwirt in ihrer Nachbarschaft in Verbindung zu setzen.

Dieses Posting machte bei Facebook am Mittwoch die Runde. Screenshot

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Erstellt:
11. Februar 2017, 21:00 Uhr
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