Wyhler Gemeinde stoppt Bebauungsplan

Wyhler Gemeinde stoppt Bebauungsplan

Versuch verhindert! In der Whyler Ortsmitte entsteht aufgrund der erlassenen Veränderungssperre kein Casino. Bildquelle: Pavel L Photo and Video – 59739185 / Shutterstock.com dpa

Externe Empfehlung Der Wyhler Rat erlässt eine Veränderungssperre für den Bebauungsplan „Fabrikstraße“. Ein Teil der Ortsmitte soll umgestaltet werden, jedoch ausschließlich nach den Vorgaben des Gemeinderates. Die Eröffnung eines Casinos im Stadtkern ist somit verhindert. Der Bebauungsplan „Wyhlertal“ wurde hingegen als Satzung beschlossen.

Rat erlässt Veränderungssperre

In der öffentlichen Sitzung des Gemeinderates Wyhl am 16. Juni wurden verschiedene Entscheidungen für die weitere Planung der Bebauungsmaßnahmen im Ort getroffen. Zum einen wurde der Bebauungsplan „Wyhlertal" als Satzung beschlossen, zum anderen wurde durch den Rat eine Veränderungssperre erlassen. Diese gilt für das Plangebiet „Fabrikstraße“. Bei nur einer Gegenstimme scheint die Entscheidung eindeutig.

Das Projekt „Fabrikstraße“ bezieht sich unterdessen auf die schon im Mai abgesegneten Bebauungspläne für einen Teil der Ortsmitte. Mit der Neu- beziehungsweise Überplanung des Stadtabschnittes verspricht sich die Gemeinde neben zahlreichen neuen Details der Stadtansicht hauptsächlich die Verhinderung des Einzuges eines Spielcasinos in die Ortsmitte. Bestrebungen dieser Art gab es zum einen für den leerstehenden Gasthof „Alt Wyhl“ und zum anderen für den ehemaligen „Nah & Gut"-Lebensmittelmarkt.

Bebauungspläne gestalten ist das Eine, die Verwirklichung und Ausführung das Andere. Oftmals klaffen diese Prozesse zeitlich auseinander. Um Bauanträgen wie beim geplanten Casino, die schnell Nägel mit Köpfen machen und mit dem Baustart nicht lange warten, zuvorzukommen, wurde während der Sitzung die Veränderungssperre der ursprünglichen Pläne beschlossen.

Der Gemeinderat verspricht sich von dieser Maßnahme eine Absicherung der sich noch im Prozess befindlichen städteplanerischen Ziele. Dass währenddessen nahezu keine Diskussionen um die Veränderungssperre aufkamen, sei „eine logische Folge des Bebauungsplanbeschlusses", betonte Walter Müssle (CDU).

Die Bedeutung dieser Veränderungssperre verdeutlicht sich bei der Betrachtung der laufenden Bauanträge. Der Gemeinderat hatte eine Bauvoranfrage für die bisherige Gaststätte „Alt Wyhl" in der Adlergasse vorliegen. Laut der Bauanfrage sollte dort ein Spielcasino entstehen. Kombiniert würde dieses Vorhaben in den Plänen mit verschiedenen Wohnungen und einem Bistro. Laut Bürgermeister Joachim Ruth sei dies ein starker Kontrast zu den Bebauungsplänen und Zielen des Gemeinderates. Dementsprechend wurde die Bauvoranfrage bei nur einer Gegenstimme gesamtheitlich abgelehnt. Überraschend gestaltet sich diese Entscheidung mit Blick auf andere Städte aber nicht.

Rückläufiges Interesse

Die 42939 in der Wyhler Ortsmitte vom Gemeinderat ist kein Einzelfall. Oftmals werden speziell in kleineren Städten Baupläne von Spielhallen, Casinos oder Wettbüros verhindert oder zumindest erschwert. Das liegt hauptsächlich an drei Gründen:

Glücksspiel kann süchtig machen: Ein Spruch, der so bekannt wie wahr ist. Trotz zahlreicher Warnhinweise und der Betreuung von Spielsüchtigen durch staatliche Institutionen verfallen jedes Jahr mehrere Tausend Menschen dem Glücksspiel. Besonders jüngere Personen sind anfällig für den Adrenalinrausch, weswegen viele Eltern Einrichtungen dieser Art äußerst skeptisch gegenüberstehen. Bei einer erstmals aufgetretenen Sucht verschafft oftmals nur eine professionelle Therapie Hilfe. Dass Casinos in Kleinstädten oft nicht begrüßt werden, erscheint aus pädagogischer Sicht nur folgerichtig.

Ominöses Klientele: Ein klares Vorurteil, welches sich jedoch besonders bei Menschen, die selten mit der Welt des Glücksspieles in Kontakt treten, festgesetzt hat, ist, dass insbesondere die soziale Unterschicht in Spielhallen vertreten sei, um die sich – auch wenn dies natürlich nicht offen ausgesprochen wird – keine Gemeinde bemüht. Dass sich der Besuch einer Spielhalle als beliebtes Vergnügungsziel aber durch sämtliche Gesellschaftsschichten zieht, wird häufig nicht erkannt.

Lärmbelästigung durch lange Öffnungszeiten: Bei einer typischen Öffnungszeit von morgens 10.00 Uhr bis nachts 5.00 Uhr können insbesondere für direkte Anwohner erhebliche Lärmbelästigungen entstehen. Speziell dann, wenn Bistros oder Restaurants mit dem Spielcasino verbunden werden, wie im Falle der Bauanträge für die Wyhler Ortsmitte, können zusätzliche Geräuschkulissen, zum Beispiel durch Anlieferungen, zur Ruhestörung beitragen.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Gemeinde neben anderen planerischen Details vor allem sicherstellen will, dass zumindest Casinos mitten im Ort keine Baugenehmigung erhalten. Dies dürfte die zahlreichen Betreiber von Online-Casinos natürlich freuen. Die ausbleibenden Möglichkeiten des Baus von Vergnügungsstätten wie Spielbanken in Kleinstädten tragen zum voranschreitenden Trend in Richtung Internetglücksspiel bei.

Die Vorteile des Komforts beim Spiel auf der eigenen Couch sowie die entfallenden Eintrittskosten sind für den Spielwilligen zwar zunächst einmal positiv zu bewerten, die Spielatmosphäre und die