Die Bundeswehr untersucht in Erftstadt in NRW Fahrzeuge, die auf einer Bundesstraße von den Wassermassen überrascht worden waren - befürchtet wird, dass in den Autos und Lkw Tote liegen könnten. Foto: David Young/dpa

Die Bundeswehr untersucht in Erftstadt in NRW Fahrzeuge, die auf einer Bundesstraße von den Wassermassen überrascht worden waren - befürchtet wird, dass in den Autos und Lkw Tote liegen könnten. Foto: David Young/dpa

Erfstadt 17.07.2021 Von Deutsche Presse-Agentur

Bundeswehr beginnt mit Bergung von versunkenen Fahrzeugen

Die Bundeswehr hat damit begonnen, auf der überfluteten Bundesstraße 265 bei Erftstadt in Nordrhein-Westfalen Fahrzeuge zu bergen. Menschen seien in den Autos und Lastwagen bisher nicht entdeckt worden, teilte die Feuerwehr der Stadt Erftstadt mit.

Auf der B265 waren zahlreiche Fahrzeuge überspült worden. Eine Sprecherin des Rhein-Erft-Kreises hatte am Freitag gesagt, es sei unklar, ob es alle Insassen rechtzeitig aus ihren Fahrzeugen geschafft hätten, als sie von den Wassermassen überrascht wurden. Bei der Bergung setzt die Bundeswehr nun auch Radpanzer ein.

An einigen Orten der verheerenden Flut geht das Wasser inzwischen langsam zurück - aber die Zahl der Toten steigt und steigt. Bis zum Samstagnachmittag wurden allein aus dem Hochwasser-Hotspot Ahrweiler in Rheinland-Pfalz 98 Tote gemeldet. Die Polizei in Koblenz spricht von 670 Verletzten im Kreis Ahrweiler. Auch zwei Tage nach dem Unglück werden noch Menschen vermisst. Über die genaue Zahl konnte ein Sprecher am Nachmittag keine Angaben machen.

Bislang mehr als 140 Todesopfer gefunden

Mit den nun fast 100 bestätigten Toten in Rheinland-Pfalz steigt die Gesamtzahl der Opfer bei der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands auf mehr als 140. Aus dem ebenfalls schwer getroffenen Nordrhein-Westfalen waren zuletzt 43 Tote gemeldet worden. In NRW sind auch vier Feuerwehrleute unter den Toten, wie der Verband der Feuerwehren (VdF) mitteilt. Zu zwei Todesfällen in Altena und Werdohl im Sauerland kamen demnach ein ums Leben gekommener Feuerwehrmann aus Nettersheim (Kreis Euskirchen) und einer aus Rheinbach (Rhein-Sieg-Kreis) hinzu.

Unter den Toten in Rheinland-Pfalz sind auch zwölf Bewohner einer Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung in Sinzig. „Das Wasser drang innerhalb einer Minute bis an die Decke des Erdgeschosses“, sagte der Geschäftsführer des Landesverbands der Lebenshilfe Rheinland-Pfalz, Matthias Mandos. Die Nachtwache habe es noch geschafft, mehrere Bewohner in den ersten Stock des Wohnheims zu bringen. „Als er die nächsten holen wollte, kam er schon zu spät.“

Damm der Rur im Kreis Heinsberg gebrochen

Angespannt ist die Hochwasserlage nach wie vor im nordrhein-westfälischen Wassenberg im Kreis Heinsberg. Nach dem Bruch eines Damms der Rur steht der Stadtteil Ophoven teilweis unter Wasser. Etwa 700 Bewohnerinnen und Bewohner von Ophoven an der Grenze zu den Niederlanden hatten in der Nacht ihre Häuser verlassen müssen. Wer nicht in der Lage sei, seine Wohnung selbstständig zu verlassen, solle über eine Hotline um Hilfe bitten, appellierte die Stadt.

Zuletzt war von einem „stagnierenden Wasserpegel“ die Rede. Dennoch sei es nach wie vor gefährlich, sich in dem Gebiet aufzuhalten, warnte ein Sprecher der Feuerwehr.

Die Rur hat ihre Quelle in der Eifel und mündet bei Roermond in den Niederlanden in die Maas. Laut WDR sieht Wassenbergs Bürgermeister Marcel Maurer (CDU) einen möglichen Grund für den Dammbruch auf niederländischer Seite: Dort seien Schleusenklappen geschlossen worden, so dass es zum Rückstau der Wassermassen gekommen sei.

In Rheinland-Pfalz hat sich die Hochwassergefahr laut Frühwarnprognose des Landesamts für Umwelt Rheinland-Pfalz zuletzt verringert. In vielen Ortschaften ist aber weiterhin das Strom- und Telefonnetz ausgefallen. In der Nacht war die Polizei nach Angaben des Präsidiums mit vielen Einsatzkräften in den betroffenen Ortslagen im Einsatz.

Durch das Unwetter sind viele Straßen im Ahrtal weiterhin gesperrt oder nicht mehr befahrbar. Der Zugverkehr ist in Rheinland-Pfalz wegen der Überflutungen weiterhin massiv beeinträchtigt.

Verheerend sind die Folgen der Flut auch in Belgien. Dort hat die Hochwasserkatastrophe bislang 27 Menschen das Leben gekostet. „Leider müssen wir damit rechnen, dass diese Zahl in den nächsten Stunden und Tagen weiter ansteigen wird“, teilte das Nationale Krisenzentrum des Landes am Samstag mit. In den Niederlanden kämpfen die Anwohner entlang der Maas ebenfalls mit Sandsäcken und Schutzmaßnahmen gegen das Hochwasser. Mit einem Absinken des Wassers wurde in Roermond am Sonntagmorgen und in Venlo am Sonntagabend gerechnet.

© dpa-infocom, dpa:210717-99-415452/13

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Erstellt:
17. Juli 2021, 19:37 Uhr
Lesedauer:
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