Sie sorgen für Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt: Die beiden Betriebsakquisiteure des Jobcenters Diepholz und Nienburg, Anikke Hiltner und Karsten-D. Heinzmann. Jobcenter Nienburg

Sie sorgen für Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt: Die beiden Betriebsakquisiteure des Jobcenters Diepholz und Nienburg, Anikke Hiltner und Karsten-D. Heinzmann. Jobcenter Nienburg

Landkreis 08.03.2017 Von Die Harke

Ziel fast vorzeitig erreicht

Gute Erfolge der Jobcenter Nienburg und Diepholz bei der Integration von Langzeitarbeitslosen

Kai Lühring ist glücklich. Er hat seine Freiheit zurück: Jeden Cent zum Leben verdient er jetzt wieder selbst, und einen Führerschein besitzt er demnächst sogar auch. Diese Freiheit, sein Leben selbst zu steuern, hat ihm das [DATENBANK=931]Jobcenter Nienburg[/DATENBANK] ermöglicht. Lühring gehört zu den 95 ehemaligen Erwerbslosen in den Landkreisen Nienburg und Diepholz, denen der Europäische Sozialfonds ihren Rückweg in den ersten Arbeitsmarkt ermöglicht hat. „Das ESF-Programm für 52296 ist hier sehr erfolgreich umgesetzt worden“, sagt [DATENBANK=2389]Frank Köhring, der Geschäftsführer des Jobcenters Nienburg[/DATENBANK]. „Zusammen mit dem Jobcenter im Landkreis Diepholz wollten wir in 24 Monaten 100 Langzeitarbeitslose in den Arbeitsmarkt integrieren, und rund ein Vierteljahr vor Programm-Ende haben wir das Ziel schon bis auf wenige Restplätze erreicht.“

Dass er eines Tages seine berufliche Erfüllung als Fahrzeugaufbereiter finden würde, hätte Kai Lühring nie geahnt. Für ihn hat sich eine neue Welt aufgetan. „Das Förderprogramm hat nämlich einen anderen Ansatz als andere Programme. Wir fördern nicht nur finanziell, sondern makeln ganz offensiv für unsere Arbeitnehmer-Kunden, also bringen Arbeitnehmer und Arbeitgeber miteinander ins Gespräch“, sagt Karsten-D. Hinzmann, der in Nienburg das Projekt betreut.

„Natürlich hat Herr Lühring schließlich durch seine Motivation überzeugt, aber hätte er einfach nur eine Bewerbung verschickt, hätten sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber wahrscheinlich nicht aufeinander eingelassen.“

In einer gemeinsamen Pressemeldung erklären die Jobcenter: „Seit eineinhalb Jahren läuft das ESF-Programm bundesweit mit überwiegend ähnlich großem Erfolg. Ziel des Förderprogrammes war es, langzeitarbeitslose Menschen mit teilweise fehlenden beruflichen Qualifikationen in Betrieben zu verankern. Das Geld dafür kommt aus dem Europäischen Sozialfond. Ungefähr jeder dritte Arbeitslose ist langzeitarbeitslos, also länger als zwölf Monate ohne sozialversicherungspflichtige, bezahlte Beschäftigung.

Und das, obwohl der Arbeitsmarkt in Deutschland so aufnahmefähig ist wie lange nicht mehr. Über alle Qualifikationsstufen hinweg brauchen Unternehmen Personal. Das Ende dieses Bedarfs ist nicht absehbar und wird wohl die kommenden zehn Jahre anhalten.“

„Natürlich haben es Unternehmer schwer, sich auf Bewerber einzulassen, die wenig oder schon seit langem keine berufliche Erfahrung mehr nachweisen“, sagt Lührings Arbeitgeber Carl-David Molloy. „Einerseits warten wir händeringend auf Verstärkung, andererseits kann uns eine Fehlentscheidung teuer zu stehen kommen.“ Er jedenfalls ist dem Jobcenter dankbar für dessen Hilfe.

Die gleiche Erfahrung hat Anikke Hiltner gemacht. Genau wie Karsten Hinzmann in Nienburg betreut sie das Programm für das Jobcenter im Landkreis Diepholz. „Wir erleben täglich, dass den Arbeitgebern die Förderung wichtig ist, substanziell sind aber die Entwicklungsmöglichkeiten, die die Arbeitnehmer mit ihrer Bewerbung versprechen“, sagt die 45-jährige Betriebsakquisiteurin aus Syke. Das bestätigt auch Philipp Leymann, Geschäftsführer des Baustoffhändlers Albert Leymann aus Sulingen. Das Unternehmen ist über das ESF-Programm ein guter Griff gelungen: „Herr Kroll hat sich hier im Haus zu einem wertvollen Mitarbeiter entwickelt. Grundsätzlich ist die Personalsuche ja sehr zeit- und kostenintensiv, und über die Experten im Jobcenter gelingt uns ein anderer, vor allem unvoreingenommenerer Blick auf manchen Kandidaten“, sagt er. Eberhard Kroll arbeitet seit dem vergangenen September für Leymann Baustoffe als Social Media Manager und kann dort sein Wissen voll einbringen und umsetzen.

„Social Media ist meine Leidenschaft, und weil dieses Berufsbild derzeit noch kein Ausbildungsberuf ist, musste ich mich, um am Ball zu bleiben, in den letzten Jahren intensiv und eigenständig weiterbilden. Das hat sich bezahlt gemacht, und meine Kompetenzen und Expertisen werden hier sehr geschätzt. Ich zeige auf, was möglich ist, und durch die Unterstützung der Geschäftsleitung und der Mitarbeiter gelingt es uns, unsere Firmenkommunikation täglich zu verbessern.“

Der 52-Jährige ist glücklich darüber, dass er durch die intensive Betreuung durch das Jobcenter und explizit durch Anikke Hiltner wieder einen Vollzeitjob gefunden hat und ein Unternehmen, das an ihn glaubt. Tatsächlich werden die Chancen geringer, aus eigener Kraft wieder einen Arbeitsplatz zu finden, je länger jemand im Leistungsbezug feststeckt. Laut einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarktforschung, IAB, bleibt jeder Zweite, der einen neuen Antrag auf Hartz IV stellt, länger als ein Jahr im Bezug.

„Insofern ist unser ESF-Programm zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit ein sehr taugliches Instrument, um Bewegung auf den Arbeitsmarkt zu bringen“, sagt Frank Köhring, Geschäftsführer des Jobcenters in Nienburg. Ziel der Jobcenter ist es auch mit diesem Programm, sich weiterhin nachhaltig als zeitgemäßer Personaldienstleister zu präsentieren, anstatt lediglich als Verwaltung aufzutreten.

„Das ist eine fordernde und gleichzeitig sehr befriedigende Aufgabe“, sagt Nienburgs Betriebsakquisiteur Karsten-D. Hinzmann: „Wir müssen einschätzen können, was ein Unternehmer braucht und was für ein Typ Mensch er ist. Gleichzeitig müssen wir einschätzen können, was für Möglichkeiten in einem Erwerbslosen schlummern. Im Idealfall möchte ein Arbeitgeber nur einen Bewerber vorbeschlagen bekommen, und zwar den perfekten.

Und für beide Parteien ein Happy-End zu gestalten, macht schon sehr zufrieden.“ Seine Kollegin Anikke Hiltner bestätigt das: „Die Verbindung zwischen Herrn Kroll und der Firma Leymann war eine 100-prozentige Punktlandung, beide sind glücklich miteinander.“

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Erstellt:
8. März 2017, 21:00 Uhr
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